1. Warum trifft die Hormus-Sperrung Asien härter als Europa?
Weil der größte Teil des Öls aus der Straße von Hormus nach Asien fährt: 2024 gingen 84 % der Rohöl- und Kondensatmengen durch die Meerenge an asiatische Abnehmer, im ersten Halbjahr 2025 sogar 89 %, so die US-Energiestatistikbehörde EIA. China, Indien, Japan und Südkorea allein kamen 2024 auf 69 % und im ersten Halbjahr 2025 auf 74 %. Insgesamt liefen 2024 im Schnitt 20 Mio. Barrel pro Tag durch Hormus, etwa 20 % des weltweiten Verbrauchs an flüssigen Mineralölprodukten (EIA).
Die Internationale Energieagentur (IEA) zählt etwas anders: 2025 passierten knapp 15 Mio. Barrel Rohöl pro Tag die Meerenge, 80 % davon gingen nach Asien, 44 % allein an China und Indien. Nach Europa flossen nur rund 600.000 Barrel pro Tag, gerade 4 % (IEA, Februar 2026). Strittig ist, wie viel an Hormus vorbei kann: Die IEA nennt 3,5 bis 5,5 Mio. Barrel pro Tag verfügbare Kapazität auf Ausweichrouten, die EIA rund 2,6 Mio., weil sie nur saudische und emiratische Pipelines wie die Ost-West-Pipeline zählt. Im September sah die IEA die Rohölverluste auf knapp unter 45 % geschrumpft, dank Umgehungsrouten und US-Geleitschutz (11.09.2026). Die Meerenge selbst erklärt unser Lexikon: Straße von Hormus.
Zum Vergleich: Deutschland bezog 2025 nur 6,3 % seines Rohöls aus den sieben Golfstaaten, Österreich 16,0 % (GOS-Hormus-Index, Eurostat, eigene Rechnung). Asiens vier große Importeure melden ihre Vorräte in vier verschiedenen Einheiten:
| Land | Bestand in der jeweiligen Zählweise | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|
| Japan | 199 Tage (staatlich 102, privat 93, Förderländer 4), nationale Zählweise nach dem Bevorratungsgesetz | 15.09.2026 | METI/ANRE, Schnellschätzung vom 18.09.2026 |
| Südkorea | 100 Mio. Barrel in staatlichen KNOC-Lagern (ohne gemeinsame Lager mit Förderländern), Kapazität 146 Mio. | 31.08.2026 | KNOC, Betriebsübersicht der Lager |
| Indien | 3,372 Mio. Tonnen Rohöl in der strategischen Reserve, rund 64 % der Kapazität; voll gefüllt reicht sie rund 9,5 Tage | 23.03.2026 | Antwort im Rajya Sabha laut Business Standard |
| China | keine amtlichen Zahlen; die EIA schätzte knapp 1,4 Mrd. Barrel Rohölvorräte, davon rund 360 Mio. staatlich | Dez. 2025 | EIA, Today in Energy (20.04.2026) |
Tage, Barrel und Tonnen lassen sich nicht direkt ineinander umrechnen; bei China handelt es sich um eine Schätzung, nicht um eine amtliche Zahl.
2. Wie viele Tage Ölvorrat hat Japan noch?
Japan meldete für den 15. September 2026 Vorräte für 199 Tage: 102 Tage beim Staat, 93 bei den Unternehmen und 4 in gemeinsamen Lagern mit Förderländern (Schnellschätzung der Energiebehörde ANRE im Wirtschaftsministerium METI vom 18.09.2026). Ende 2025, vor der Krise, waren es 254 Tage, davon 146 beim Staat. Das ergibt 55 Tage weniger insgesamt und 44 weniger beim Staat (eigene Rechnung; Monatsbericht und vorläufige Schnellschätzung sind verschiedene Verfahren, der Vergleich zeigt nur die Größenordnung).
Entscheidend ist die Zählweise. Die 199 Tage folgen dem japanischen Bevorratungsgesetz, das die Vorräte durch den Inlandsverbrauch teilt. Die IEA rechnet in Tagen der Nettoimporte, und ANRE zählt auf dieser Basis auch Flüssiggas mit. Der Monatsbericht nennt deshalb zwei Werte: Ende 2025 waren es 254 Tage nach Gesetz und 214 auf IEA-Basis, Ende Juli 2026 206 und 176. Warum dieselben Barrel verschieden viele Tage ergeben, erklärt die Seite zur 90-Tage-Regel.
