Ölreserven-Monitor · Stand 23. September 2026

Ölreserven 2026: Wie viele Tage Notvorrat Deutschland, Österreich und die anderen Länder noch haben

Große Öltanks eines Lagers, Symbolbild für die strategischen Ölreserven der Staaten

Nach EU-Recht muss jedes Mitgliedsland Notvorräte für mindestens 90 Tage Nettoimporte halten, oder für 61 Tage Verbrauch, wenn das mehr ist; laut Eurostat kam Deutschland im Juni 2026 auf 91,7 Tage, Frankreich auf 87,9, Spanien auf 97,1 und Österreich im Juli auf 88,4 Tage (Datensatz vom 10. September 2026). Im März, vor der gemeinsamen Freigabe der Internationalen Energieagentur (IEA), waren es 95,2, 94,5, 98,7 und 90,9 Tage. Diese Seite zeigt die Tageszahlen aller erfassten EU-Länder, die Bestände der USA, Japans, des Vereinigten Königreichs und der Schweiz in deren eigener Zählweise, und was seit März passiert ist. Wichtig vorab: Eine Tageszahl ist eine Rechengröße, kein Countdown bis zum leeren Tank.

1. Wie viele Tage Ölreserven hat jedes EU-Land?

Von den 16 EU-Ländern in unserer Tabelle liegen im jüngsten Eurostat-Monat (Juni oder Juli 2026) acht über 90 Tagen und acht darunter; vorn liegt Finnland mit 178,1 Tagen, hinten Dänemark mit 67,1. Gezählt wird nach der EU-Richtlinie 2009/119/EG: Die Pflicht ist der größere Wert aus 90 Tagen durchschnittlicher Nettoimporte und 61 Tagen Inlandsverbrauch des Bezugsjahres, und Eurostat meldet den Vorrat jedes Landes als „Tage-Äquivalent“ dieser Basis. Die letzte Spalte zeigt, was jedes Land im März zur gemeinsamen IEA-Freigabe zugesagt hat.

LandTage im März 2026 (vor der Freigabe)Tage zuletztStandIEA-Beitrag 2026 (Mio. Barrel)
Deutschland95,291,7Juni 202619,5
Frankreich94,587,9Juni 202614,6
Spanien98,797,1Juni 202611,6
Italien90,289,7Juni 202610,0
Niederlande96,493,6Juni 20265,4
Belgien107,8109,5Juli 20260,3
Österreich90,988,4Juli 20262,4
Polen91,591,6Juni 20267,5
Portugal91,887,8Juni 20262,0
Irland86,581,1Juni 20261,7
Schweden112,8103,8Juni 20262,1
Finnland190,3178,1Juli 20261,8
Dänemark72,767,1Juli 20261,2
Tschechien88,685,2Juni 20262,2
Griechenland105,7101,8Juni 20262,0
Ungarn44,4*82,5Juni 20266,1

* Märzwert 44,4 Tage laut Eurostat, Ursache nicht belegt.

Tabelle als CSV herunterladen (UTF-8, Quelle je Zeile)

Für Deutschland und Österreich geht die Kurve nach unten, aber nicht steil: Deutschland fiel von 95,2 Tagen im März auf 91,7 im Juni und liegt damit knapp über der Pflicht; Österreich sank von 90,9 auf 88,4 Tage im Juli. Die deutschen Vorräte hält der Erdölbevorratungsverband (EBV); zur IEA-Aktion sagte Deutschland 19,5 Millionen Barrel aus diesen staatlichen Beständen zu (IEA, 19.03.2026), Österreich 2,4 Millionen Barrel Rohöl. Dänemark lag schon vor dem Krieg unter 90 Tagen, im Dezember 2025 bei 72,8; einen Grund nennt Eurostat nicht. Werte unter 90 sieht die Richtlinie für Krisen ausdrücklich vor: Sie erlaubt, die Mindestmenge in besonders dringenden Fällen zu unterschreiten (Art. 20 Abs. 5).

