1. Was die Ost-West-Pipeline ist, kurz erklärt
Die Ost-West-Pipeline, auch Petroline genannt, ist eine rund 1.200 Kilometer lange saudische Rohölleitung vom Feld Abqaiq im Osten des Landes zum Exporthafen Yanbu am Roten Meer, mit der Saudi-Arabien Öl an der Straße von Hormuz vorbei verschiffen kann. Ihre Kapazität lag 2018 bei 5 Mio. Barrel pro Tag, Aramco-SVP Khalid H. Al-Dabbagh kündigte im August 2019 einen Ausbau auf 7 Mio. Barrel pro Tag an, und dpa nannte am 12. September 2026 ebenfalls "bis zu sieben Millionen Barrel täglich" als Kapazitätsangabe.
Zuletzt flossen laut Al Jazeera (12.09.2026) 4 bis 5 Mio. Barrel pro Tag durch die Leitung, das entspricht 4 bis 5 Prozent der weltweiten Ölversorgung. Am 11. September 2026 legte Saudi-Arabien die Pipeline nach einem Drohnenangriff still, während gleichzeitig die Straße von Hormuz durch die Lage im Roten Meer unter Druck steht. Was diese doppelte Lage für Brent und deinen Tank bedeutet, ordnen wir weiter unten ein.
2. Wozu die Pipeline dient: Umgehung der Straße von Hormuz
Die Petroline existiert, damit saudisches Rohöl nicht zwingend durch die Straße von Hormuz muss, sondern stattdessen quer durchs Land zum Roten Meer gepumpt und von dort verschifft werden kann. Die Straße von Hormuz ist mit rund 20,9 Mio. Barrel pro Tag der mit Abstand größte Öl-Nadelöhr der Welt, knapp fünfmal so viel wie durch Bab el-Mandeb am südlichen Ende des Roten Meeres fließt. Für ein Land, dessen Exporte fast vollständig über See laufen, ist eine Landleitung, die diesen einen Kontrollpunkt umgeht, ein strategisches Sicherheitsventil.
Die Pipeline ist dabei kein neues Instrument: Bereits im Mai 2019 traf ein Huthi-Drohnenangriff die Pumpstation Afif an derselben Leitung, ein frühes Beispiel dafür, dass die Petroline selbst zum Angriffsziel werden kann, obwohl sie eigentlich Risiko aus der Seeroute nehmen soll. Mehr zur Meerenge selbst und ihrem aktuellen Status liest du in unserem Lexikoneintrag zu Hormuz.
3. Weitere Bypässe: die ADCOP-Leitung der Emirate
Saudi-Arabien ist nicht das einzige Golfland mit einer Landleitung am Golf vorbei: die Vereinigten Arabischen Emirate betreiben die ADCOP-Pipeline von Habshan nach Fujairah, mit einer Kapazität von 1,5 Mio. Barrel pro Tag (Stand EIA, 2012). Fujairah liegt bereits am Golf von Oman, außerhalb der Straße von Hormuz, sodass von dort verschifftes Öl den Nadelöhr gar nicht erst passieren muss. 2012 lag die ungenutzte Reservekapazität der Petroline zusätzlich bei rund 2,8 Mio. Barrel pro Tag, ein Hinweis darauf, dass solche Leitungen historisch oft nicht voll ausgelastet liefen.
Die folgende Tabelle stellt die beiden bekannten Landbypässe am Golf gegenüber, jeweils mit dem Stichtag der zugrunde liegenden Quelle.
| Pipeline | Strecke | Kapazität | Stand |
|---|---|---|---|
| Ost-West-Pipeline (Petroline), Saudi-Arabien | Abqaiq bis Yanbu, rund 1.200 km | 5 Mio. b/d (2018), bis zu 7 Mio. b/d angekündigt (2019) | Argaam, August 2019; dpa, 12.09.2026 |
| ADCOP, Vereinigte Arabische Emirate | Habshan bis Fujairah | 1,5 Mio. b/d | EIA, 2012 |
| Straße von Hormuz (zum Vergleich) | Seeweg, Persischer Golf | rund 20,9 Mio. b/d | EIA, Stand 1. Halbjahr 2025 |
4. Die Stilllegung vom 11. September 2026
Am 11. September 2026 traf ein Angriff mit mehreren Drohnen die Ost-West-Pipeline in den Regionen Riad und Medina, woraufhin Saudi-Arabien die Leitung als Vorsichtsmaßnahme stilllegte. Das saudische Außenministerium erklärte laut Al Jazeera, die Pipeline sei "in den Gebieten Riad und Medina von mehreren Drohnen getroffen worden, die aus dem Irak stammten, mit Verletzten und Sachschaden als Folge". Das saudische Energieministerium bezeichnete die Stilllegung ausdrücklich als Vorsichtsmaßnahme und bestätigte Verletzte, ohne eine Zahl zu nennen. Die Reparaturdauer ist laut dpa (12.09.2026) offen.
