1. Wer muss wie viel Öl zurückholen, und bis wann?
Die Rückholpflichten aus der Freigabe 2026 sind sehr ungleich verteilt: Den größten Posten, die 172,2 Mio. Barrel der US-Reserve, hat das DOE als Tausch angelegt, bei dem Ölfirmen das geliehene Öl mit Aufschlag zurückgeben; für die EU, Deutschland und Österreich haben wir dagegen bis zum 23. September 2026 keine Auffüllfrist gefunden. Ausgangspunkt ist die Gemeinschaftsaktion der Internationalen Energieagentur (IEA) mit 426 Mio. Barrel; alle Länderbeiträge listet IEA-Freigabe 2026: wer was gab. Die Tabelle zeigt, was wir zu Rückgabe und Frist belegen können.
| Land | Beitrag 2026 | So kommt das Öl zurück | Frist | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| USA | 172,2 Mio. Barrel Rohöl, als Tausch | DOE erwartet rund 200 Mio. Barrel zurück, nach eigener Angabe 20 % mehr als entnommen | „binnen des nächsten Jahres“ ab 11.03.2026; keinen Monatsplan gefunden | IEA; DOE |
| Deutschland | 19,5 Mio. Barrel aus Vorräten des EBV | laut Bloomberg Nachkauf von Diesel per Ausschreibung im Juni und Juli | setzt das BMWE per Verordnung; für 2026 keine gefunden | IEA; ErdölBevG § 12 |
| Österreich | 2,4 Mio. Barrel Rohöl; bis 03.09. von der OMV gekauft: 56.000 t | Verkauf an die OMV, 269.000 t bis 01.10.2026 verfügbar; die Wiederauffüllung kann das Ministerium per Verordnung festsetzen | keine gefunden | IEA; Parlamentskorrespondenz, 03.09.2026; EBG 2012 § 5 Abs. 3 |
| Schweiz | kein IEA-Beitrag; vom 8. bis 20.09. bis zu je 30.000 m³ Benzin und Diesel | die Pflichtlagerhalter lagern selbst wieder ein | binnen 6 Monaten, etwa bis März 2027 (eigene Rechnung) | BWL, 08.09.2026 |
| Japan | 79,8 Mio. Barrel (54,0 staatlich, 25,8 Industrie) | laut Reuters schrittweise, je nach Ölpreis und Haushalt | kein Plan gefunden | IEA; Reuters, 09.07.2026 |
| Südkorea | 22,5 Mio. Barrel | laut Reuters schrittweise; laut Money Today neuer Plan: 20 Mio. Barrel mehr Lagerraum bis 2030 | kein Rückgabeplan gefunden | IEA; Money Today, 23.09.2026 |
„Keine gefunden“ heißt: Bis zum 23. September war keine Frist veröffentlicht, die wir finden konnten. Das schließt nicht aus, dass Behörden intern mit Terminen planen. In der Schweiz betrifft die feste Frist eine kleine Menge, weniger als 3 % der Pflichtlager je Produkt (BWL).
2. Wann kommt das verliehene Öl in die US-Reserve zurück?
Die Rückgaben an die strategische Ölreserve der USA (SPR) sollten laut Reuters noch 2026 beginnen und reichen ins Jahr 2027: Für die Ausschreibung vom 9. April schrieb das DOE, die Firmen gäben das Öl samt Prämien-Barrel „bis zum nächsten Jahr“ zurück. Insgesamt erwartet das DOE für die zugesagten 172 Mio. Barrel rund 200 Mio. Barrel zurück, „binnen des nächsten Jahres“ nach dem 11. März und ohne Kosten für die Steuerzahler. Wright bezifferte den Schnitt laut Reuters auf 1,28 Barrel Rückgabe je verliehenem Barrel (09.07.2026).