2. Und die USA, Japan, Großbritannien und die Schweiz?

Außerhalb der EU zählt jedes Land in seiner eigenen Einheit: Die USA hatten in der Woche bis 11. September 2026 noch 285,0 Millionen Barrel in der SPR, Japan meldete am 15. September 199 Tage nach eigenem Gesetz, das Vereinigte Königreich Ende März 10,2 Millionen Tonnen, und die Schweiz rechnet in Monaten. Mit den Eurostat-Tagen lässt sich keine dieser Zahlen direkt vergleichen, deshalb stehen sie in einer eigenen Tabelle.

LandBestand in der jeweiligen ZählweiseStandQuelle
USA285,0 Mio. Barrel in der SPRWoche bis 11.09.2026EIA, Weekly Petroleum Status Report
Japan199 Tage (staatlich 102, privat 93, Förderländer 4), nationale Zählweise nach dem Bevorratungsgesetz15.09.2026METI/ANRE, Schnellschätzung vom 18.09.2026
Vereinigtes Königreich10,2 Mio. Tonnen, laut Regierung „mehr als“ die 90 Tage Nettoimporte der IEA; keine genaue Tageszahl veröffentlichtEnde Q1 2026DESNZ, Energy Trends Juni 2026
SchweizZiel 4,5 Monate für Benzin, Diesel und Heizöl (über Ziel); Kerosin rund 76 Tage, unter dem Ziel von 3 Monaten21.09.2026BWL, Versorgungslage
Südkorea100 Mio. Barrel staatliche Vorräte der KNOC (ohne Mengen aus gemeinsamer Bevorratung), Lagerkapazität 146 Mio. Barrel31.08.2026KNOC
Indien3,372 Mio. Tonnen Rohöl in der strategischen Reserve, rund 64 % der Kapazität; voll gefüllt würde sie rund 9,5 Tage reichen23.03.2026Antwort der Regierung im Rajya Sabha laut Business Standard
Chinakeine amtlichen Zahlen; die EIA schätzte die Rohölvorräte auf knapp 1,4 Mrd. Barrel, davon rund 360 Mio. staatlichDez. 2025EIA, Today in Energy (20.04.2026)

Für die Schweiz ist das Bild zweigeteilt: Die Pflichtlager für Benzin, Diesel und Heizöl liegen über dem Ziel von viereinhalb Monaten, beim Kerosin reicht der Vorrat laut Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) aber nur rund 76 Tage statt der vorgesehenen drei Monate (Stand 21.09.2026). In der Beitragstabelle der IEA-Aktion taucht die Schweiz nicht auf (IEA, 19.03.2026). Das Vereinigte Königreich veröffentlicht gar keine Tageszahl; laut Energieministerium DESNZ übertrifft es die 90-Tage-Vorgabe der IEA. Die Zahlen für Südkorea, Indien und China sind noch lückenhafter; wir zeigen sie trotzdem, weil sie für den Weltmarkt zählen.

3. Was hat sich seit März 2026 geändert?

Seit März haben die IEA-Länder laut dem Exekutivdirektor der Agentur rund 290 Millionen Barrel freigegeben (Stand 21. Juli 2026), und die großen Reserven außerhalb Europas sind deutlich geschrumpft. Auslöser war die Sperrung der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden am 2. März; nach einer Teilöffnung vom 18. Juni bis 5. Juli wurde die Meerenge am 11. Juli erneut gesperrt (Wikipedia-Chronik). Am 11. März vereinbarten die IEA-Länder, 400 Millionen Barrel bereitzustellen; bestätigt wurden am 19. März 426 Millionen, davon 280 aus staatlichen Beständen, 119 aus Pflichtbeständen der Industrie und 28 durch Mehrförderung. Die größten Zusagen kamen von den USA mit 172,2 Millionen, dann Japan (79,8), Kanada (23,6, durch Mehrförderung), Südkorea (22,5) und Deutschland (19,5). Europa hatte bis Juli laut S&P Global 63 Millionen Barrel aus Notvorräten abgegeben.

