Ölreserven-Monitor · Österreich

Ölreserven in Österreich: ELG, Freigabe an die OMV und die Abhängigkeit von Kasachstan

Symbolbild: Tanklager für die österreichischen Pflichtnotstandsreserven an Erdöl

Österreichs Notstandsvorräte an Erdöl reichten im Juli 2026 für 88,4 Tage Nettoimporte, nach 90,9 Tagen im März vor der IEA-Freigabe (Eurostat, Datensatz vom 10. September 2026). Gehalten werden sie von der Erdöl-Lagergesellschaft (ELG), einer GmbH im Besitz von OMV, bp, Shell und Enilive. Für die Gemeinschaftsaktion der IEA gab der Hauptausschuss des Nationalrats bis zu 325.000 Tonnen Rohöl für die OMV frei; abgerufen waren bis Anfang September nur 56.000 Tonnen. Hier liest du, wie das System funktioniert, woher Österreichs Öl kommt, was die Reserve kostet und was nach dem 1. Oktober offen ist.

1. Wer hält Österreichs Ölreserve, und wie groß ist sie?

Österreichs Ölreserve hält die Erdöl-Lagergesellschaft m.b.H. (ELG) mit Sitz in Lannach in der Steiermark; Ende 2025 umfassten die Pflichtnotstandsreserven rund 2,435 Millionen Tonnen (Parlamentskorrespondenz, 3. September 2026). Die Regeln stehen im Erdölbevorratungsgesetz 2012 (EBG 2012). Wer Erdöl oder Erdölprodukte nach Österreich einführt, muss ab 1. Juli jedes Jahres 25 Prozent seiner Vorjahresimporte als Reserve halten. Das Wirtschaftsministerium (BMWET) beschreibt die Pflicht als „25 Prozent (90 Tage) ihrer Vorjahresnettoimporte“. Die Importeure können sie gegen Entgelt „mit befreiender Wirkung“ an die ELG übertragen, die das Gesetz als zentrale Bevorratungsstelle bestimmt. Gezählt wird in Erdöleinheiten: Ein Kilogramm Rohöl zählt 1,00, ein Kilogramm Erdölprodukte 1,20 Erdöleinheiten (§ 6 EBG).

Anders als der deutsche Erdölbevorratungsverband (EBV), eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, ist die ELG eine GmbH der Mineralölbranche: OMV Downstream hält 55,6 Prozent, bp Retail Austria 23,1, Shell Austria 16,7 und Enilive Austria 4,6 Prozent (ELG). Die Produkte lagern laut Ministerium an mehr als 30 Standorten im ganzen Land. Bei der Gesamtmenge weichen die Angaben ab: In einer Presseaussendung vom 20. April nannte das BMWET 2,47 Millionen Tonnen. Stichtag und Einheit sind dort nicht erklärt, deshalb verwenden wir den Wert des Parlaments. Wie andere Länder ihre Vorräte organisieren, zeigt die Übersicht des Ölreserven-Monitors.

2. Wie viele Tage reicht Österreichs Ölreserve?

Nach der Zählweise der EU-Richtlinie reichten Österreichs Notstandsvorräte im Juli 2026 für 88,4 Tage Nettoimporte, nach 92,1 Tagen im Dezember 2025 (Eurostat, Datensatz vom 10. September 2026). Der größte Schritt nach unten fiel in den April, den ersten Monat der Freigabe: von 90,9 auf 88,9 Tage. Seitdem liegt der Wert knapp unter der 90-Tage-Marke. Für Österreich hat Eurostat bereits den Juli veröffentlicht; bei Deutschland ist der Juni der letzte Stand, mit 91,7 Tagen.

MonatNotstandsvorräte in Tagen (Eurostat, Tage-Äquivalent)
Dezember 202592,060
Januar 202692,060
Februar 202691,294
März 202690,866
April 202688,914
Mai 202688,929
Juni 202688,802
Juli 202688,434

Werte wie von Eurostat veröffentlicht (nrg_stk_oem, STK_EUE_DIR); im Text auf eine Nachkommastelle gerundet.

Die Bezugsgröße liefert Eurostat gleich mit: Für Juli rechnet das Amt mit 25,765 Tausend Tonnen Nettoimporten am Tag und einem Mindestbestand von 2.318,837 Tausend Tonnen. Das ergibt genau 90,0 Tage (eigene Rechnung); Österreichs Pflicht bemisst sich also an den Nettoimporten. „88 Tage“ heißt nicht, dass das Öl nach 88 Tagen aufgebraucht ist. Gemeint ist, wie lange die Reserve ausbleibende Importe ersetzen könnte; die Richtlinie zieht dabei 10 Prozent als nicht verfügbar ab. Die Rechenregeln erklärt die Seite 90-Tage-Regel.

Die Reserve des Staates misst sich in Tagen, dein Heizöltank in Litern: Rechne aus, wie lange dein Vorrat noch reicht.

