Ölreserven-Monitor · IEA-Gemeinschaftsaktion 2026

Die IEA-Freigabe 2026: was die Länder zugesagt, geliefert und noch in Reserve haben

Symbolbild: Freigabemechanik der Internationalen Energieagentur für strategische Ölreserven

Die IEA-Mitgliedsländer haben im März 2026 insgesamt 426 Millionen Barrel Öl zugesagt, nachdem sie am 11. März beschlossen hatten, 400 Millionen bereitzustellen; bis zum 21. Juli waren laut IEA-Exekutivdirektor rund 290 Millionen Barrel tatsächlich freigegeben. Deutschland hat 19,5 Millionen Barrel aus den Vorräten des Erdölbevorratungsverbands (EBV) zugesagt, Österreich 2,4 Millionen Barrel Rohöl aus öffentlichen Beständen. Laut IEA ist es mit Abstand die größte ihrer sechs Gemeinschaftsaktionen seit 1991. Hier findest du jeden Länderbeitrag, was davon am Markt angekommen ist, wie Deutschland, Österreich und die Schweiz vorgegangen sind und wo die Debatte über eine zweite Freigabe steht.

1. Wie viel Öl hat die IEA 2026 freigegeben?

Am 11. März 2026 beschlossen die IEA-Länder, 400 Millionen Barrel Öl bereitzustellen; am 19. März bestätigte die IEA Zusagen über 426 Millionen Barrel, laut IEA die mit Abstand größte Gemeinschaftsaktion ihrer Geschichte. Der Beschluss fiel elf Tage nach Kriegsbeginn am 28. Februar und neun Tage nach der Sperrung der Straße von Hormus durch die Revolutionsgarden am 2. März. In einem ersten Update vom 15. März nannte die IEA Zahlen je Region: 195,8 Millionen Barrel aus Amerika, 108,6 aus Asien-Ozeanien und 107,5 aus Europa, zu 72 Prozent Rohöl. Zusammengezählt ergeben diese Regionalzahlen 411,9 Millionen Barrel (eigene Rechnung), also schon damals mehr als die beschlossenen 400 Millionen. Die Länder in Asien-Ozeanien sollten laut Update sofort liefern, Amerika und Europa ab Ende März.

Die bestätigte Liste vom 19. März besteht aus 280 Millionen Barrel staatlicher Bestände, 119 Millionen aus Pflichtbeständen der Industrie und 28 Millionen aus Mehrförderung in Kanada und Mexiko; nach Sorte sind es 301 Millionen Barrel Rohöl und 125 Millionen Produkte. Europa steuert laut IEA überwiegend Ölprodukte bei. Diese Aufteilung ist nach Angabe der IEA noch nicht endgültig; die Länderzeilen ergeben zusammen 426,2 Millionen Barrel (eigene Rechnung). Wie die IEA ihre Mitglieder zu gemeinsamen Freigaben verpflichtet, erklärt das Lexikon unter IEA-Release-Mechanik.

LandBeitrag (Mio. Barrel)Form laut IEA
USA172,2staatlich, Rohöl (als Tausch)
Japan79,854,0 staatlich + 25,8 Industrie
Kanada23,6Mehrförderung
Südkorea22,5–
Deutschland19,5staatlich (EBV)
Frankreich14,6–
Vereinigtes Königreich14,0Industrie: 4,3 Rohöl + 9,7 Produkte
Türkei11,7–
Spanien11,6Industrie, nur Produkte
Italien10,0–
Polen7,5–
Ungarn6,1–
Niederlande5,4–
Australien4,8–
Mexiko3,9Mehrförderung
Österreich2,4staatlich, Rohöl
Tschechien2,2–
Schweden2,1–
Griechenland2,0–
Portugal2,0–
Finnland1,8–
Irland1,7–
Neuseeland1,6–
Dänemark1,2–
Litauen0,6–
Norwegen0,4–
Belgien0,3–
Estland0,3–
Lettland0,3–
Luxemburg0,1–
Summe (alle 30 Länder)426280 staatlich, 119 Industrie, 28 Mehrförderung; 301 Rohöl, 125 Produkte

2. Wie viel Öl ist tatsächlich am Markt angekommen?

Bis zum 21. Juli 2026 waren laut IEA-Exekutivdirektor rund 290 Millionen Barrel freigegeben, und weitere Mengen flossen in den Markt; das sind rund 68 Prozent der 426 Millionen Barrel an Zusagen (eigene Rechnung). Lieferzahlen je Land haben wir bei der IEA nicht gefunden. Ihr Monatsbericht vom 11. September zeigt aber, dass weiter geliefert wurde: Im August sanken die staatlichen Bestände noch einmal um 19 Millionen Barrel. Europäische Länder hatten laut S&P Global bis Juli 63 Millionen Barrel aus Notvorräten abgegeben.