Die Folgen zeigen sich in den Beständen: Die strategische Reserve der USA (SPR) enthielt in der Woche bis 11. September noch 285,0 Millionen Barrel (EIA), laut Reuters so wenig wie seit 1982 nicht mehr. Japan meldet nach nationaler Zählung 199 Tage Vorrat am 15. September, nach 242 Tagen am 14. März (METI). Zugleich hielten die IEA-Länder im Juli laut IEA noch über eine Milliarde Barrel in staatlich kontrollierten Beständen. Wer was gab und wie viel davon tatsächlich floss, steht auf der Seite IEA-Freigabe 2026: wer was gab.

4. Was bedeutet das für dein Heizöl und deinen Diesel?

Für Heizöl und Diesel zählen die Produktvorräte, und die machten in der IEA-Aktion den kleineren Teil aus: Von den 426 Millionen Barrel, die die IEA am 19. März 2026 bestätigte, waren 125 Millionen fertige Produkte und 301 Millionen Rohöl. Zudem sind Notvorräte ein Sicherheitsnetz gegen leere Lager, keine Preisbremse: Die IEA beschreibt Freigaben als Mittel gegen die wirtschaftlichen Folgen eines Lieferausfalls und ausdrücklich nicht als Instrument, um Preise zu steuern. Ob sie die Preise trotzdem gedrückt haben, wertet unsere Seite Senken Freigaben die Preise? anhand der Studien aus.

In Europa sollten die Beiträge laut IEA vor allem als Produkte an den Markt gehen. Rohöl muss erst durch eine Raffinerie, bevor es als Heizöl oder Diesel ankommt. Wie viel Diesel, Heizöl und Kerosin Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien gerade lagern, zeigt die Seite Diesel, Heizöl, Kerosin: Produktvorräte. Die Schweiz zeigt, warum der Blick auf einzelne Produkte lohnt: Dort liegen Diesel und Heizöl über dem Ziel, Kerosin darunter.

Für deine eigene Planung gibt es zwei Werkzeuge. Der Heizöltank-Rechner zeigt, wie lange dein Tank beim aktuellen Füllstand ungefähr reicht, und die Entscheidungshilfe Heizöl jetzt kaufen oder warten? ordnet ein, was für und gegen eine Bestellung spricht. Eine Kaufempfehlung geben wir nicht.

5. Wie zählen wir, und wie oft aktualisieren wir?

Die EU-Tageszahlen auf dieser Seite stammen aus dem Eurostat-Datensatz vom 10. September 2026, der für die meisten Länder bis Juni 2026 reicht; zu jeder Zahl nennen wir Quelle und Stand, und wir rechnen nichts hoch. Für Österreich, Belgien, Finnland und Dänemark enthält der Datensatz schon Juliwerte; Eurostat meldet die Notvorräte monatlich, aber mit Verzug. Die US-Energiestatistikbehörde EIA meldet den SPR-Bestand wöchentlich; der Wert für die Woche bis 11. September erschien am Mittwoch, 16. September, die Meldung vom 23. September ist hier noch nicht enthalten. Die IEA aktualisiert ihre Länderdaten in Tagen Nettoimporte monatlich mit ihrem Ölmarktbericht, zuletzt am 12. August 2026. Japans Wirtschaftsministerium METI veröffentlicht Schnellschätzungen, die laut METI von den endgültigen Werten abweichen können.

