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Diesel-, Heizöl- und Kerosinreserven: Was wirklich auf Lager liegt, wenn der Winter kommt

Symbolbild Heizöl und Diesel: Vorräte an Mitteldestillaten für den Winter

Ende Juni 2026 lagen in Deutschland 6.378 Kilotonnen Straßendiesel und 2.308 Kilotonnen Heizöl und sonstiges Gasöl, davon 4.167 und 1.436 Kilotonnen als Notfallvorrat nach EU-Recht (Eurostat, Datensatz nrg_stk_oilm, aktualisiert am 10.09.2026). Diese Fertigprodukte zählen für Haushalte im Winter mehr als Rohöl, weil sie nicht erst durch eine Raffinerie müssen. Eurostat veröffentlicht sie in Tonnen, nicht in Tagen, und wir rechnen sie nicht selbst um. Hier steht, was die Reserven in Deutschland, Österreich und der Schweiz enthalten, warum Produkte zählen und wo es 2026 eng wurde.

1. Wie viel Diesel und Heizöl liegt in Deutschland auf Lager?

Ende Juni 2026 hielt Deutschland 6.378 Kilotonnen Straßendiesel und 2.308 Kilotonnen Heizöl und sonstiges Gasöl, davon 4.167 und 1.436 Kilotonnen als Notfallvorrat nach EU-Recht (Eurostat). Beim Diesel sind das 65,3 Prozent des Lagerbestands, beim Heizöl 62,2 Prozent (eigene Rechnung). Eurostat fasst Heizöl mit sonstigem Gasöl zusammen; eine Zeile nur für Hausheizöl gibt es nicht.

Land, StandProduktBestand gesamt (Tsd. t)davon Notfallvorrat nach EU-Recht (Tsd. t)
Deutschland, Juni 2026Diesel (Straße)6.3784.167
Heizöl und sonstiges Gasöl2.3081.436
Benzin2.3091.439
Kerosin (Jet)1.3571.015
Frankreich, Juni 2026Diesel (Straße)7.4836.977
Heizöl und sonstiges Gasöl1.108603
Benzin2.2211.754
Kerosin (Jet)1.3901.294
Spanien, Juni 2026Diesel (Straße)3.7703.613
Heizöl und sonstiges Gasöl1.4221.347
Benzin1.3501.320
Kerosin (Jet)907844
Österreich, Juli 2026Diesel (Straße)815639
Heizöl und sonstiges Gasöl227212
Benzin280156
Kerosin (Jet)16846

Aufschlussreich ist der Juni: Die gesamten Gasöl- und Dieselbestände fielen gegenüber Mai um 1.145 Kilotonnen, der Notfallanteil blieb mit 5.603 Kilotonnen nahezu gleich (eigene Rechnung aus Eurostat). Gesunken sind also die Handelsbestände, nicht die Reserve. Wie lange das reicht, lässt sich nur für alle Ölvorräte zusammen sagen: 91,7 Tage nach EU-Zählweise im Juni 2026 (Eurostat, nrg_stk_oem). Wie diese Tage entstehen, erklärt So wird gezählt: die 90-Tage-Regel.

2. Woraus bestehen die nationalen Reserven?

Die Reserve des Erdölbevorratungsverbands (EBV) umfasste am 31. Dezember 2025 rund 19,7 Millionen Tonnen Rohöleinheiten, davon 10,8 Millionen Rohöl und 8,9 Millionen Fertigprodukte, allen voran 4,5 Millionen Diesel (EBV; Produktsumme eigene Rechnung). Andere Länder setzen stärker auf Produkte: Die spanische Reservegesellschaft CORES hielt Ende 2024 nur 28 Prozent Rohöl (Jahresbericht 2024), in Frankreich besteht der strategische Vorrat laut einem Bericht von Public Sénat zu knapp der Hälfte aus Diesel.

