1. Wie lange reichen die Ölreserven, wenn Hormus geschlossen bleibt?
Wie lange die Notvorräte bei einer dauerhaften Sperre reichen, hängt vor allem davon ab, wie viel ein Land direkt vom Golf bezieht: Griechenland mit einem Golf-Anteil von 42,5 % kommt rechnerisch auf 240 Tage, Deutschland mit 6,0 % auf 1.528 Tage (eigene Rechnung, Start 23.09.2026). Die Tabelle zeigt fertig gerechnete Beispiele. Es sind dieselben Ergebnisse, die der Rechner weiter unten ausgibt, wenn du Land und Szenario wählst.
| Land | Notvorräte in Tagen (Eurostat) | Szenario | Netto-Ausfall | Reichweite | rechnerisch bis |
|---|---|---|---|---|---|
| Griechenland | 101,841 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 42,5 % | 240 Tage | 21.05.2027 |
| Polen | 91,557 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 37,0 % | 247 Tage | 28.05.2027 |
| Frankreich | 87,873 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 20,1 % | 437 Tage | 04.12.2027 |
| Italien | 89,710 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 16,1 % | 557 Tage | 02.04.2028 |
| Österreich | 88,434 (Juli 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 10,8 % | 819 Tage | 20.12.2028 |
| Spanien | 97,062 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 11,7 % | 830 Tage | 31.12.2028 |
| Deutschland | 91,688 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 6,0 % | 1.528 Tage | rund 4,2 Jahre |
| Belgien | 109,511 (Juli 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, kein Ersatz | 4,6 % | 2.381 Tage | rund 6,5 Jahre |
| Frankreich | 87,873 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, 50 % ersetzt | 10,05 % | 874 Tage | 13.02.2029 |
| Deutschland | 91,688 (Juni 2026) | alle sieben Golfstaaten fallen aus, 50 % ersetzt | 3,0 % | 3.056 Tage | rund 8,4 Jahre |
| Deutschland | 91,688 (Juni 2026) | alle Importe fallen aus | 100,0 % | 92 Tage | 24.12.2026 |
| Deutschland | 91,688 (Juni 2026) | alle Importe fallen aus, 50 % ersetzt | 50,0 % | 183 Tage | 25.03.2027 |
Eigene Rechnung mit demselben Verfahren und denselben Daten wie der Rechner, Start 23.09.2026, Datum = Start plus gerundete Tage. Notvorräte: Eurostat nrg_stk_oem, neuester Monat; Golf-Anteil 2025: GOS-Hormus-Index (Eurostat nrg_ti_oilm, eigene Rechnung). Über 1.095 Tagen (drei Jahre) nennt der Rechner Jahre statt eines Datums.
Österreich hielt im Juli 2026 Notvorräte für 88,434 Tage und bezog 2025 10,8 % seiner Einfuhren vom Golf, und zwar nur Rohöl; daraus ergeben sich 819 Tage, bis zum 20. Dezember 2028. Die Schweiz fehlt im Rechner: Sie steht nicht im Eurostat-Importdatensatz, auf dem der GOS-Hormus-Index beruht, und sie zählt ihre Pflichtlager in Monaten Verbrauch statt in Tagen nach EU-Richtlinie. Das Ziel liegt bei 4,5 Monaten für Benzin, Diesel und Heizöl; beim Kerosin reichte der Vorrat laut dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) am 21.09.2026 nur für rund 76 statt der vorgesehenen 90 Tage. Ihr Rohöl kam 2025 zu 49,9 % aus den USA und zu 35,4 % aus Nigeria (Avenergy Suisse). Lies die Tage als Rechengröße, nicht als Frist bis zur leeren Zapfsäule. Die Tageszahlen aller Länder und ihre Entwicklung seit März stehen im Ölreserven-Monitor.
2. Wie rechne ich mein eigenes Hormus-Szenario durch?
Wähl ein Land und ein Szenario: Der Rechner teilt die gemeldeten Vorratstage durch den Anteil der Importe, der netto wegfällt, und zeigt die Reichweite in Tagen, bis rund drei Jahre auch als Datum. Voreingestellt ist Deutschland mit dem Szenario, dass alle sieben Golfstaaten ausfallen.