Den größten Posten tragen die USA mit 172,2 Millionen Barrel. Sie verkaufen das Öl nicht, sondern verleihen Rohöl aus der Strategic Petroleum Reserve (SPR) an Firmen, die es später mit zusätzlichen Barrel zurückgeben; das Energieministerium (DOE) rechnete am 11. März mit rund 120 Tagen Auslieferung. Die SPR sank von 415,4 Millionen Barrel Ende Februar auf 285,0 Millionen in der Woche bis 11. September, ein Minus von 130,5 Millionen Barrel (EIA; Differenz: eigene Rechnung). Japan ist mit 79,8 Millionen Barrel der zweitgrößte Beitragszahler, gefolgt von Kanada, das seine 23,6 Millionen über Mehrförderung beisteuert. Die Wochenwerte der US-Reserve stehen unter USA: Füllstand der SPR.

3. Was haben Deutschland, Österreich und die Schweiz gemacht?

Deutschland hat 19,5 Millionen Barrel aus den Vorräten des Erdölbevorratungsverbands (EBV) zugesagt, Österreich 2,4 Millionen Barrel Rohöl; die Schweiz steht nicht in der IEA-Tabelle vom 19. März 2026. In Deutschland regelt die Freigabe die sechste Verordnung über die Freigabe von Vorräten des Erdölbevorratungsverbandes (6. ErdölFrV), unterzeichnet am 17. und im Bundesgesetzblatt verkündet am 18. März 2026. Laut dpa entspricht die Zusage 2,64 bis 2,65 Millionen Tonnen. Die erste Tranche von 600.000 Tonnen (400.000 Tonnen Rohöl, 150.000 Tonnen Diesel, 50.000 Tonnen Kerosin) wurde laut dpa „nahezu vollständig vom Markt aufgenommen“. Nach dpa-Angaben galt die Verordnung bis 31. August 2026; im Juni prüfte das Ministerium eine Verlängerung, eine Folgeverordnung haben wir bis 23. September nicht gefunden. Laut Eurostat sanken die deutschen Notvorräte von 95,2 Tagen im März auf 91,7 Tage im Juni.

Aus der österreichischen Pflichtnotstandsreserve hat die OMV laut Parlamentskorrespondenz vom 3. September 56.000 Tonnen Rohöl gekauft; 269.000 Tonnen bleiben bis 1. Oktober 2026 verfügbar. Die Schweiz hat für freiwillige Freigaben nach dem Muster der IEA keine Rechtsgrundlage: Ihre Pflichtlager dürfen nur bei einer drohenden oder eingetretenen schweren Mangellage angezapft werden (SRF, 12. März). Ein Veto gegen den IEA-Beschluss hat sie nicht eingelegt. Mehr zu Deutschland findest du unter Deutschland: EBV, Freigabe, Kosten.

4. Wie groß ist 2026 im Vergleich zu 1991, 2005, 2011 und 2022?

2026 ist die sechste Gemeinschaftsaktion der IEA und mit 426 Millionen Barrel mehr als doppelt so groß wie die beiden Aktionen von 2022 zusammen, die laut IEA 182,7 Millionen Barrel umfassten (Verhältnis: eigene Rechnung). Die Tabelle zeigt, was die IEA jeweils beschloss und was die USA beitrugen.

AnlassBeschlussIEA-AktionUS-Anteil und Ergebnis
Golfkrieg17.01.1991Plan über 2,5 Mio. Barrel pro Tag, davon 2,0 aus Vorräten33,75 Mio. Barrel genehmigt, Zuschlag nur für 17,3 Mio.
Hurrikan Katrina02.09.200560 Mio. Barrel, 2 Mio. pro Tag über 30 Tage30 Mio. angeboten, 11,0 Mio. verkauft; dazu Notfall-Darlehen: 9,8 Mio. laut CRS R42460, rund 13,2 Mio. laut CRS RS22233
Libyen201160 Mio. Barrel: 38 staatlich, 22 Industrie30 Mio. angeboten, 30,6 Mio. verkauft
Ukraine-Krieg, 1. Aktion01.03.202262,7 Mio. Barrel30 Mio.
Ukraine-Krieg, 2. Aktion01.04.2022120 Mio. Barrel (rund 88 Rohöl, 32 Produkte)60 Mio., Teil des eigenen US-Programms über 180 Mio.
Iran-Krieg, Hormus11.03.2026400 Mio. beschlossen, 426 Mio. zugesagt172,2 Mio. als Tauschgeschäfte

Mio. = Millionen Barrel. Quellen: UPI (17.01.1991), CRS R42460 (01.05.2017) und RS22233 (03.10.2005), World Oil (16.09.2011), IEA (01.04.2022, 14.04.2022, 19.03.2026).

