Ölreserven-Monitor · Importe nach Herkunft

Woher kommt Europas Öl? Rohöl, Diesel und Kerosin von acht Ländern nach Lieferland

Symbolbild: Länderübersicht zu den Ölimporten europäischer Staaten

Deutschland bezog 2025 sein Rohöl vor allem aus Norwegen (17,2 %), Libyen (14,8 %), den USA (14,2 %) und Kasachstan (13,7 %); seine Importe von Diesel und Heizöl kamen zu 47,2 % aus den Niederlanden. Das zeigt die Eurostat-Importstatistik nrg_ti_oilm (aktualisiert am 10.09.2026, Anteile eigene Rechnung). Die sieben anderen Länder im Vergleich haben eigene Muster: Österreich hängt am Öl aus Kasachstan, Polen am saudischen, Italien am libyschen. Im 2. Quartal 2026, während der Hormus-Sperrung, fiel der Anteil der Golfstaaten an den gemeldeten Importen der EU-Länder von 13,2 % auf 7,6 %, und die USA wurden zum größten Rohöllieferanten dieser Summe.

1. Von wem kaufen die acht Länder ihr Rohöl und ihren Diesel?

Nur zwei der acht Länder beziehen fast die Hälfte oder mehr ihres Rohöls aus einem einzigen Staat: Österreich 57,2 % aus Kasachstan und Polen 47,4 % aus Saudi-Arabien. Bei den übrigen sechs liegt der größte Lieferant zwischen 15,2 % (Spanien, USA) und 25,0 % (Italien, Libyen).

Die Tabelle zeigt für Deutschland, Österreich und sechs weitere EU-Länder die zwei größten Rohöllieferanten 2025, den größten Lieferanten von Diesel samt Heizöl und den Anteil der sieben Golfstaaten. Als Golfstaaten zählen Saudi-Arabien, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar, Bahrain und Iran, so wie in der Gruppe „Persian Gulf“ der US-Energiebehörde EIA. Oman fehlt, weil seine Exporthäfen außerhalb der Straße von Hormus liegen.

LandGrößter Rohöllieferant 2025Zweitgrößter Rohöllieferant 2025Golf-Anteil am Rohöl 2025Größter Lieferant von Diesel/Heizöl 2025Golf-Anteil 2. Quartal 2026 (alle drei Produkte)
DeutschlandNorwegen (17,2 %)Libyen (14,8 %)6,3 %Niederlande (47,2 %)2,8 %
ÖsterreichKasachstan (57,2 %)Libyen (14,3 %)16,0 %Deutschland (69,2 %)1,2 %
FrankreichUSA (22,1 %)Kasachstan (14,9 %)10,1 %Saudi-Arabien (27,5 %)6,2 %
SpanienUSA (15,2 %)Brasilien (13,6 %)10,7 %Italien (19,3 %)5,1 %
ItalienLibyen (25,0 %)Aserbaidschan (17,4 %)12,4 %Saudi-Arabien (47,0 %)12,2 %
NiederlandeUSA (21,9 %)Norwegen (18,4 %)9,1 %Belgien (47,7 %)0,9 %
BelgienNorwegen (23,0 %)Kasachstan (16,6 %)3,0 %Niederlande (67,6 %)1,2 %
PolenSaudi-Arabien (47,4 %)Norwegen (33,1 %)47,4 %Deutschland (35,2 %)33,4 %
EU-27 (Summe der Meldungen)Norwegen (13,9 %)USA (13,2 %)12,4 %Niederlande (17,1 %)7,6 %

Quelle: Eurostat nrg_ti_oilm (aktualisiert 10.09.2026), Mengen in Tausend Tonnen; 2025 = Januar bis Dezember, 2. Quartal 2026 = April bis Juni. Anteile: eigene Rechnung. Golfstaaten: Saudi-Arabien, Irak, VAE, Kuwait, Katar, Bahrain, Iran. Die letzte Spalte fasst Rohöl, Diesel/Heizöl und Kerosin nach Masse zusammen.