Zur IEA-Freigabe 2026 steuerte Japan 79,8 Mio. Barrel bei: 54,0 aus staatlichem Rohöl, 25,8 aus Industrievorräten (IEA). Ab 16. März durften die Firmen 15 Tage abgeben, ihre Pflicht sank von 70 auf 55 Tage. Ab 26. März gab der Staat rund 8,5 Mio. Kiloliter Rohöl ab (ANRE), etwa 53,5 Mio. Barrel (eigene Rechnung). Ab 1. Mai folgte eine zweite Tranche von rund 5,8 Mio. Kilolitern, laut Argus 36 Mio. Barrel. 2025 stammten 94,0 % der Rohöleinfuhren aus dem Nahen Osten (JETRO); im Juli 2026 waren es laut METI-Schnellstatistik, zitiert vom Branchendienst LNEWS, noch 58,9 %, und die USA wurden größter Lieferant.
3. Wie viel Öl hat Südkorea, und wurde Staatsöl freigegeben?
In den Lagern der staatlichen Ölgesellschaft KNOC (Korea National Oil Corporation) lagen am 31. August 2026 weiter 100 Mio. Barrel, ohne die gemeinsam mit Förderländern gelagerten Mengen; die neun Stützpunkte fassen 146 Mio. Barrel (KNOC). Vor der Krise reichten staatliche und private Vorräte zusammen für rund 206,9 Tage, die staatlichen allein für rund 116 Tage auf IEA-Basis, so der Forschungsdienst des Parlaments laut Energy Daily (04.09.2026). Einen aktuellen Tageswert für 2026 haben wir nicht gefunden. Die EIA schätzte Koreas strategische Vorräte 2025 im Schnitt auf 79 Mio. Barrel; sie grenzt offenbar anders ab als KNOC.
Koreas Anteil an der IEA-Aktion lag laut Handelsministerium bei 22,46 Mio. Barrel (Seoul Shinmun; IEA-Tabelle: 22,5). Statt Staatsöl zu verkaufen, senkte die Regierung ab 29. Mai die private Vorratspflicht von 40 auf 20 Tage; das entsprach laut Financial News (28.05.2026) rund 12 Mio. Barrel. Ob der Rest von rund 10,46 Mio. Barrel (laut Aju Business) später geliefert wurde, haben wir nicht gefunden. Außerdem verleiht der Staat seit 31. März Nahost-Rohöl aus dem Vorrat an Raffinerien, die es später mit Rohöl aus Afrika oder Amerika zurückgeben (eToday); bis Juni waren es laut Energy Daily rund 21 Mio. Barrel.
2025 stammten rund 70 % des koreanischen Rohöls aus dem Nahen Osten, 61 % fuhren durch Hormus (Regierungsangaben laut Energy News, 23.09.2026). Am selben Tag beschloss Seoul laut Money Today, den Anteil einer einzelnen Region am Rohöl bis 2035 auf höchstens 50 % zu drücken und bis 2030 Lagerraum für 20 Mio. Barrel zusätzlich zu schaffen.
4. Wie groß sind die Ölreserven von China und Indien?
China veröffentlicht keine Zahlen zu seinen Ölvorräten; die EIA schätzte sie für Dezember 2025 auf knapp 1,4 Mrd. Barrel Rohöl, davon rund 360 Mio. in Staatshand und rund 1 Mrd. in kommerziellen Tanks (EIA, 20.04.2026). Seit Mai deuten Schätzungen auf einen Abbau: Das Analysehaus Kpler schätzte die Landbestände am 25. Mai auf rund 1.232 Mio. Barrel, nach dem Höchststand von 1.251 Mio. Anfang Mai. Im zweiten Quartal fielen die Importe auf 8,1 Mio. Barrel pro Tag, 32 % weniger als im Vorquartal (EIA). Für August errechnete Reuters-Kolumnist Clyde Russell einen Abbau von 640.000 Barrel pro Tag, und laut IEA wurde der Rückgang der Bestände außerhalb der OECD um 52 Mio. Barrel im August von China angeführt. Zudem wies Peking die Exporteure im März an, keine neuen Exportgeschäfte für Benzin, Diesel und Kerosin abzuschließen, und lockerte erst ab Juli (laut BusinessToday und Hydrocarbon Processing).