Reserve, Stand, EinheitRohölDiesel/GasölHeizölBenzinKerosin
Deutschland, EBV, 31.12.2025, Mio. t Rohöleinheiten (gesamt 19,7)10,84,51,51,71,2
Spanien, CORES, Ende 2024, Anteil an 6,5 Mio. m³28 %54,2 % (alle Gasöle)10,8 %6,3 %
Frankreich, strategischer Vorrat, Anteil laut Public Sénat (März 2026)rund ein Drittel49,8 %2,7 %9,1 %7,8 %
Schweiz, Pflichtlager, Ende 2024, Monate Bedarf (Carbura)k. A.4,65,14,72,8

Einheiten je Zeile verschieden; nur innerhalb einer Zeile vergleichen. Die restlichen 0,5 % bei CORES sind schweres Heizöl (Fuelöl). Die 6,5 Mio. m³ nennt der CORES-Jahresbericht 2024; eine CORES-Präsentation vom Juli 2024 gibt für Ende 2023 dagegen 8.471 Tsd. m³ an. Beide Werte sind nicht abgeglichen, 2024 verkaufte CORES überschüssige Bestände. Die Schweizer Monatswerte stammen von Ende 2024 (Carbura), nicht vom September 2026.

Die Schweiz zählt ihre Pflichtlager in Monaten Bedarf; sie gehören den Importeuren, Carbura koordiniert, das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) beaufsichtigt (Die Volkswirtschaft). Ziel sind 4,5 Monate für Benzin, Diesel und Heizöl und 3 Monate für Kerosin. Am 21. September 2026 meldete das BWL Heizöl, Benzin und Diesel über dem Ziel, Kerosin reiche dagegen nur für rund 76 statt 90 Tage. Die EBV-Werte in Rohöleinheiten lassen sich nicht direkt mit den Eurostat-Tonnen oben vergleichen.

3. Warum zählen Diesel und Heizöl in der Krise mehr als Rohöl?

Rohöl hilft nur, wenn eine Raffinerie es verarbeiten kann; Diesel im Tanklager ist sofort nutzbar, und von den 426 Millionen Barrel der IEA-Freigabe 2026 waren 125 Millionen Fertigprodukte (IEA, 19. März 2026). Die EU-Richtlinie 2009/119/EG verlangt, dass ein Staat, der sich nicht zu 30 Tagen sogenannter spezifischer Vorräte verpflichtet, mindestens ein Drittel seiner Bevorratungspflicht als Produkte hält. Die europäischen Beiträge zur IEA-Aktion sollten laut IEA überwiegend aus Produkten bestehen (siehe IEA-Freigabe 2026: wer was gab).

2026 zeigt, warum: Der Engpass liegt in der Verarbeitung. Der Diesel-Crack in Nordwesteuropa, also der Aufschlag von Diesel auf Rohöl, stieg von 44,75 Dollar je Barrel im Juni-Schnitt auf 80,50 Dollar im August und einen Rekord von 98 Dollar am 1. September (S&P Global). Russland verbietet den Dieselexport für Produzenten bis 30. September 2026, für andere Anbieter und für Benzin bis 31. Januar 2027 (Aurora News). In den USA lagen die Destillatbestände in der Woche bis 11. September bei 107,9 Millionen Barrel, dem tiefsten Septemberstand seit 1982 (EnergyNow, 22. September). Warum Heizöl dabei mit Diesel steigt, erklärt das Lexikon unter Mitteldestillate.

4. Wo wurde es 2026 bei Diesel und Kerosin eng?

Sichtbar wurde es in der Schweiz: Nach dem Ausfall der Raffinerie Cressier und bei Rhein-Niedrigwasser durften vom 8. bis 20. September 2026 bis zu je 30.000 Kubikmeter Diesel und Benzin aus den Pflichtlagern bezogen werden, weniger als 3 Prozent der Bestände (BWL). Benzin wurde laut der BWL-Mitteilung vom 21. September vollständig abgerufen, Diesel zu etwa zwei Dritteln; die Mengen müssen binnen sechs Monaten nach Ende der Maßnahme wieder eingelagert werden (BWL, 8. September). „Hohe Energiepreise sind kein Grund für eine Pflichtlagerfreigabe“, betont das BWL.