Fünf Szenarien stehen zur Wahl. Es fallen nur die Lieferländer ohne Ausweichroute aus (Kuwait, Katar, Bahrain, Iran). Es fallen alle sieben Golfstaaten aus, das ist die Obergrenze einer Hormus-Sperre. Der Golf-Anteil liegt so hoch wie im 2. Quartal 2026. Es fallen alle Importe aus, der Extremfall. Oder du trägst einen eigenen Anteil ein. Zwei weitere Felder legen fest, welcher Teil des Ausfalls durch andere Lieferländer ersetzt wird und um wie viel die Nachfrage sinkt.
Das Feld mit den Vorratstagen zeigt den Eurostat-Wert auf eine Nachkommastelle gerundet, für Deutschland 91,7 statt 91,688 Tage. Solange du es nicht änderst, rechnet der Rechner mit dem genauen Wert, deshalb stimmen seine Ergebnisse mit der Tabelle oben überein; überschreibst du das Feld, nimmt er deine Zahl. Unter dem Ergebnis nennt er zum Vergleich den Fall ohne jeden Import, die Werte des GOS-Hormus-Index für das gewählte Land und einen Hinweis auf die Vereinfachungen. Er zählt ab dem Tag, an dem du ihn nutzt; die Beispiele auf dieser Seite beginnen am 23. September 2026. Enthalten sind 15 EU-Länder. Die Zahlen, die du eintippst, werden weder gespeichert noch übertragen.
3. Wie rechnet der Szenario-Rechner? Der Rechenweg an einem Beispiel
Der Rechner nutzt zwei Formeln: Netto-Ausfall = Ausfallanteil × (1 − Ersatzanteil) − Nachfragesenkung, und Reichweite in Tagen = Vorratstage ÷ Netto-Ausfall. Ein Beispiel für Deutschland: Fallen alle Importe aus und kommt die Hälfte über andere Wege wieder herein, beträgt der Netto-Ausfall 100 % × (1 − 0,5) − 0 = 50 %. Die Reichweite ist dann 91,688 ÷ 0,5 ≈ 183 Tage, ab dem 23. September 2026 also bis zum 25. März 2027. Im Golf-Szenario teilt der Rechner 91,688 durch 0,060 und kommt auf 1.528 Tage; wird dort die Hälfte ersetzt, sind es 91,688 ÷ 0,030 ≈ 3.056 Tage, rund 8,4 Jahre.
Die Vorratstage stammen von Eurostat (Datensatz nrg_stk_oem, aktualisiert am 10.09.2026). Sie messen die Notvorräte nach der EU-Richtlinie 2009/119/EG: mindestens 90 Tage der durchschnittlichen täglichen Nettoimporte oder 61 Tage des Verbrauchs, je nachdem, was größer ist, bezogen auf das Vorjahr. Wie genau gezählt wird, erklärt die Seite zur 90-Tage-Regel. Die Ausfallanteile kommen aus dem GOS-Hormus-Index: Er misst, welcher Anteil der Einfuhren von Rohöl, Diesel und Heizöl sowie Kerosin 2025 nach Gewicht aus Saudi-Arabien, dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Katar, Bahrain und Iran kam (Eurostat nrg_ti_oilm, eigene Rechnung). Die ersten drei können über Pipelines einen Teil an Hormus vorbei liefern, die letzten vier nicht.
Die Nachfragesenkung zieht der Rechner in Prozentpunkten der Importe ab. Das Übereinkommen über ein Internationales Energieprogramm (IEP), der Gründungsvertrag der Internationalen Energieagentur (IEA), verlangt, dass Mitgliedsländer ihren Endverbrauch in einer ersten Stufe um 7 % senken können. Das ist eine andere Bezugsgröße, gibt aber einen Anhaltspunkt aus dem Regelwerk.