Indien hat unter den vier den kleinsten staatlichen Puffer. Die Kavernen der staatlichen Gesellschaft ISPRL (Indian Strategic Petroleum Reserves Limited) in Visakhapatnam, Mangaluru und Padur fassen 5,33 Mio. Tonnen; am 23. März lagen darin 3,372 Mio. Tonnen, rund 64 % (schriftliche Antwort von Staatsminister Suresh Gopi an den Rajya Sabha, laut Business Standard). Voll gefüllt reichen sie rund 9,5 Tage. Einen neueren Füllstand oder eine Freigabe haben wir nicht gefunden. Samt den Tanks der Ölfirmen nannte die Regierung Ende März rund 60 Tage Deckung (PIB-Faktencheck laut All India Radio), Ölminister Hardeep Singh Puri im Juni laut Outlook Business 76 bis 80 Tage; der Unterschied ist nicht geklärt. Russland lieferte im Juli 56 % und im August 44 % der indischen Rohölimporte (Business Standard, Kpler-Daten).
5. Was ist über Taiwan und Thailand bekannt, und wie geht es weiter?
Für Taiwan und Thailand gibt es nur wenige belastbare Zahlen, und die für Taiwan widersprechen sich. Gesetzlich müssen Taiwans Raffinerien und Importeure Vorräte für 60 Tage Inlandsabsatz halten, der Staat weitere 30 Tage (Energieverwaltung des Wirtschaftsministeriums). Den tatsächlichen Bestand bezifferte Wirtschaftsminister Kung am 6. März laut Taipei Times auf Rohöl für mehr als 100 Tage, der Atlantic Council schrieb am 19. März von rund 150 Tagen. Thailands Energieministerium meldete laut Nation Thailand für den 1. Mai 108 Tage Reichweite, rechnete aber Ladungen auf See und zugesagte Lieferungen mit ein; an Land lagen 49 Tage (eigene Rechnung).
| Land | Angabe | Zählweise | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Japan (zum Vergleich) | 176 Tage (Staat 89, Unternehmen 83, Förderländer 3) | IEA-Basis: Tage der Nettoimporte, inkl. Flüssiggas | 31.07.2026 | ANRE, Monatsbericht September 2026 |
| Taiwan | Pflicht: 60 Tage bei Raffinerien und Importeuren, dazu 30 Tage beim Staat | gesetzliche Pflicht in Tagen des Inlandsabsatzes (Ölverwaltungsgesetz § 24), kein Ist-Bestand | ohne Datum, abgerufen 23.09.2026 | Energieverwaltung (經濟部能源署) |
| Taiwan | Rohöl für mehr als 100 Tage | Aussage von Wirtschaftsminister Kung, Basis nicht genannt | 06.03.2026 | Taipei Times |
| Taiwan | rund 150 Tage | Basis nicht genannt; weicht von der Ministerangabe ab | 19.03.2026 | Atlantic Council |
| Thailand | 108 Tage: Pflichtreserve 25, Handelsbestände 24, unterwegs 39, zugesagt 20 | Reichweite inkl. Ladungen auf See und Lieferverträgen; an Land 49 Tage (eigene Rechnung) | 01.05.2026 | Energieministerium laut Nation Thailand |
Wie geht es weiter? Japans Vorrat ist geschrumpft, Chinas laut Schätzungen ebenfalls. Einen Plan für den Rückkauf der japanischen Staatsvorräte haben wir nicht gefunden, und die Pflicht der Firmen lag Ende Juli weiter bei 55 statt 70 Tagen (ANRE). Laut Reuters dürften Japan und Südkorea eher schrittweise auffüllen, je nach Preisen und Budgets (09.07.2026). Was das Auffüllen für den Ölmarkt bedeutet, steht unter Wiederauffüllung 2027; alle Länder mit Quelle und Stand zeigt der Ölreserven-Monitor.
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölreserven Asien 2026: Japan, China, Korea, Indien“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/asien-china-japan-indien/