1. Die kurze Antwort für Schweizer Haushalte
Unter einem Drittel Tankfüllstand: jetzt bestellen, volle Menge. Zwischen einem und zwei Dritteln: die Hälfte jetzt, den Rest im Oktober. Über zwei Dritteln: abwarten, aber Offerten einholen. Das ist die ganze Regel, und sie gilt unabhängig davon, wie die Mehrheit der Nutzerinnen und Nutzer von heizoel24.ch gerade abstimmt (Quelle im Quellenblock).
Genau diese Mehrheit, 92 Prozent, votierte am 11. September 2026 für Warten. Das ist eine Stimmungsangabe, keine Prognose, und sie widerspricht nicht der Regel oben: Wer über zwei Dritteln Füllstand liegt, darf mit gutem Grund warten. Wer darunter liegt, trägt mit dem Warten ein Versorgungsrisiko, kein Preisrisiko, und genau das unterscheidet die eigene Entscheidung von der allgemeinen Stimmung.
2. Wo der Preis in der Schweiz gerade steht
Kurz: CHF 160,85 pro 100 Liter bei 3.000 Litern, Stand 18. September 2026, ein Plus von 11,76 Franken gegenüber der Vorwoche. Laut heizoel24.ch ist der Heizölpreis in der Schweiz damit binnen drei Monaten um 42,48 CHF/100 L gestiegen. Zum Vergleich: am 23. Juli 2026 lag der Literpreis noch bei CHF 1,463, heute bei CHF 1,6085, ein Aufschlag von rund 10 Prozent in weniger als zwei Monaten.
Der Treiber dahinter ist das Rohöl. Brent notierte am 11. September bei 103,60 US-Dollar je Barrel, und lag die ganze Woche über der Marke von 100 Dollar. Da Heizöl weltweit in US-Dollar gehandelt wird, wirkt sich für Schweizer Haushalte zusätzlich der Frankenkurs zum Dollar auf den Importpreis aus: ein starker Franken dämpft einen steigenden Dollar-Ölpreis ab, ein schwacher Franken verstärkt ihn. Wie stark dieser Effekt aktuell ausfällt, hängt vom jeweiligen Wechselkurstag ab und lässt sich hier ohne zusätzliche Kursdaten nicht beziffern.
Eine ausführliche Einordnung der Preisrichtung nach oben und unten findest du auf unserer Heizölpreis-Prognose Schweiz.
3. Warum der Preis gerade so hoch ist
Kurz: zwei Angebotsrouten für Rohöl sind gleichzeitig beeinträchtigt, und die offiziellen Ausblicke bestätigen eine enge Versorgungslage bis weit ins Jahr 2027. Die Strasse von Hormuz gilt laut Al Jazeera (3. September 2026, gestützt auf Kpler- und Lloyd's-List-Daten) weiterhin als faktisch gesperrt, mit rund 12 bis 13 Tankerdurchfahrten pro Tag gegenüber rund 100 vor der Krise. Am 11. September nahmen die Houthis zusätzlich den jemenitischen Hafen Mokha nahe der Strasse von Bab-el-Mandeb ein, über die laut Gulf News vom 11. September 2026 rund 12 Prozent des weltweiten Öltransports laufen.
Das US-Energieministerium (EIA) erwartet in seinem Kurzfristausblick vom 9. September 2026 ein Brent-Jahresmittel von 91 US-Dollar für 2026 und 74 US-Dollar für 2027, unter der Annahme allmählich steigender Hormuz-Flüsse und Ausweichrouten. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezifferte im Ölmarktbericht vom 11. September 2026 den weltweiten Nachfragerückgang 2026 auf 2,5 Millionen Barrel pro Tag, eine Grössenordnung, die sie mit den vier stärksten Nachfrageschocks der letzten 60 Jahre vergleicht, und verweist auf Rekord-Dieselpreise. Heizöl und Diesel stammen aus derselben Destillatfraktion, weshalb ein enger Dieselmarkt unmittelbar auf den Heizölpreis durchschlägt.
Rechne durch, was ein Ölpreis von 120, 150 oder 180 US-Dollar deinen Haushalt kostet.