GOS-Hormus-Index als CSV herunterladen (UTF-8, Mengen je Land, Produkt und Zeitraum)

Den Golf-Anteil aller 19 ausgewerteten EU-Länder, auch Litauen und Griechenland, findest du im GOS-Hormus-Index. Wie viele Tage Notvorrat dieselben Länder halten, zeigt die Übersicht im Ölreserven-Monitor.

2. Welche Lieferländer sind für welche Region wichtig?

Die Eurostat-Daten zeigen fünf klare Muster: Nordsee-Öl und Kasachstan für Deutschland, Belgien und Österreich, die USA für Frankreich, die Niederlande und Spanien, Libyen und Aserbaidschan für Italien, Saudi-Arabien für Polen und Lateinamerika für Spanien (2025, eigene Rechnung).

  • Nordsee und Kasachstan: Deutschland bezog 17,2 % seines Rohöls aus Norwegen, 13,7 % aus Kasachstan und 10,7 % aus dem Vereinigten Königreich. Belgien kam auf 23,0 % aus Norwegen und 16,6 % aus Kasachstan, Polen auf 33,1 % aus Norwegen.
  • USA für Westeuropa: Frankreich 22,1 %, die Niederlande 21,9 %, Spanien 15,2 %.
  • Libyen und Aserbaidschan für Italien: 25,0 % und 17,4 %, dazu 13,5 % aus Kasachstan.
  • Saudi-Arabien für Polen: 47,4 % des Rohöls, der höchste Anteil eines einzelnen Golfstaats am Rohöl der acht Länder.
  • Lateinamerika für Spanien: Brasilien 13,6 %, Mexiko 12,3 %.

Österreich ist der Extremfall: 2025 kamen 57,2 % seines Rohöls aus Kasachstan, 14,3 % aus Libyen und 12,7 % aus Saudi-Arabien. Das Öl erreicht die Raffinerie Schwechat über den Hafen Triest und die Transalpine Ölleitung (TAL); mehr als 90 % der importierten Rohölmengen laufen laut Wirtschaftsministerium (BMWET) über die Adria-Wien-Pipeline. Wie Österreich seine Notvorräte organisiert, steht auf der Seite Österreich: ELG und Freigabe an die OMV, die Einzelheiten für Deutschland unter Woher kommt Deutschlands Öl? Russland steht 2025 bei keinem der acht Länder unter den bis zu zehn größten Rohöllieferanten, die wir ausgewertet haben.

3. Woher kommen Diesel, Heizöl und Kerosin aus dem Ausland?

Seine Importe von Diesel und Heizöl bezieht Deutschland überwiegend aus den Nachbarländern Niederlande und Belgien: 2025 kamen 47,2 % aus den Niederlanden und 24,0 % aus Belgien, direkt aus den sieben Golfstaaten nur 7,2 %. Die Niederlande und Belgien sind eine Drehscheibe des europäischen Produkthandels, auch untereinander: Die Niederlande bezogen 47,7 % ihrer Dieselimporte aus Belgien, Belgien 67,6 % aus den Niederlanden. Daneben kauft Deutschland in den USA (7,7 %), in Indien (4,1 %) und in Kuwait (3,3 %).

Andere Länder kaufen viel direkter am Golf. Frankreich bezog 2025 27,5 % seiner Diesel- und Heizölimporte aus Saudi-Arabien, insgesamt 33,2 % aus Golfstaaten; Italien 47,0 % aus Saudi-Arabien und 55,8 % vom Golf insgesamt. Österreich deckt laut BMWET rund 69 % seines Dieselbedarfs mit Importen, davon rund 71 % aus Deutschland (Pressemitteilung vom 23.06.2026). Die Eurostat-Daten für 2025 zeigen 69,2 % aus Deutschland, 14,3 % aus Italien und 13,6 % aus Slowenien.

