1. Wie viele Tage Ölreserven hat jedes EU-Land?
Von den 16 EU-Ländern in unserer Tabelle liegen im jüngsten Eurostat-Monat (Juni oder Juli 2026) acht über 90 Tagen und acht darunter; vorn liegt Finnland mit 178,1 Tagen, hinten Dänemark mit 67,1. Gezählt wird nach der EU-Richtlinie 2009/119/EG: Die Pflicht ist der größere Wert aus 90 Tagen durchschnittlicher Nettoimporte und 61 Tagen Inlandsverbrauch des Bezugsjahres, und Eurostat meldet den Vorrat jedes Landes als „Tage-Äquivalent“ dieser Basis. Die letzte Spalte zeigt, was jedes Land im März zur gemeinsamen IEA-Freigabe zugesagt hat.
| Land | Tage im März 2026 (vor der Freigabe) | Tage zuletzt | Stand | IEA-Beitrag 2026 (Mio. Barrel) |
|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 95,2 | 91,7 | Juni 2026 | 19,5 |
| Frankreich | 94,5 | 87,9 | Juni 2026 | 14,6 |
| Spanien | 98,7 | 97,1 | Juni 2026 | 11,6 |
| Italien | 90,2 | 89,7 | Juni 2026 | 10,0 |
| Niederlande | 96,4 | 93,6 | Juni 2026 | 5,4 |
| Belgien | 107,8 | 109,5 | Juli 2026 | 0,3 |
| Österreich | 90,9 | 88,4 | Juli 2026 | 2,4 |
| Polen | 91,5 | 91,6 | Juni 2026 | 7,5 |
| Portugal | 91,8 | 87,8 | Juni 2026 | 2,0 |
| Irland | 86,5 | 81,1 | Juni 2026 | 1,7 |
| Schweden | 112,8 | 103,8 | Juni 2026 | 2,1 |
| Finnland | 190,3 | 178,1 | Juli 2026 | 1,8 |
| Dänemark | 72,7 | 67,1 | Juli 2026 | 1,2 |
| Tschechien | 88,6 | 85,2 | Juni 2026 | 2,2 |
| Griechenland | 105,7 | 101,8 | Juni 2026 | 2,0 |
| Ungarn | 44,4* | 82,5 | Juni 2026 | 6,1 |
* Märzwert 44,4 Tage laut Eurostat, Ursache nicht belegt.
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Für Deutschland und Österreich geht die Kurve nach unten, aber nicht steil: Deutschland fiel von 95,2 Tagen im März auf 91,7 im Juni und liegt damit knapp über der Pflicht; Österreich sank von 90,9 auf 88,4 Tage im Juli. Die deutschen Vorräte hält der Erdölbevorratungsverband (EBV); zur IEA-Aktion sagte Deutschland 19,5 Millionen Barrel aus diesen staatlichen Beständen zu (IEA, 19.03.2026), Österreich 2,4 Millionen Barrel Rohöl. Dänemark lag schon vor dem Krieg unter 90 Tagen, im Dezember 2025 bei 72,8; einen Grund nennt Eurostat nicht. Werte unter 90 sieht die Richtlinie für Krisen ausdrücklich vor: Sie erlaubt, die Mindestmenge in besonders dringenden Fällen zu unterschreiten (Art. 20 Abs. 5).
2. Und die USA, Japan, Großbritannien und die Schweiz?
Außerhalb der EU zählt jedes Land in seiner eigenen Einheit: Die USA hatten in der Woche bis 11. September 2026 noch 285,0 Millionen Barrel in der SPR, Japan meldete am 15. September 199 Tage nach eigenem Gesetz, das Vereinigte Königreich Ende März 10,2 Millionen Tonnen, und die Schweiz rechnet in Monaten. Mit den Eurostat-Tagen lässt sich keine dieser Zahlen direkt vergleichen, deshalb stehen sie in einer eigenen Tabelle.
| Land | Bestand in der jeweiligen Zählweise | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|
| USA | 285,0 Mio. Barrel in der SPR | Woche bis 11.09.2026 | EIA, Weekly Petroleum Status Report |
| Japan | 199 Tage (staatlich 102, privat 93, Förderländer 4), nationale Zählweise nach dem Bevorratungsgesetz | 15.09.2026 | METI/ANRE, Schnellschätzung vom 18.09.2026 |
| Vereinigtes Königreich | 10,2 Mio. Tonnen, laut Regierung „mehr als“ die 90 Tage Nettoimporte der IEA; keine genaue Tageszahl veröffentlicht | Ende Q1 2026 | DESNZ, Energy Trends Juni 2026 |
| Schweiz | Ziel 4,5 Monate für Benzin, Diesel und Heizöl (über Ziel); Kerosin rund 76 Tage, unter dem Ziel von 3 Monaten | 21.09.2026 | BWL, Versorgungslage |
| Südkorea | 100 Mio. Barrel staatliche Vorräte der KNOC (ohne Mengen aus gemeinsamer Bevorratung), Lagerkapazität 146 Mio. Barrel | 31.08.2026 | KNOC |
| Indien | 3,372 Mio. Tonnen Rohöl in der strategischen Reserve, rund 64 % der Kapazität; voll gefüllt würde sie rund 9,5 Tage reichen | 23.03.2026 | Antwort der Regierung im Rajya Sabha laut Business Standard |
| China | keine amtlichen Zahlen; die EIA schätzte die Rohölvorräte auf knapp 1,4 Mrd. Barrel, davon rund 360 Mio. staatlich | Dez. 2025 | EIA, Today in Energy (20.04.2026) |
Für die Schweiz ist das Bild zweigeteilt: Die Pflichtlager für Benzin, Diesel und Heizöl liegen über dem Ziel von viereinhalb Monaten, beim Kerosin reicht der Vorrat laut Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) aber nur rund 76 Tage statt der vorgesehenen drei Monate (Stand 21.09.2026). In der Beitragstabelle der IEA-Aktion taucht die Schweiz nicht auf (IEA, 19.03.2026). Das Vereinigte Königreich veröffentlicht gar keine Tageszahl; laut Energieministerium DESNZ übertrifft es die 90-Tage-Vorgabe der IEA. Die Zahlen für Südkorea, Indien und China sind noch lückenhafter; wir zeigen sie trotzdem, weil sie für den Weltmarkt zählen.