Szenario berechnen4. Was in der Schweiz zusätzlich mitspielt: CO2-Abgabe, Rückverteilung, Förderung
Kurz: neben dem Weltmarktpreis trägt jede Tonne CO2 aus fossilen Brennstoffen in der Schweiz eine Abgabe von CHF 120, die aber grösstenteils über die Krankenversicherung an die Bevölkerung zurückfliesst. Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) erhebt der Bund seit 2022 unverändert 120 Franken je Tonne CO2 auf fossile Brennstoffe wie Heizöl. Wie sich dieser Satz auf den Liter- beziehungsweise 100-Liter-Preis umrechnet und wie hoch die Rückerstattung ausfällt, erklären wir im Detail auf der Seite CO2-Abgabe und Rückerstattung.
Die Rückverteilung selbst läuft laut BAFU über das Krankenversicherungsgesetz: Ein Teil der Abgabeeinnahmen wird gleichmässig an alle in der Schweiz wohnhaften, obligatorisch versicherten Personen zurückgegeben, unabhängig vom eigenen Verbrauch. Wer wenig fossile Energie verbraucht, profitiert dabei relativ stärker, weil er denselben Pauschalbetrag erhält wie ein Vielverbraucher, aber weniger eingezahlt hat.
Wer wegen der CO2-Abgabe über eine Umstellung nachdenkt, findet Fördermöglichkeiten im kantonal getragenen Gebäudeprogramm und eine Einordnung der Wärmepumpen-Förderung im Wärmepumpe-Förderungsrechner. Beides ändert nichts an der kurzfristigen Bestellentscheidung, kann aber die Rechnung der kommenden Winter verändern.
5. Bestellpraxis: Sammelbestellung, Menge und Anbietervergleich
Kurz: bei welchem Anbieter und in welcher Menge du bestellst, wirkt stärker auf deine Rechnung als der genaue Tag. Heizöl wird in der Schweiz üblicherweise mengenabhängig bepreist, der Literpreis für eine grössere Bestellmenge wie 3.000 Liter liegt spürbar unter dem für kleine Teillieferungen. Wer den Tank in mehreren kleinen Portionen füllt, zahlt den Mengenaufschlag entsprechend öfter.
In vielen Gemeinden und über Nachbarschaften organisierte Sammelbestellungen bündeln die Nachfrage mehrerer Haushalte zu einer grösseren Liefermenge und können so den Literpreis drücken, ohne dass der einzelne Haushalt seinen eigenen Tank überdimensionieren muss. Ob sich das lohnt, hängt von der lokalen Anbieterstruktur ab, weshalb ein Vergleich mehrerer schriftlicher Offerten vor jeder grösseren Bestellung sinnvoll bleibt, wie es auch unser deutsches Pendant zu dieser Entscheidungsseite für den deutschen Markt beschreibt.
6. Die Entscheidungstabelle nach Tankfüllstand
Lies die Zeile, die zu deinem Tank passt, und halte dich daran, statt auf die tägliche Nachrichtenlage zu reagieren.
- Unter einem Drittel, jetzt bestellen, volle Menge. Zwei Versorgungsrouten, Hormuz und Bab-el-Mandeb, sind gleichzeitig beeinträchtigt, und die EIA erwartet US-Destillatlager unter dem Fünfjahrestief bis weit in 2027. Bei diesem Umfeld zählt Lieferfähigkeit mehr als der letzte Rappen.
- Zwischen einem und zwei Dritteln, Hälfte jetzt, Hälfte im Oktober. Du mittelst den Preis, bleibst lieferfähig und nimmst einen möglichen Rückgang bei einer Entspannung an einer der beiden Routen noch mit.
- Über zwei Dritteln, abwarten, aber Offerten einholen. Du hast Zeit. Nutze sie, um mehrere Anbieter zu vergleichen, damit du bei einem günstigen Kurs innerhalb eines Tages bestellen kannst.
- Unabhängig vom Füllstand, vor dem ersten Frost abgeschlossen haben. Mit dem ersten Kälteeinbruch steigt die Nachfrage sprunghaft, und Lieferzeiten verlängern sich.
Was den Preis nach unten bewegen würde: eine verifizierte Zunahme der Tankerdurchfahrten durch Hormuz über die aktuellen 12 bis 13 pro Tag hinaus, oder eine Beruhigung an der Bab-el-Mandeb-Route. Was ihn weiter nach oben treiben würde: ein weiterer Rückgang der US-Destillatlager unter die von der EIA erwarteten 100 Millionen Barrel im September, oder zusätzliche Einschränkungen an einer der beiden Meerengen. Reagiere dabei nicht auf einen einzelnen Tageswert: Brent fiel am 11. September um 3,4 Prozent und lag trotzdem für die Woche rund 9 Prozent im Plus.