1. Wer hält Österreichs Ölreserve, und wie groß ist sie?
Österreichs Ölreserve hält die Erdöl-Lagergesellschaft m.b.H. (ELG) mit Sitz in Lannach in der Steiermark; Ende 2025 umfassten die Pflichtnotstandsreserven rund 2,435 Millionen Tonnen (Parlamentskorrespondenz, 3. September 2026). Die Regeln stehen im Erdölbevorratungsgesetz 2012 (EBG 2012). Wer Erdöl oder Erdölprodukte nach Österreich einführt, muss ab 1. Juli jedes Jahres 25 Prozent seiner Vorjahresimporte als Reserve halten. Das Wirtschaftsministerium (BMWET) beschreibt die Pflicht als „25 Prozent (90 Tage) ihrer Vorjahresnettoimporte“. Die Importeure können sie gegen Entgelt „mit befreiender Wirkung“ an die ELG übertragen, die das Gesetz als zentrale Bevorratungsstelle bestimmt. Gezählt wird in Erdöleinheiten: Ein Kilogramm Rohöl zählt 1,00, ein Kilogramm Erdölprodukte 1,20 Erdöleinheiten (§ 6 EBG).
Anders als der deutsche Erdölbevorratungsverband (EBV), eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, ist die ELG eine GmbH der Mineralölbranche: OMV Downstream hält 55,6 Prozent, bp Retail Austria 23,1, Shell Austria 16,7 und Enilive Austria 4,6 Prozent (ELG). Die Produkte lagern laut Ministerium an mehr als 30 Standorten im ganzen Land. Bei der Gesamtmenge weichen die Angaben ab: In einer Presseaussendung vom 20. April nannte das BMWET 2,47 Millionen Tonnen. Stichtag und Einheit sind dort nicht erklärt, deshalb verwenden wir den Wert des Parlaments. Wie andere Länder ihre Vorräte organisieren, zeigt die Übersicht des Ölreserven-Monitors.
2. Wie viele Tage reicht Österreichs Ölreserve?
Nach der Zählweise der EU-Richtlinie reichten Österreichs Notstandsvorräte im Juli 2026 für 88,4 Tage Nettoimporte, nach 92,1 Tagen im Dezember 2025 (Eurostat, Datensatz vom 10. September 2026). Der größte Schritt nach unten fiel in den April, den ersten Monat der Freigabe: von 90,9 auf 88,9 Tage. Seitdem liegt der Wert knapp unter der 90-Tage-Marke. Für Österreich hat Eurostat bereits den Juli veröffentlicht; bei Deutschland ist der Juni der letzte Stand, mit 91,7 Tagen.
| Monat | Notstandsvorräte in Tagen (Eurostat, Tage-Äquivalent) |
|---|---|
| Dezember 2025 | 92,060 |
| Januar 2026 | 92,060 |
| Februar 2026 | 91,294 |
| März 2026 | 90,866 |
| April 2026 | 88,914 |
| Mai 2026 | 88,929 |
| Juni 2026 | 88,802 |
| Juli 2026 | 88,434 |
Werte wie von Eurostat veröffentlicht (nrg_stk_oem, STK_EUE_DIR); im Text auf eine Nachkommastelle gerundet.
Die Bezugsgröße liefert Eurostat gleich mit: Für Juli rechnet das Amt mit 25,765 Tausend Tonnen Nettoimporten am Tag und einem Mindestbestand von 2.318,837 Tausend Tonnen. Das ergibt genau 90,0 Tage (eigene Rechnung); Österreichs Pflicht bemisst sich also an den Nettoimporten. „88 Tage“ heißt nicht, dass das Öl nach 88 Tagen aufgebraucht ist. Gemeint ist, wie lange die Reserve ausbleibende Importe ersetzen könnte; die Richtlinie zieht dabei 10 Prozent als nicht verfügbar ab. Die Rechenregeln erklärt die Seite 90-Tage-Regel.