In Deutschland füllt der EBV seit dem Sommer Diesel wieder auf: Laut Bloomberg schrieb er Ende Juni rund 630.000 Barrel und in der ersten Juliwoche mehr als 760.000 Barrel aus (via Rigzone, 7. Juli). Österreich hat seine Handelsbestände aufgestockt, Diesel im April um 36 Prozent gegenüber März, Kerosin im Mai um 56 Prozent gegenüber April; zugleich werden rund 69 Prozent des Diesels importiert, davon rund 71 Prozent aus deutschen Raffinerien (BMWET, 23. Juni). In Frankreich fehlte laut L'EnerGeek (21. September) an 17 Prozent von rund 9.900 Tankstellen mindestens eine Sorte.

5. Was kannst du als Haushalt tun?

Die Reserven der Staaten sind für Versorgungsausfälle da, nicht für deinen Tank; planen lässt sich mit dem eigenen Füllstand und der Lieferzeit deines Händlers. Der Heizöltank-Rechner zeigt, wie lange dein Vorrat bei typischem Winterverlauf reicht und ab wann eine Bestellung fällig wird. Die Abwägung zwischen Kaufen und Warten, mit Zahlen statt Bauchgefühl, findest du unter Heizöl jetzt kaufen oder warten, eigene Fassungen gibt es für Österreich und die Schweiz.

Für Autofahrer zeigt sich die Diesel-Knappheit 2026 vor allem im Preis; wie der Winter aussehen kann, beschreibt Dieselknappheit Winter 2026/27. Neue Monatswerte liefert Eurostat mit Verzug: Der Datensatz vom 10. September reicht für Deutschland bis Juni 2026, für Österreich bis Juli. In der Schweiz aktualisiert das BWL seine Seite zur Versorgungslage, zuletzt am 21. September.

Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Dieselreserve Deutschland: Diesel, Heizöl, Kerosin“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/diesel-heizoel-kerosin-vorraete/

6. Häufige Fragen zu Diesel-, Heizöl- und Kerosinreserven

Wie groß ist die Dieselreserve in Deutschland?
Ende Juni 2026 lagen 6.378 Kilotonnen Straßendiesel auf Lager, davon 4.167 Kilotonnen EU-Notfallvorrat (Eurostat). Der EBV meldete zum 31. Dezember 2025 Diesel im Umfang von 4,5 Millionen Tonnen Rohöleinheiten.
Wie lange reicht die Heizöl-Reserve in Deutschland?
Eine Tageszahl nur für Heizöl gibt es nicht. Eurostat nennt 2.308 Kilotonnen Heizöl und sonstiges Gasöl (Juni 2026), davon 1.436 Kilotonnen Notfallvorrat; die 91,7 Tage nach EU-Zählweise gelten für alle Ölvorräte zusammen.
Wie groß ist die Kerosin-Reserve?
In Deutschland 1.357 Kilotonnen Kerosin im Juni 2026, davon 1.015 Kilotonnen Notfallvorrat (Eurostat). In der Schweiz reicht Kerosin rund 76 Tage, vorgesehen sind 90 (BWL, 21. September 2026).
Warum lagern Staaten Diesel und nicht nur Rohöl?
Weil Rohöl erst raffiniert werden muss. Die EU verlangt mindestens ein Drittel der Bevorratungspflicht als Produkte, wenn sich ein Staat nicht zu 30 Tagen spezifischer Vorräte verpflichtet.
Hat die Schweiz 2026 Pflichtlager freigegeben?
Ja, vom 8. bis 20. September bis zu je 30.000 Kubikmeter Diesel und Benzin, nach dem Ausfall der Raffinerie Cressier und bei Rhein-Niedrigwasser; Benzin wurde ganz, Diesel zu etwa zwei Dritteln bezogen (BWL, Mitteilungen vom 8. und 21. September).
Füllt Deutschland seine Dieselreserve wieder auf?
Ja. Laut Bloomberg schrieb der EBV Ende Juni rund 630.000 Barrel und Anfang Juli mehr als 760.000 Barrel Diesel zur Wiedereinlagerung aus (via Rigzone, 7. Juli 2026).

Und dein Haushalt?

Die Reserven der Staaten sind das eine, dein Heizöltank und deine Spritkosten das andere. Rechne im Energiekosten-Rechner durch, was der Ölpreis für deinen Verbrauch bedeutet.

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