4. Warum wirkt das Ergebnis beruhigender, als die Lage ist?
Weil der Rechner Mengen zählt, die Sperre Europa aber vor allem über den Preis trifft: 80 % der Exporte durch die Straße von Hormus gingen vor der Krise nach Asien, nach Europa nur rund 600.000 Barrel am Tag oder 4 % (IEA, Februar 2026). 2025 liefen knapp 15 Millionen Barrel Rohöl am Tag durch die Meerenge, knapp 34 % des weltweiten Rohölhandels. Fehlt diese Menge, suchen Käufer in China, Indien, Japan und Korea Ersatz auf demselben Weltmarkt wie Europa, und der Preis steigt für alle. Im September schätzte die IEA den Ausfall bei den Rohölexporten der Golfregion auf knapp unter 45 %, dank Umgehungsrouten und US-Geleitschutz.
Zweitens verdeckt die Gesamtzahl den Produktmix. Frankreich bezog 2025 59,8 % seines Kerosins und 33,2 % seines Diesels vom Golf, Italien 55,8 % seines Diesels; Deutschland beim Diesel 7,2 %, beim Kerosin 0,0 %. Eurostat erfasst aber nur das Lieferland: Diesel aus niederländischen oder belgischen Raffinerien kann aus Golf-Rohöl stammen und zählt hier nicht mit. Die Bestände je Produkt zeigt die Seite zu den Produktvorräten.
Drittens teilen die IEA-Länder die Last. Zur Gemeinschaftsaktion 2026 sagten 30 Länder zusammen 426 Millionen Barrel zu, Deutschland 19,5 Millionen (IEA, 19.03.2026), obwohl es kaum Golf-Öl bezieht. Mit der Golf-Abhängigkeit haben die Beiträge wenig zu tun: Für die USA richtet sich der Anteil an solchen Aktionen laut US-Energieministerium (DOE) nach ihrem Anteil am Ölverbrauch aller IEA-Länder, 42,3 % (Stand Dezember 2022). Die Vorräte sinken also auch dort, wo kaum Importe ausfallen, und das zeigt der Rechner nicht. Viertens rechnet er mit dem ganzen gemeldeten Bestand, ohne Lieferzeiten und ohne Mindestbestände in Tanks und Leitungen. Einen Teil davon deckt die Zählweise ab: Die EU-Richtlinie zieht bei der Berechnung der Vorräte 10 % als nicht verfügbar ab (die IEA ebenso), und die Eurostat-Tage folgen dieser Richtlinie.
5. Was ist 2026 tatsächlich passiert?
Die Wirklichkeit lag zwischen den Szenarien: Der Golf-Anteil an den Einfuhren der EU-Länder sank von 13,2 % im Jahr 2025 auf 7,6 % im 2. Quartal 2026, die Importe liefen weiter, und die Notvorräte wurden trotzdem angezapft (Eurostat, eigene Rechnung). Im 2. Quartal 2026 führten die EU-Länder zusammen 116.709,4 Tausend Tonnen Rohöl ein, gut ein Viertel der Jahresmenge 2025 von 455.847,4 Tausend Tonnen. Ersatz kam unter anderem aus den USA, die beim deutschen Rohöl im 2. Quartal mit 23,3 % zum größten Lieferland aufstiegen. Frankreich bezog 2025 noch 2.730 Tausend Tonnen Kerosin aus Kuwait, im 2. Quartal 2026 nichts mehr. Saudi-Arabien lieferte weiter, an Polen 45,3 % von dessen Rohöl; das passt zur Umgehung über die Ost-West-Pipeline zum Roten Meer, den Verladehafen nennt Eurostat aber nicht.
Die Notvorräte sanken dennoch. Deutschland meldete im März 95,169 Tage, im Juni 91,688. Die Bezugsgröße, die täglichen Nettoimporte, blieb im ersten Halbjahr gleich (Eurostat), der Rückgang spiegelt also einen kleineren Bestand: Deutschlands IEA-Beitrag von 19,5 Millionen Barrel kam aus den Vorräten des Erdölbevorratungsverbands (EBV). Österreich fiel von 90,866 auf 88,434 Tage (Juli), Frankreich von 94,527 auf 87,873. Das ist die Lastenteilung der IEA in Zahlen. Für deinen eigenen Vorrat rechnet der Heizöltank-Rechner nach demselben Prinzip, und was zu Hause sinnvoll ist, ordnet die Seite zur privaten Energiereserve ein.
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Hormus-Szenario: Wie lange reichen die Notvorräte?“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/szenario-rechner-hormus/