Offen ist, wie viel es am Ende wird. Bis zum 10. Juni hatte das DOE in vier Ausschreibungen über 133 Mio. Barrel vergeben und nannte dabei 26 % Aufschlag. Einen Zuschlag für die Juni-Ausschreibung über bis zu 40 Mio. Barrel haben wir beim DOE nicht gefunden, ebenso wenig einen Monatsplan für die Rückgaben oder eine Endsumme. Fest steht der Ausgangspunkt: 285,0 Mio. Barrel in der Woche bis 11. September, 120,7 Mio. weniger als die 405,7 Mio. ein Jahr zuvor (EIA; Differenz eigene Rechnung).
| Zeitpunkt | SPR (Mio. Barrel) | Reihe |
|---|---|---|
| Dezember 2025 (Monatsende) | 413,5 | EIA MCSSTUS1 |
| Januar 2026 (Monatsende) | 415,2 | EIA MCSSTUS1 |
| Februar 2026 (Monatsende) | 415,4 | EIA MCSSTUS1 |
| März 2026 (Monatsende) | 414,8 | EIA MCSSTUS1 |
| April 2026 (Monatsende) | 394,5 | EIA MCSSTUS1 |
| Mai 2026 (Monatsende) | 355,4 | EIA MCSSTUS1 |
| Juni 2026 (Monatsende) | 322,2 | EIA MCSSTUS1 |
| 07.08.2026 (Wochenende (Freitag)) | 298,7 | EIA WCSSTUS1 |
| 14.08.2026 (Wochenende (Freitag)) | 293,4 | EIA WCSSTUS1 |
| 21.08.2026 (Wochenende (Freitag)) | 289,7 | EIA WCSSTUS1 |
| 28.08.2026 (Wochenende (Freitag)) | 286,6 | EIA WCSSTUS1 |
| 04.09.2026 (Wochenende (Freitag)) | 285,4 | EIA WCSSTUS1 |
| 11.09.2026 (Wochenende (Freitag)) | 285,0 | EIA WCSSTUS1 |
Die Wochenwerte stammen aus dem EIA-Bericht vom 16. September, die Monatswerte aus der EIA-Reihe MCSSTUS1 vom 31. August. Steigt der Bestand ab Ende 2026, sind das vor allem zurückgezahlte Leihgaben, nicht unbedingt neue Käufe des Staates. Alle Tauschschritte und eine Lesehilfe für die Wochendaten stehen auf USA: Füllstand der SPR.
3. Bis wann müssen EU, Deutschland, Österreich und die Schweiz ihre Lager wieder füllen?
Nur für die Schweiz ist ein Termin bekannt, sechs Monate nach Ende der Bezüge; für die EU, Deutschland und Österreich haben wir bis zum 23. September 2026 keine Auffüllfrist gefunden. Nach der EU-Richtlinie 2009/119/EG setzt die EU-Kommission nach Beratung mit der Koordinierungsgruppe und der IEA eine „angemessene Frist“ für das Wiederauffüllen (Art. 20 Abs. 6). Aus europäischen Notvorräten flossen laut S&P Global bis Juli 63 Mio. Barrel an den Markt (28.07.2026). Zugleich überarbeitet die Kommission die Richtlinie; den Vorschlag erwartete S&P für später im Jahr, ein höheres 90-Tage-Ziel nach Informationen von S&P eher nicht.
In Deutschland legt das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) per Verordnung fest, bis wann der Erdölbevorratungsverband (EBV) seine Pflicht wieder erfüllen muss (§ 12 Abs. 3 Erdölbevorratungsgesetz). Für die 19,5 Mio. Barrel von 2026 haben wir keine solche Verordnung gefunden. Nachgekauft wird laut Bloomberg (über Rigzone, 07.07.2026) trotzdem: Der EBV schrieb Ende Juni rund 630.000 Barrel und in der ersten Juliwoche mehr als 760.000 Barrel Diesel für die Reserve aus. Wie er die Nachkäufe finanziert, haben wir nicht gefunden. Seine laufenden Kosten von rund 300 Mio. € im Jahr decken Mitgliedsbeiträge, zum 31. Dezember 2025 lag sein Kreditvolumen bei rund 2,1 Mrd. €, und öffentliche Zuwendungen sieht das Erdölbevorratungsgesetz laut EBV nicht vor (März 2026). Die Finanzierung erklärt die Seite Wer bezahlt die Reserven? ausführlich.
In Österreich hatte die OMV bis 3. September 56.000 t Rohöl aus der Freigabe gekauft, 269.000 t stehen bis 1. Oktober 2026 bereit (Parlamentskorrespondenz, 03.09.2026). Nach § 5 Abs. 3 Erdölbevorratungsgesetz 2012 kann das Ministerium die Höhe der Reserven zur Wiederauffüllung nach Lenkungsmaßnahmen per Verordnung neu festsetzen; eine solche Verordnung oder Frist für 2026 haben wir nicht gefunden. In der Schweiz müssen die Pflichtlagerhalter die im September bezogenen Mengen binnen sechs Monaten nach Ende der Maßnahme wieder einlagern (BWL), also etwa bis März 2027 (eigene Rechnung).