Die Reserve des Staates misst sich in Tagen, dein Heizöltank in Litern: Rechne aus, wie lange dein Vorrat noch reicht.
Tank-Reichweite berechnen3. Was hat Österreich 2026 aus der Reserve freigegeben?
Österreich gab 2026 bis zu 325.000 Tonnen Rohöl aus der Pflichtnotstandsreserve frei, sein Beitrag von 2,4 Millionen Barrel zur Gemeinschaftsaktion der IEA; abgerufen hat die OMV bis Anfang September nur 56.000 Tonnen (Parlamentskorrespondenz, 3. September 2026). Der Hauptausschuss des Nationalrats genehmigte die Freigabe am 25. März mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen. Die Energie-Lenkungsmaßnahmen-Verordnung Erdöl (BGBl. II Nr. 67/2026) weist die ELG an, der OMV Downstream sechs Monate lang bis zu 325.000 Tonnen Rohöl zur Produktion von Fertigprodukten anzubieten, zu marktüblichen Preisen. Diesel und Benzin daraus dürfen nur in Österreich verkauft werden. Laut Parlamentskorrespondenz wird die Reichweite „von 90 Tagen damit um rund 11 Tage reduziert“. Der zuständige Minister Wolfgang Hattmannsdorfer sah das Land ausreichend versorgt; Paul Hammerl (FPÖ) sagte, es gebe „keine Versorgungslücke, sondern ein Preisproblem“.
Am 20. April kaufte die OMV die ersten 56.000 Tonnen, laut Ministerium „2 % der Gesamtmenge der Pflichtnotstandsreserve“, und ließ sie in die Raffinerie Schwechat pumpen. Danach kam laut Parlamentskorrespondenz nichts mehr dazu. Abgerufen sind damit 17,2 Prozent der freigegebenen Menge (eigene Rechnung). Wie sich die 426 Millionen Barrel der gesamten Aktion auf die Länder verteilen, zeigt die Seite IEA-Freigabe 2026.
| Datum | Was geschah | Quelle |
|---|---|---|
| 25.03.2026 | Hauptausschuss genehmigt bis zu 325.000 t Rohöl für sechs Monate ab 1. April | Parlamentskorrespondenz |
| April 2026 | erste Tranche von 65.000 t, Verkauf zu marktüblichen Preisen (BGBl. II Nr. 67/2026) | Parlamentskorrespondenz, ELG |
| 20.04.2026 | OMV kauft 56.000 t, Pumpen in die Raffinerie Schwechat | BMWET |
| 03.09.2026 | weiter 56.000 t abgerufen, 269.000 t bis 1. Oktober verfügbar | Parlamentskorrespondenz |
| Juni bis Sept. 2022 | zum Vergleich: 112.000 t Diesel und 56.000 t Benzin, 100.000 t Diesel und 45.000 t Halbfabrikate, 60.000 t Diesel; Pflicht im Juli 2022 vorübergehend von 25 auf 22,22 Prozent gesenkt | ELG |
4. Woher kommt Österreichs Öl, und wie stark hängt es am Persischen Golf?
Aus Kasachstan kamen 57,2 % des Rohöls, das Österreich 2025 importierte; aus den sieben Golfstaaten stammten nach dem GOS-Hormus-Index 10,8 % aller Importe von Rohöl, Diesel, Heizöl und Kerosin, im zweiten Quartal 2026 nur noch 1,2 % (Eurostat, eigene Rechnung). Das Ministerium nennt für 2024 einen Kasachstan-Anteil von 56 Prozent, gefolgt von Libyen und Saudi-Arabien. Das Rohöl läuft von Triest über die Transalpine Ölleitung (TAL) und die Adria-Wien-Pipeline (AWP) zur Raffinerie Schwechat; mehr als 90 Prozent der importierten Rohölmengen nehmen laut BMWET diesen Weg. Direkt importiertes russisches Rohöl gibt es seit Frühjahr 2022 nicht mehr.