3. Was hat sich seit März 2026 geändert?
Seit März haben die IEA-Länder laut dem Exekutivdirektor der Agentur rund 290 Millionen Barrel freigegeben (Stand 21. Juli 2026), und die großen Reserven außerhalb Europas sind deutlich geschrumpft. Auslöser war die Sperrung der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden am 2. März; nach einer Teilöffnung vom 18. Juni bis 5. Juli wurde die Meerenge am 11. Juli erneut gesperrt (Wikipedia-Chronik). Am 11. März vereinbarten die IEA-Länder, 400 Millionen Barrel bereitzustellen; bestätigt wurden am 19. März 426 Millionen, davon 280 aus staatlichen Beständen, 119 aus Pflichtbeständen der Industrie und 28 durch Mehrförderung. Die größten Zusagen kamen von den USA mit 172,2 Millionen, dann Japan (79,8), Kanada (23,6, durch Mehrförderung), Südkorea (22,5) und Deutschland (19,5). Europa hatte bis Juli laut S&P Global 63 Millionen Barrel aus Notvorräten abgegeben.
Die Folgen zeigen sich in den Beständen: Die strategische Reserve der USA (SPR) enthielt in der Woche bis 11. September noch 285,0 Millionen Barrel (EIA), laut Reuters so wenig wie seit 1982 nicht mehr. Japan meldet nach nationaler Zählung 199 Tage Vorrat am 15. September, nach 242 Tagen am 14. März (METI). Zugleich hielten die IEA-Länder im Juli laut IEA noch über eine Milliarde Barrel in staatlich kontrollierten Beständen. Wer was gab und wie viel davon tatsächlich floss, steht auf der Seite IEA-Freigabe 2026: wer was gab.
4. Was bedeutet das für dein Heizöl und deinen Diesel?
Für Heizöl und Diesel zählen die Produktvorräte, und die machten in der IEA-Aktion den kleineren Teil aus: Von den 426 Millionen Barrel, die die IEA am 19. März 2026 bestätigte, waren 125 Millionen fertige Produkte und 301 Millionen Rohöl. Zudem sind Notvorräte ein Sicherheitsnetz gegen leere Lager, keine Preisbremse: Die IEA beschreibt Freigaben als Mittel gegen die wirtschaftlichen Folgen eines Lieferausfalls und ausdrücklich nicht als Instrument, um Preise zu steuern. Ob sie die Preise trotzdem gedrückt haben, wertet unsere Seite Senken Freigaben die Preise? anhand der Studien aus.
In Europa sollten die Beiträge laut IEA vor allem als Produkte an den Markt gehen. Rohöl muss erst durch eine Raffinerie, bevor es als Heizöl oder Diesel ankommt. Wie viel Diesel, Heizöl und Kerosin Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien gerade lagern, zeigt die Seite Diesel, Heizöl, Kerosin: Produktvorräte. Die Schweiz zeigt, warum der Blick auf einzelne Produkte lohnt: Dort liegen Diesel und Heizöl über dem Ziel, Kerosin darunter.
Für deine eigene Planung gibt es zwei Werkzeuge. Der Heizöltank-Rechner zeigt, wie lange dein Tank beim aktuellen Füllstand ungefähr reicht, und die Entscheidungshilfe Heizöl jetzt kaufen oder warten? ordnet ein, was für und gegen eine Bestellung spricht. Eine Kaufempfehlung geben wir nicht.
5. Wie zählen wir, und wie oft aktualisieren wir?
Die EU-Tageszahlen auf dieser Seite stammen aus dem Eurostat-Datensatz vom 10. September 2026, der für die meisten Länder bis Juni 2026 reicht; zu jeder Zahl nennen wir Quelle und Stand, und wir rechnen nichts hoch. Für Österreich, Belgien, Finnland und Dänemark enthält der Datensatz schon Juliwerte; Eurostat meldet die Notvorräte monatlich, aber mit Verzug. Die US-Energiestatistikbehörde EIA meldet den SPR-Bestand wöchentlich; der Wert für die Woche bis 11. September erschien am Mittwoch, 16. September, die Meldung vom 23. September ist hier noch nicht enthalten. Die IEA aktualisiert ihre Länderdaten in Tagen Nettoimporte monatlich mit ihrem Ölmarktbericht, zuletzt am 12. August 2026. Japans Wirtschaftsministerium METI veröffentlicht Schnellschätzungen, die laut METI von den endgültigen Werten abweichen können.
Wo Eurostat für einzelne Monate 0,000 Tage ohne Kennzeichnung ausweist (Niederlande April 2026, Finnland Mai 2026, Tschechien Juli 2026), werten wir das als fehlenden Wert, nicht als leeres Lager; deshalb steht Tschechien mit seinem Juniwert in der Tabelle. Warum dieselbe Menge Öl je nach Zählweise ganz unterschiedliche Tageszahlen ergibt, erklärt die Seite So wird gezählt: die 90-Tage-Regel.
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölreserven 2026: Wie lange reicht das Öl noch?“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/