Zur Urheberschaft gibt es keine Bestätigung: die Gruppe "Islamischer Widerstand im Irak" bestritt laut Al Jazeera eine Beteiligung, und die irakische Regierung entließ den Kommandeur der Maysan-Operationen. Diese Seite ordnet den Angriff nicht militärisch ein und nennt keine eigene Vermutung über den Urheber, sondern gibt ausschließlich wieder, was saudische und irakische Stellen sowie Al Jazeera und dpa dazu erklärt haben.
5. Kein Einzelfall: der Angriff vom 10. April 2026
Der Angriff vom 11. September 2026 ist nicht der erste auf saudische Ölinfrastruktur in diesem Jahr: am 10. April 2026 wurden die Ostprovinz, Riad und Yanbu getroffen, mit einem direkten Durchsatzverlust der Pipeline von rund 700.000 Barrel pro Tag. Laut Malay Mail (10.04.2026) traf der Angriff eine Pumpstation der Leitung und führte zusätzlich zu einem Förderausfall von insgesamt rund 600.000 Barrel pro Tag, davon je rund 300.000 Barrel pro Tag an den Feldern Manifa und Khurais. Dabei kam laut derselben Quelle eine Person ums Leben, sieben wurden verletzt.
Zusammen mit dem historischen Angriff auf die Pumpstation Afif im Mai 2019 zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: die Petroline soll Risiko aus der Seeroute nehmen, ist an Land aber selbst wiederholt Ziel von Drohnenangriffen geworden. Einordnungen zur weiteren Preisentwicklung in Deutschland liefert unsere Sprit-Prognose für Deutschland.
6. Was das für Heizöl- und Spritpreise in Deutschland bedeutet
Fallen Hormuz und ein wichtiger Landbypass wie die Petroline gleichzeitig aus, verengt sich das globale Ölangebot an zwei Stellen zugleich, und genau diese Kombination ist am 11. und 12. September 2026 eingetreten. Während die Huthi-Kräfte die jemenitische Rotmeerküste einnahmen und den Verkehr durch Bab el-Mandeb weiter beeinträchtigten, war die saudische Ost-West-Pipeline zeitgleich stillgelegt, jene Leitung, die genau für solche Lagen als Ausweichroute an Hormuz vorbei gedacht ist. Beide Engpässe zugleich bedeuten, dass ein großer Teil der saudischen Ausweichkapazität in dem Moment nicht zur Verfügung stand, in dem sie am ehesten gebraucht worden wäre.
Am Markt zeigte sich das in den Rohölpreisen: Brent schloss am 11. September 2026 laut Trading Economics bei 103,98 US-Dollar, Fortune nannte für denselben Vormittag 105,82 US-Dollar und für den Vortag, 10. September 2026, 105,20 US-Dollar, während dpa für den November-Kontrakt in der Nacht auf Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar meldete. Vor einem Monat lag Brent laut Fortune noch bei 90,64 US-Dollar. Analysten sehen laut dpa (12.09.2026) bei anhaltender Eskalation ein Szenario von 120 US-Dollar, ausdrücklich als Szenario und nicht als Prognose dieser Seite zu verstehen. In deinem Tank kam das bereits vorher an: Heizöl kostete in Deutschland laut Tecson am 10. September 2026 155,0 Ct/L. Was diese Gemengelage für die kommenden Wochen bedeuten könnte, ordnet unsere Heizölpreis-Prognose für Deutschland ein, wie sich Rohölpreise überhaupt in deinen Endpreis übersetzen, erklärt der Pass-Through-Effekt.
Rechne durch, was ein Brent-Preis wie am 11. oder 12. September 2026 für deinen Verbrauch bedeuten würde.
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