Tank-Reichweite berechnen

3. Was hat Österreich 2026 aus der Reserve freigegeben?

Österreich gab 2026 bis zu 325.000 Tonnen Rohöl aus der Pflichtnotstandsreserve frei, sein Beitrag von 2,4 Millionen Barrel zur Gemeinschaftsaktion der IEA; abgerufen hat die OMV bis Anfang September nur 56.000 Tonnen (Parlamentskorrespondenz, 3. September 2026). Der Hauptausschuss des Nationalrats genehmigte die Freigabe am 25. März mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen. Die Energie-Lenkungsmaßnahmen-Verordnung Erdöl (BGBl. II Nr. 67/2026) weist die ELG an, der OMV Downstream sechs Monate lang bis zu 325.000 Tonnen Rohöl zur Produktion von Fertigprodukten anzubieten, zu marktüblichen Preisen. Diesel und Benzin daraus dürfen nur in Österreich verkauft werden. Laut Parlamentskorrespondenz wird die Reichweite „von 90 Tagen damit um rund 11 Tage reduziert“. Der zuständige Minister Wolfgang Hattmannsdorfer sah das Land ausreichend versorgt; Paul Hammerl (FPÖ) sagte, es gebe „keine Versorgungslücke, sondern ein Preisproblem“.

Am 20. April kaufte die OMV die ersten 56.000 Tonnen, laut Ministerium „2 % der Gesamtmenge der Pflichtnotstandsreserve“, und ließ sie in die Raffinerie Schwechat pumpen. Danach kam laut Parlamentskorrespondenz nichts mehr dazu. Abgerufen sind damit 17,2 Prozent der freigegebenen Menge (eigene Rechnung). Wie sich die 426 Millionen Barrel der gesamten Aktion auf die Länder verteilen, zeigt die Seite IEA-Freigabe 2026.

DatumWas geschahQuelle
25.03.2026Hauptausschuss genehmigt bis zu 325.000 t Rohöl für sechs Monate ab 1. AprilParlamentskorrespondenz
April 2026erste Tranche von 65.000 t, Verkauf zu marktüblichen Preisen (BGBl. II Nr. 67/2026)Parlamentskorrespondenz, ELG
20.04.2026OMV kauft 56.000 t, Pumpen in die Raffinerie SchwechatBMWET
03.09.2026weiter 56.000 t abgerufen, 269.000 t bis 1. Oktober verfügbarParlamentskorrespondenz
Juni bis Sept. 2022zum Vergleich: 112.000 t Diesel und 56.000 t Benzin, 100.000 t Diesel und 45.000 t Halbfabrikate, 60.000 t Diesel; Pflicht im Juli 2022 vorübergehend von 25 auf 22,22 Prozent gesenktELG

4. Woher kommt Österreichs Öl, und wie stark hängt es am Persischen Golf?

Aus Kasachstan kamen 57,2 % des Rohöls, das Österreich 2025 importierte; aus den sieben Golfstaaten stammten nach dem GOS-Hormus-Index 10,8 % aller Importe von Rohöl, Diesel, Heizöl und Kerosin, im zweiten Quartal 2026 nur noch 1,2 % (Eurostat, eigene Rechnung). Das Ministerium nennt für 2024 einen Kasachstan-Anteil von 56 Prozent, gefolgt von Libyen und Saudi-Arabien. Das Rohöl läuft von Triest über die Transalpine Ölleitung (TAL) und die Adria-Wien-Pipeline (AWP) zur Raffinerie Schwechat; mehr als 90 Prozent der importierten Rohölmengen nehmen laut BMWET diesen Weg. Direkt importiertes russisches Rohöl gibt es seit Frühjahr 2022 nicht mehr.

LieferlandMenge (1.000 t)Anteil
Kasachstan4.73057,2 %
Libyen1.18514,3 %
Saudi-Arabien1.05412,7 %
Guyana3274,0 %
übrige Länder Amerikas (Sammelposten)2783,4 %
Irak2703,3 %
Aserbaidschan2202,7 %
Senegal690,8 %
Importe insgesamt8.269100 %

Bei Diesel und Heizöl ist der wichtigste Lieferant der Nachbar: 69,2 % der Gasöl-Importe 2025 kamen aus Deutschland, 14,3 % aus Italien und 13,6 % aus Slowenien (Eurostat, eigene Rechnung). Aus Kuwait, Katar, Bahrain und Iran, den Golfstaaten ohne Ausweichroute um Hormus, kam 2025 nichts. Ob deutsche Raffinerien Golf-Rohöl zu Diesel für Österreich verarbeiten, erfasst die Statistik nicht: Sie nennt nur das Lieferland. Den Vergleich mit anderen Ländern zeigen die Seiten Importe nach Herkunft und GOS-Hormus-Index.