Beim Kerosin ist der Golf wichtiger als beim Rohöl: In der Summe der EU-Meldungen lag der Golf-Anteil 2025 bei 29,5 %, beim Rohöl bei 12,4 %. Nach den Niederlanden (24,7 %) waren Kuwait (19,5 %) und Indien (9,1 %) die größten Kerosinlieferanten. Deutschland bezog dagegen 85,2 % seines Kerosins aus den Niederlanden. Die Schweiz steht nicht in der Eurostat-Statistik; laut Branchenverband Avenergy Suisse kamen 2025 66,3 % ihrer importierten Fertigprodukte aus Deutschland. Wie groß die Lager an Diesel, Heizöl und Kerosin sind, zeigt die Seite Diesel, Heizöl, Kerosin: Produktvorräte.

4. Was hat sich 2026 bei den Lieferländern verschoben?

Im 2. Quartal 2026 kamen nur noch 7,6 % der gemeldeten Importe der EU-Länder aus den sieben Golfstaaten, nach 13,2 % im Jahr 2025; beim Rohöl stieg zugleich der Anteil der USA von 13,2 % auf 17,4 % (Eurostat, Summe der Meldungen, eigene Rechnung). Europa war schon vor der Krise ein kleiner Kunde am Golf: Laut Internationaler Energieagentur (IEA) gingen 2025 rund 600.000 Barrel am Tag durch Hormus nach Europa, nur 4 % der Exporte durch die Meerenge.

  • Deutschland: Der US-Anteil am Rohöl stieg von 14,2 % auf 23,3 %; die USA lagen damit vor Kasachstan und Norwegen, Guyana kam auf 8,8 %. Der Golf-Anteil aller drei Produkte sank von 6,0 % auf 2,8 %.
  • Österreich: 12,4 % des Rohöls kamen aus den USA, 2025 waren es 0,7 %; Kasachstan lieferte 64,3 %.
  • Frankreich: 39,6 % der Dieselimporte kamen aus den USA (2025: 16,4 %). Kerosin aus Kuwait, 2025 noch 2.730 Tausend Tonnen, blieb im 2. Quartal aus.
  • Gegenläufig: Polen bezog weiter 45,3 % seines Rohöls aus Saudi-Arabien (2.535,8 Tausend Tonnen), und Italiens Dieselimporte kamen sogar zu 65,7 % vom Golf, nach 55,8 % im Jahr 2025.

Saudi-Arabien kann über die Ost-West-Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer an Hormus vorbei liefern. Die weiter laufenden Mengen nach Polen passen dazu, den Verladehafen nennt Eurostat aber nicht. Kuwait, Katar, Bahrain und Iran haben keine solche Ausweichroute. Die IEA schrieb am 11.09.2026, die Rohöl-Ausfälle seien auf knapp unter 45 % gesunken, gestützt durch mehr Umgehungsmengen und US-Geleitschutz. Was eine längere Sperrung für Europa hieße, kannst du im Szenario-Rechner durchspielen.

5. Was zeigt die Statistik nicht, und wie sieht es in den USA und in Großbritannien aus?

Eurostat erfasst das Lieferland, nicht den Ursprung des Rohöls: Diesel aus den Niederlanden, Belgien oder Indien kann aus Golf-Rohöl raffiniert sein und zählt trotzdem nicht als Golf-Import. Die Golf-Anteile auf dieser Seite messen deshalb nur die direkte Abhängigkeit. Drei weitere Grenzen:

  • Handel innerhalb der EU zählt mit. In der Summe der EU-Meldungen waren 2025 die Niederlande (17,1 %), Belgien (11,5 %) und Deutschland (10,6 %) die größten Diesel-Lieferanten. Weil diese Mengen mitgezählt werden, fällt der Golf-Anteil der Summe niedriger aus als ein Anteil nur an den Einfuhren von außerhalb der EU.
  • Lücken. Spanien meldete für März 2026 keinen Rohölwert; das 2. Quartal ist vollständig. Finnland meldete für 2025 nur 1.456 Tausend Tonnen Rohöl, offensichtlich unvollständig, und fehlt deshalb im GOS-Hormus-Index. Sammelposten wie „übrige Länder Amerikas“ (6,7 % des deutschen Rohöls) verbergen einzelne Lieferländer.
  • Tonnen statt Barrel. Eurostat zählt Masse, die EIA Barrel. Anteile lassen sich vergleichen, Mengen nicht direkt.

Zum Vergleich: Die USA bezogen 2025 laut EIA 7,9 % ihrer Rohölimporte vom Persischen Golf und 63,4 % aus Kanada; im Juni 2026 kamen nur noch 1,9 % vom Golf (eigene Rechnung). Im Vereinigten Königreich waren 2025 laut der Energiestatistik DUKES die USA größter Rohöllieferant vor Norwegen (27 %), und 35 % des importierten Kerosins kamen aus Kuwait.

Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölimporte nach Herkunft: acht Länder im Vergleich“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/importe-nach-herkunft/

6. Häufige Fragen zu Ölimporten nach Herkunft

Woher bezieht Deutschland sein Rohöl?
2025 vor allem aus Norwegen (17,2 %), Libyen (14,8 %), den USA (14,2 %), Kasachstan (13,7 %) und dem Vereinigten Königreich (10,7 %), gemessen an 80.313,8 Tausend Tonnen Rohölimporten (Eurostat, eigene Rechnung). Im 2. Quartal 2026 lagen die USA mit 23,3 % vorn.
Woher kommen Diesel und Heizöl in Deutschland und Österreich?
Deutschlands Importe kamen 2025 zu 47,2 % aus den Niederlanden und zu 24,0 % aus Belgien. Österreich bezog 69,2 % seiner Diesel- und Heizölimporte aus Deutschland, 14,3 % aus Italien und 13,6 % aus Slowenien (Eurostat, eigene Rechnung).
Wie stark hängt Europa direkt vom Persischen Golf ab?
In der Summe der EU-Meldungen kamen 2025 13,2 % der Importe von Rohöl, Diesel/Heizöl und Kerosin aus den sieben Golfstaaten, im 2. Quartal 2026 7,6 %. Unter den acht Ländern lag Polen 2025 mit 37,0 % vorn, Belgien mit 4,6 % am niedrigsten; Deutschland kam auf 6,0 % (eigene Rechnung).
Kauft Europa jetzt mehr Öl aus den USA?
Ja, gemessen an den Anteilen: Beim Rohöl stieg der US-Anteil in der Summe der EU-Meldungen von 13,2 % (2025) auf 17,4 % (2. Quartal 2026), in Deutschland von 14,2 % auf 23,3 %. Frankreich bezog im 2. Quartal 39,6 % seiner Dieselimporte aus den USA.
Zählt Diesel aus Rotterdam als Import vom Golf?
Nein. Eurostat erfasst das Lieferland. Diesel aus den Niederlanden zählt als niederländisch, auch wenn er aus Golf-Rohöl raffiniert wurde. Die Golf-Anteile auf dieser Seite messen deshalb nur die direkte Abhängigkeit.
Wie aktuell sind die Importdaten?
Eurostat hat den Datensatz nrg_ti_oilm am 10.09.2026 aktualisiert; wir haben ihn am 23.09.2026 abgerufen. Der jüngste Monat ist Juni 2026 für Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande und Polen, Juli 2026 für Belgien und Österreich.

Und dein Haushalt?

Die Reserven der Staaten sind das eine, dein Heizöltank und deine Spritkosten das andere. Rechne im Energiekosten-Rechner durch, was der Ölpreis für deinen Verbrauch bedeutet.

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