Die Straße von Hormuz ist kein Gedankenspiel mehr. Seit dem 28.02.2026 herrscht Krieg in der Region, und der Tankerverkehr durch die Meerenge ist laut IEA (22.06.2026) eingebrochen. Für Haushalte heißt das: Was am Golf passiert, landet über den Ölpreis in deiner Energierechnung.
Definition: Eine der kritischsten Achillesfersen des Ölmarkts
Die Straße von Hormuz verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Im Norden liegt Iran, im Süden Oman. An der engsten Stelle ist die Meerenge laut EIA (04.08.2017) 21 Meilen breit, also rund 34 Kilometer; die Fahrrinnen für Tanker sind je Richtung nur zwei Meilen breit.
Laut EIA (16.06.2025) flossen 2024 im Schnitt rund 20 Mio. Barrel Öl pro Tag durch die Straße, etwa 20 % des weltweiten Verbrauchs an Erdölflüssigkeiten. 84 % des Rohöls und Kondensats gingen nach Asien. Nur ein kleiner Teil lässt sich umleiten: Die EIA schätzt die Pipeline-Kapazität in Saudi-Arabien und den Emiraten, die zur Umgehung bereitstehen könnte, auf rund 2,6 Mio. Barrel pro Tag.
Geopolitische Konflikte an der Hormuz-Straße
Die Meerenge war schon oft Schauplatz von Konflikten:
- 1980–1988: Im Krieg zwischen Irak und Iran griffen beide Seiten Tanker im Golf an (Tankerkrieg).
- 2019: Angriffe auf Tanker im Golf von Oman verschärften die Spannungen zwischen den USA und Iran.
- Seit 28.02.2026: Krieg im Nahen Osten. Laut IEA (22.06.2026) fiel der Durchfluss von rund 20 Mio. Barrel pro Tag vor dem Konflikt auf durchschnittlich 2,7 Mio. im März, April und Mai.
Wie Spannungen am Golf den Brent-Preis sofort treffen
Brent wird an Terminbörsen gehandelt, dort fließen Nachrichten sofort in die Kurse ein. Fällt Angebot aus, das durch Hormuz fahren müsste, konkurrieren Käufer um die übrigen Mengen, und der Preis steigt. Wie stark und wie lange, hängt davon ab, wie viel Öl ausfällt, wie viel über Pipelines umgeleitet werden kann und ob Staaten Reserven freigeben. Deshalb lässt sich aus einer Schlagzeile kein fester Preisaufschlag ableiten.
Was Hormuz-Risiko für deinen Haushalt bedeutet
Das Hormuz-Risiko erreicht dich über drei Wege: über den Rohölpreis, über die Preise für Diesel und Heizöl, die bei knappen Mitteldestillaten zusätzlich steigen können, und über höhere Fracht- und Versicherungskosten. Die IEA (22.06.2026) beschreibt, dass der Einbruch des Tankerverkehrs nicht nur Rohöl trifft, sondern auch Mitteldestillate wie Diesel und Kerosin. Wie viel das für dich ausmacht, hängt von deinem Verbrauch ab; eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht.
Konsequenz: Geopolitische Früh-Signale lesen
So nutzt du Hormuz-Wissen im Alltag:
- Quellen mit Datum lesen: Mengenangaben zur Meerenge gehen weit auseinander. Datierte Berichte der IEA und der EIA sind verlässlicher als einzelne Schiffszählungen.
- Brent als Stimmungsbarometer: Ein Sprung im Brent-Preis zeigt, wie der Markt eine Nachricht bewertet, aber nicht, was dein Händler morgen verlangt.
- Tank-Timing: Aus der Nachrichtenlage am Golf lässt sich kein guter Bestellzeitpunkt ableiten; richte dich nach deinem Tankstand und deinem Bedarf.
- Langfristig: Wer weniger Öl verbraucht, etwa durch Dämmung oder eine andere Heizung, ist von Störungen am Golf weniger betroffen.
Wie sich geopolitische Risiken am Persischen Golf auf den Heizölpreis auswirken können, zeigt unsere Heizölpreis-Prognose für Deutschland.