4. Macht das Wiederauffüllen Öl 2027 teurer?
Das Auffüllen ist zusätzliche Nachfrage, doch wie stark es den Preis bewegt, ist offen: Laut Reuters (09.07.2026) schätzte der Datendienst Kpler, dass das Auffüllen strategischer Reserven im vierten Quartal 2026 zusätzlich 506.000 Barrel Rohöl am Tag nachfragt, im nächsten Jahr mehr, und das Analysehaus Energy Aspects erwartet, dass die Auffüllung der SPR 2027 zu einem „höheren Preisboden“ führt.
Beim Tempo zeichnen die Quellen ein gestrecktes Bild. Bei den übrigen IEA-Ländern gilt das Auffüllen laut Kpler als eher auf 2027 ausgerichtet und als Ermessenssache der Regierungen. Japan und Südkorea dürften laut Reuters schrittweise auffüllen, je nach Ölpreis und Haushaltslage. Für Japan haben wir weder Plan noch Zeitplan noch Budget für Rückkäufe gefunden. Südkorea beschloss am 23. September einen Plan mit 20 Mio. Barrel zusätzlichem Lagerraum bis 2030 (laut Money Today); das ist ein Ausbau der Tanks, kein Kaufkalender.
Als Basislinie, nicht als unsere Prognose: Die US-Energiestatistikbehörde EIA erwartet Brent bei rund 90 Dollar im zweiten Halbjahr 2026, 77 Dollar im zweiten Quartal 2027 und 67 Dollar im zweiten Halbjahr 2027; die Rückgaben an die SPR behandelt sie dabei nicht (STEO, 09.09.2026). Ob Freigaben und Rückkäufe die Preise spürbar bewegen, ist umstritten; die Studien fasst Senken Freigaben die Preise? zusammen. Frühere Fälle stehen in der Chronik aller Notfall-Freigaben seit 1991. Wie Preise für spätere Liefertermine zu den heutigen stehen, erklärt das Lexikon unter Contango und Backwardation.
5. Was bedeutet das für deinen Heizöl- und Spritkauf?
Eine Kaufempfehlung folgt daraus nicht, wohl aber ein Zeitraster: Reuters überschrieb seinen Bericht vom 9. Juli damit, dass die Rückkäufe die Rohölnachfrage bis 2028 stützen, die US-Rückgaben sollen laut Reuters noch 2026 beginnen, und in Europa haben wir eine feste Frist nur in der Schweiz gefunden. Vier Punkte helfen beim Einordnen:
- Rohöl ist nicht Heizöl. Die SPR bekommt Rohöl zurück. Heizöl hängt zusätzlich an Raffinerien und am Dieselmarkt, und dort kauft der EBV laut Bloomberg bereits nach.
- Termine beobachten. Eine Auffüllverordnung des BMWE, der Reformvorschlag der EU-Kommission und die Schweizer Frist (nach unserer Rechnung um März 2027) wären Hinweise darauf, wann in Europa zusätzliche Nachfrage entsteht.
- Die Wochenzahl lesen. Die EIA meldet den SPR-Bestand mittwochs, derzeit um 16:30 Uhr deutscher Sommerzeit (14:30 UTC). Steigt er, fließen vor allem Leihgaben zurück.
- Kosten einordnen. Der EBV-Beitrag liegt derzeit bei 3,56 € je Tonne, laut EBV rund 0,3 Cent je Liter Kraftstoff oder Heizöl (März 2026); einen neuen Satz für 2026/27 hat der EBV noch nicht veröffentlicht.
Ob du jetzt bestellst oder wartest, hängt vor allem von deinem Tankstand, deinem Verbrauch und deinem Budget ab, weniger vom Kalender der Reserven. Die Entscheidungshilfe Heizöl jetzt kaufen oder warten? geht die Fragen für Deutschland durch.
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Wiederauffüllung 2027: Wer Öl zurückkaufen muss“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/wiederauffuellung-2027/