| Lieferland | Menge (1.000 t) | Anteil |
|---|---|---|
| Kasachstan | 4.730 | 57,2 % |
| Libyen | 1.185 | 14,3 % |
| Saudi-Arabien | 1.054 | 12,7 % |
| Guyana | 327 | 4,0 % |
| übrige Länder Amerikas (Sammelposten) | 278 | 3,4 % |
| Irak | 270 | 3,3 % |
| Aserbaidschan | 220 | 2,7 % |
| Senegal | 69 | 0,8 % |
| Importe insgesamt | 8.269 | 100 % |
Bei Diesel und Heizöl ist der wichtigste Lieferant der Nachbar: 69,2 % der Gasöl-Importe 2025 kamen aus Deutschland, 14,3 % aus Italien und 13,6 % aus Slowenien (Eurostat, eigene Rechnung). Aus Kuwait, Katar, Bahrain und Iran, den Golfstaaten ohne Ausweichroute um Hormus, kam 2025 nichts. Ob deutsche Raffinerien Golf-Rohöl zu Diesel für Österreich verarbeiten, erfasst die Statistik nicht: Sie nennt nur das Lieferland. Den Vergleich mit anderen Ländern zeigen die Seiten Importe nach Herkunft und GOS-Hormus-Index.
5. Was kostet Österreichs Ölreserve, und was gilt im Ernstfall?
Die ELG verlangt für die Übernahme der Vorratspflicht 42,80 Euro je Tonne Erdöleinheit, also je 1.000 Erdöleinheiten, und Jahr, ohne Mehrwertsteuer und für alle Produktgruppen gleich (Bevorratungsperiode 2026/27; 2025/26: 41,23 Euro). Einen amtlichen Wert je Liter gibt es nicht, und wir rechnen auch keinen aus: Wie sich der Tarif auf einen Liter Diesel oder Heizöl umlegt, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht eindeutig hervor. Das Gesetz verlangt, dass der Tarif die Kosten der Reserve deckt (§ 8 Abs. 5 EBG). Ob und wie weit die Importeure ihn an Tankstellen- und Heizölkunden weitergeben, ist nicht belegt. Mit Heizöl heizen 13 Prozent der Hauptwohnsitze (Statistik Austria, Mikrozensus 2021/2022). Die Margenbegrenzung der Bundesregierung erfasst nur Diesel (B7) und Euro-Super (E10), nicht Heizöl (E-Control). Wie andere Länder ihre Reserve finanzieren, steht auf der Seite Wer bezahlt die Reserven?
Für den Ernstfall gilt das Energielenkungsgesetz 2012. Lenkungsverordnungen erlässt der Minister nach Beratung im Energielenkungsbeirat, und sie brauchen die Zustimmung des Hauptausschusses. Zuerst kommen die Pflichtnotstandsreserven (§ 8), Abgabebeschränkungen nur „in zeitlich, örtlich oder mengenmäßig beschränktem Umfang“ (§ 9), dazu Fahrverbote (§ 10). Solche Maßnahmen gelten höchstens sechs Monate; bei einer bereits eingetretenen Störung ist eine Verlängerung um bis zu sechs Monate möglich, wieder mit dem Hauptausschuss. Offen ist deshalb, was nach dem 1. Oktober mit den 269.000 Tonnen geschieht: Eine Verlängerung haben wir bis 23. September nicht gefunden, ebenso wenig eine Verordnung zur Wiederauffüllung, die das EBG erlaubt (§ 5 Abs. 3). Heizölpreise, Förderungen und Pendlerpauschale behandelt der Länderleitfaden Österreich.
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölreserven Österreich: 88,4 Tage, ELG und OMV“, Stand 23.09.2026, https://globaloilshock.com/de/oelreserven/oesterreich/