Zwei Muster fallen auf. Erstens blieben die US-Verkäufe zweimal deutlich unter dem Angebot: 1991 erhielten nur Gebote über 17,3 von 33,75 Millionen Barrel den Zuschlag, 2005 wurden 11,0 von 30 Millionen Barrel verkauft; 2011 waren es dagegen 30,6 von 30 Millionen. Zweitens stammt ein großer Teil nicht aus Staatslagern, sondern aus Pflichtbeständen der Industrie: 2011 waren es 22 von 60 Millionen Barrel, 2026 sind es 119 von 426 Millionen. Wie viel die IEA-Länder 1991 insgesamt lieferten, ist nicht belegt; geplant wurde damals in Barrel pro Tag. Ob all das die Preise gesenkt hat, prüft unsere Auswertung Senken Freigaben die Preise?

5. Kommt eine zweite IEA-Freigabe?

Das ist offen: Laut World Oil hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am 18. September 2026 angekündigt, ein G7-Treffen einzuberufen, um Optionen für eine mögliche weitere Freigabe strategischer Vorräte zu prüfen; Menge und Termin nennt der Bericht nicht. Für eine zweite Runde spricht die Lage am Golf. Laut IEA-Monatsbericht vom 11. September fehlen weiter mehr als 10 Millionen Barrel Förderung pro Tag, die beobachteten Bestände sind seit Februar um 507 Millionen Barrel gesunken, und die freie Förderkapazität liegt effektiv bei 0,22 Millionen Barrel pro Tag. Nach einer Teilöffnung vom 18. Juni bis 5. Juli wurde die Straße von Hormus am 11. Juli erneut gesperrt. Reserven gäbe es: Im Juli bezifferte die IEA die staatlich kontrollierten Vorräte ihrer Mitglieder auf mehr als 1 Milliarde Barrel.

Aus Berlin kommen zurückhaltende Signale. Das Bundeswirtschaftsministerium sah im Juni keine Notwendigkeit, weitere strategische Rohölreserven freizugeben (Reuters). In Österreich steht das Angebot an die OMV noch bis 1. Oktober, wurde bis Anfang September aber nur zu einem kleinen Teil genutzt. Die USA haben am 11. März angekündigt, die entnommenen Barrel binnen eines Jahres durch rund 200 Millionen Barrel mehr als zu ersetzen (DOE). Wie viele Tage jedes Land heute abdeckt, zeigt die Übersicht des Ölreserven-Monitors.

Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „IEA-Ölfreigabe 2026: Wer wie viel gab und was ankam“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/iea-freigabe-2026/

6. Häufige Fragen zur IEA-Freigabe 2026

Wie viel Öl hat die IEA 2026 freigegeben?
Beschlossen wurden am 11. März 2026 400 Millionen Barrel, zugesagt haben die 30 beteiligten Länder bis 19. März 426 Millionen Barrel. Tatsächlich freigegeben waren bis 21. Juli laut IEA-Exekutivdirektor rund 290 Millionen Barrel.
Wie viel Öl gibt Deutschland aus der Reserve frei?
Zugesagt sind 19,5 Millionen Barrel aus den Beständen des EBV, laut dpa 2,64 bis 2,65 Millionen Tonnen, geregelt in der 6. ErdölFrV vom 17. März 2026. Die erste Tranche von 600.000 Tonnen wurde laut dpa nahezu vollständig abgenommen; die Verordnung galt nach dpa-Angaben bis 31. August 2026.
Welche Länder haben am meisten beigetragen?
Die USA mit 172,2 Millionen Barrel, danach Japan (79,8), Kanada (23,6), Südkorea (22,5) und Deutschland (19,5). Kanada und Mexiko liefern über Mehrförderung statt aus Lagern (IEA, 19. März 2026).
Läuft die Freigabe noch?
Einen Abschluss der IEA-Aktion haben wir nicht gefunden; laut IEA sanken die staatlichen Bestände im August noch um 19 Millionen Barrel. Die deutsche Verordnung galt laut dpa bis 31. August, eine Verlängerung ist nicht belegt. In Österreich bleiben 269.000 Tonnen bis 1. Oktober verfügbar.
Warum gibt die Schweiz nichts frei?
Die Schweiz steht nicht in der IEA-Tabelle. Laut SRF fehlt ihr die Rechtsgrundlage für freiwillige Freigaben: Pflichtlager dürfen nur bei einer drohenden oder eingetretenen schweren Mangellage angezapft werden. Ein Veto gegen den IEA-Beschluss hat die Schweiz nicht eingelegt.
Gibt es eine zweite IEA-Freigabe?
Beschlossen ist nichts. Emmanuel Macron hat laut World Oil am 18. September 2026 ein G7-Treffen angekündigt, um eine weitere Freigabe zu prüfen; das Bundeswirtschaftsministerium sah im Juni keinen Bedarf, mehr deutsche Rohölreserven freizugeben (Reuters).

Und dein Haushalt?

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