Wo Eurostat für einzelne Monate 0,000 Tage ohne Kennzeichnung ausweist (Niederlande April 2026, Finnland Mai 2026, Tschechien Juli 2026), werten wir das als fehlenden Wert, nicht als leeres Lager; deshalb steht Tschechien mit seinem Juniwert in der Tabelle. Warum dieselbe Menge Öl je nach Zählweise ganz unterschiedliche Tageszahlen ergibt, erklärt die Seite So wird gezählt: die 90-Tage-Regel.

Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölreserven 2026: Wie lange reicht das Öl noch?“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/

6. Häufige Fragen zu den Ölreserven

Wie viele Tage Öl hat Deutschland?
Nach EU-Zählweise 91,7 Tage im Juni 2026 (Eurostat, Datensatz vom 10.09.2026), nach 95,2 Tagen im März vor der Freigabe. Die Pflicht liegt bei 90 Tagen Nettoimporten. Gehalten werden die Vorräte vom Erdölbevorratungsverband (EBV); zur IEA-Aktion sagte Deutschland 19,5 Millionen Barrel aus diesen staatlichen Beständen zu (IEA, 19.03.2026).
Heißt 91,7 Tage, dass nach drei Monaten Schluss ist?
Nein. Die Tageszahl setzt den angerechneten Notvorrat ins Verhältnis zu den durchschnittlichen Nettoimporten eines Bezugsjahres (Richtlinie 2009/119/EG). Sie beschreibt, wie lange die Reserve rechnerisch alle Nettoimporte ersetzen könnte, wenn gar nichts mehr käme. Tatsächlich laufen Importe aus anderen Regionen weiter, und auch nach den Freigaben hielten die IEA-Länder im Juli 2026 noch über eine Milliarde Barrel in staatlich kontrollierten Beständen (IEA).
Wie steht es um Österreich und die Schweiz?
Österreich kam im Juli 2026 auf 88,4 Tage nach 90,9 im März (Eurostat) und sagte der IEA-Aktion 2,4 Millionen Barrel Rohöl aus staatlichen Beständen zu (IEA). Die Schweiz zählt in Monaten: Benzin, Diesel und Heizöl liegen über dem Ziel von 4,5 Monaten, Kerosin liegt mit rund 76 Tagen unter dem Ziel von 3 Monaten (BWL, 21.09.2026).
Warum unterscheiden sich Japans Zahlen?
Weil Japan nach eigenem Gesetz zählt. Die 199 Tage vom 15. September 2026 folgen dem japanischen Bevorratungsgesetz und sind eine vorläufige Schnellschätzung (METI). Für Ende 2025 hat METI beide Rechnungen für denselben Bestand veröffentlicht: 254 Tage nach nationaler Zählung, die vom Inlandsverbrauch ausgeht, und 214 Tage nach IEA-Basis, die auch Flüssiggas einbezieht (METI, Monatsbericht Februar 2026).
Sind weniger als 90 Tage ein Verstoß?
Die EU-Richtlinie erlaubt ausdrücklich, die Mindestmenge in besonders dringenden Fällen oder bei örtlichen Krisen zu unterschreiten (Art. 20 Abs. 5); bis wann wieder aufgefüllt sein muss, legt die EU-Kommission fest (Art. 20 Abs. 6). Eine Frist für 2026 haben wir nicht gefunden. Knapp unter 90 lagen im jüngsten Eurostat-Monat Frankreich (87,9 Tage), Portugal (87,8), Österreich (88,4) und Italien (89,7).
Kommt eine zweite Freigabe?
Offen. Laut World Oil (18.09.2026) hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigt, die G7 einzuberufen, um Optionen für eine weitere Freigabe strategischer Vorräte zu prüfen. Menge und Termin gibt es noch nicht. Die IEA-Länder hielten im Juli laut IEA noch über eine Milliarde Barrel in staatlich kontrollierten Beständen.

Und dein Haushalt?

Die Reserven der Staaten sind das eine, dein Heizöltank und deine Spritkosten das andere. Rechne im Energiekosten-Rechner durch, was der Ölpreis für deinen Verbrauch bedeutet.

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