5. Was kostet Österreichs Ölreserve, und was gilt im Ernstfall?

Die ELG verlangt für die Übernahme der Vorratspflicht 42,80 Euro je Tonne Erdöleinheit, also je 1.000 Erdöleinheiten, und Jahr, ohne Mehrwertsteuer und für alle Produktgruppen gleich (Bevorratungsperiode 2026/27; 2025/26: 41,23 Euro). Einen amtlichen Wert je Liter gibt es nicht, und wir rechnen auch keinen aus: Wie sich der Tarif auf einen Liter Diesel oder Heizöl umlegt, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht eindeutig hervor. Das Gesetz verlangt, dass der Tarif die Kosten der Reserve deckt (§ 8 Abs. 5 EBG). Ob und wie weit die Importeure ihn an Tankstellen- und Heizölkunden weitergeben, ist nicht belegt. Mit Heizöl heizen 13 Prozent der Hauptwohnsitze (Statistik Austria, Mikrozensus 2021/2022). Die Margenbegrenzung der Bundesregierung erfasst nur Diesel (B7) und Euro-Super (E10), nicht Heizöl (E-Control). Wie andere Länder ihre Reserve finanzieren, steht auf der Seite Wer bezahlt die Reserven?

Für den Ernstfall gilt das Energielenkungsgesetz 2012. Lenkungsverordnungen erlässt der Minister nach Beratung im Energielenkungsbeirat, und sie brauchen die Zustimmung des Hauptausschusses. Zuerst kommen die Pflichtnotstandsreserven (§ 8), Abgabebeschränkungen nur „in zeitlich, örtlich oder mengenmäßig beschränktem Umfang“ (§ 9), dazu Fahrverbote (§ 10). Solche Maßnahmen gelten höchstens sechs Monate; bei einer bereits eingetretenen Störung ist eine Verlängerung um bis zu sechs Monate möglich, wieder mit dem Hauptausschuss. Offen ist deshalb, was nach dem 1. Oktober mit den 269.000 Tonnen geschieht: Eine Verlängerung haben wir bis 23. September nicht gefunden, ebenso wenig eine Verordnung zur Wiederauffüllung, die das EBG erlaubt (§ 5 Abs. 3). Heizölpreise, Förderungen und Pendlerpauschale behandelt der Länderleitfaden Österreich.

Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölreserven Österreich: 88,4 Tage, ELG und OMV“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/oesterreich/

6. Häufige Fragen

Wie lange reichen die Ölreserven in Österreich?
Nach der EU-Zählweise 88,4 Tage Nettoimporte (Eurostat, Juli 2026); vor der Freigabe im März waren es 90,9 Tage. Die Zahl misst, wie lange die Notstandsvorräte ausbleibende Importe ersetzen könnten, nicht, wann Tankstellen leer wären.
Wer ist die ELG, und wem gehört sie?
Die Erdöl-Lagergesellschaft m.b.H. in Lannach ist laut EBG 2012 die zentrale Bevorratungsstelle Österreichs. Sie gehört der Branche: OMV Downstream 55,6 Prozent, bp 23,1, Shell 16,7 und Enilive 4,6 Prozent (ELG). Importeure können ihre Vorratspflicht gegen Entgelt an sie übertragen.
Wie viel Öl hat Österreich 2026 aus der Reserve freigegeben?
Freigegeben wurden bis zu 325.000 Tonnen Rohöl für die OMV, genehmigt am 25. März 2026 (BGBl. II Nr. 67/2026). Gekauft hat die OMV bis 3. September 56.000 Tonnen; 269.000 Tonnen standen bis 1. Oktober bereit (Parlamentskorrespondenz).
Woher bezieht Österreich sein Rohöl?
2025 kamen 57,2 % aus Kasachstan, 14,3 % aus Libyen und 12,7 % aus Saudi-Arabien (Eurostat, eigene Rechnung). Mehr als 90 Prozent des importierten Rohöls laufen laut BMWET über die Adria-Wien-Pipeline nach Schwechat.
Was kostet die Pflichtnotstandsreserve pro Liter?
Ein veröffentlichter Literwert existiert nicht, und wir rechnen keinen aus, weil nicht eindeutig ist, wie sich der Tarif auf einen Liter umlegt. Amtlich ist nur der ELG-Tarif: 42,80 Euro je Tonne Erdöleinheit und Jahr für 2026/27, nach 41,23 Euro für 2025/26, jeweils ohne Mehrwertsteuer und für alle Produktgruppen gleich.
Kann in Österreich Sprit oder Heizöl rationiert werden?
Rechtlich ja: Das Energielenkungsgesetz 2012 erlaubt begrenzte Abgabebeschränkungen und Fahrverbote, mit Zustimmung des Hauptausschusses und höchstens sechs Monate lang. Eine solche Anordnung haben wir für 2026 nicht gefunden. Auch die Freigabe an die OMV lief über eine Lenkungsverordnung, die der Hauptausschuss genehmigte.

Und dein Haushalt?

Die Reserven der Staaten sind das eine, dein Heizöltank und deine Spritkosten das andere. Rechne im Energiekosten-Rechner durch, was der Ölpreis für deinen Verbrauch bedeutet.

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