1. Wie viel Rohöl exportieren die USA derzeit?
In der Woche zum 30.10.2026 meldete die EIA Rohölexporte von 3.675 Tausend Barrel je Tag, also 3,67 Millionen, und Rohölimporte von 6,37 Millionen Barrel je Tag; die Netto-Importe von 2,70 Millionen ergeben sich als Differenz, eigene Rechnung. Die Wochenwerte schwanken stark, weil ein einziger Großtanker, der am Freitag statt am Montag ablegt, mehrere hunderttausend Barrel je Tag zwischen zwei Wochen verschiebt. Deshalb führen wir zusätzlich das Vier-Wochen-Mittel: 4,14 Millionen Barrel je Tag Exporte, 6,14 Millionen Importe und 2,00 Millionen Netto-Importe. Die letzte Woche lag um 460 kb/d unter diesem Mittel, nachdem die Woche zum 23.10.2026 mit 4,85 Millionen deutlich darüber gelegen hatte.
Die Exporte decken damit 57,7 % der Importe ab. Dass die Vereinigten Staaten zugleich einer der größten Rohölproduzenten und ein großer Rohölimporteur sind, hat einen technischen Grund: Die Schieferölförderung liefert leichtes, schwefelarmes Öl, während viele Raffinerien an der Golfküste für schwere, schwefelreiche Sorten aus Kanada, Mexiko und dem Nahen Osten gebaut sind. Leichtes Öl geht deshalb nach Europa und Asien, schweres kommt herein. Die Grafik zeigt beide Ströme seit Anfang 2024 im Wochentakt.
US-Rohölexporte und -importe, Wochenwerte 5.01.2024 – 30.10.2026, Millionen Barrel je Tag
Letzter Wert (30.10.2026):
- Exporte: 3,67
- Importe: 6,37
- Exporte, 4-Wochen-Mittel: 4,14
Quelle: EIA Weekly Petroleum Status Report, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026
Das Bild des Jahres 2026 hat drei Phasen: eine normale Lage bis Februar, einen Sprung der Exporte im April und Mai mit der Rekordwoche zum 24.04.2026 und der zweithöchsten Woche zum 29.05.2026 (5,87 Millionen), dann ab Juli eine Rückkehr auf Werte zwischen 3,06 Millionen (Woche zum 7.08.2026) und knapp fünf Millionen. Was die Exportwelle im Frühjahr begleitete, lässt sich an zwei anderen Datenseiten ablesen: am Brent-WTI-Spread, der Brent gegenüber dem binnenländischen WTI verteuerte und US-Öl für europäische Käufer attraktiv machte, und an den Durchfahrten durch die Straße von Hormus, die seit dem 28. Februar 2026 auf einen Bruchteil gefallen sind.
| Woche bis | Exporte (kb/d) | Importe (kb/d) | Netto-Importe (kb/d) | Exporte, 4-Wochen-Mittel |
|---|---|---|---|---|
| 30.10.2026 | 3.675 | 6.374 | 2.699 | 4.135 |
| 23.10.2026 | 4.854 | 6.374 | 1.520 | 4.408 |
| 16.10.2026 | 3.442 | 5.758 | 2.316 | 4.087 |
| 9.10.2026 | 4.570 | 6.049 | 1.479 | 4.046 |
| 2.10.2026 | 4.765 | 6.840 | 2.075 | 4.112 |
| 25.09.2026 | 3.570 | 5.698 | 2.128 | 3.775 |
| 18.09.2026 | 3.281 | 5.877 | 2.596 | 4.003 |
| 11.09.2026 | 4.831 | 7.058 | 2.227 | 4.131 |
| 4.09.2026 | 3.417 | 6.824 | 3.407 | 3.940 |
| 28.08.2026 | 4.483 | 6.770 | 2.287 | 3.850 |
| 21.08.2026 | 3.792 | 6.158 | 2.366 | 3.650 |
| 14.08.2026 | 4.066 | 6.593 | 2.527 | 3.569 |
| 7.08.2026 | 3.058 | 7.339 | 4.281 | 3.391 |
| 31.07.2026 | 3.685 | 6.198 | 2.513 | 3.556 |
Tausend Barrel je Tag, EIA-Wochenwerte; Netto-Importe = Importe − Exporte (eigene Rechnung).
2. Wann exportierten die USA am meisten Rohöl, und was war am 24. April 2026 besonders?
Die Rekordwoche der Reihe seit 8.02.1991 ist die Woche zum 24.04.2026 mit 6.438 Tausend Barrel je Tag, also 6,44 Millionen; bei Importen von 5,75 Millionen Barrel je Tag waren die Vereinigten Staaten in dieser Woche netto Exporteur von 0,69 Millionen Barrel je Tag, das einzige Mal in der gesamten Wochenreihe. Die Woche zum 10.04.2026 war mit Netto-Importen von nur 66 Tausend Barrel je Tag knapp an derselben Marke vorbeigeschrammt, bei Exporten von 5,22 und Importen von 5,29 Millionen. Die fünf höchsten Exportwochen verteilen sich auf 2026 und 2023: Nach dem 24.04.2026 folgen der 29.05.2026 (5,87 Millionen), der 24.02.2023 (5,63), der 15.05.2026 (5,60) und der 8.05.2026 (5,49).
| Woche bis | Exporte (kb/d) |
|---|---|
| 24.04.2026 | 6.438 |
| 29.05.2026 | 5.874 |
| 24.02.2023 | 5.629 |
| 15.05.2026 | 5.604 |
| 8.05.2026 | 5.492 |
| 23.06.2023 | 5.338 |
| 13.10.2023 | 5.301 |
| 29.12.2023 | 5.292 |
Höchste Wochenwerte seit Beginn der EIA-Reihe im Februar 1991.
Zu dieser Rekordliste gehört eine Einschränkung: Die EIA-Wochenwerte sind Schätzungen, die im Monatsbericht nachträglich revidiert werden. Die Monatsdaten liegen in der Regel näher an der Zollstatistik, erscheinen aber mit zwei Monaten Verzug. Die zweite Nachkommastelle einer Rekordwoche sollte deshalb niemand als endgültig zitieren. Unsere Jahresmittel sind Mittel der Wochenwerte und weichen deshalb von den Jahreswerten der EIA aus Monatsdaten ab: Für 2025 ergibt unsere Rechnung 3,87 Millionen Barrel je Tag, während die EIA in ihrem Beitrag „Today in Energy“ vom 10. März 2026 aus Monatsdaten 4,0 Millionen nennt.
Die Netto-Bilanz hat ihre eigenen Rekorde. Das höchste Jahresmittel der Importe fiel ins Jahr 2005 mit 10,11 Millionen Barrel je Tag, bei Exporten von 16 Tausend; die Netto-Importe lagen damals bei 10,09 Millionen. Im Jahr 2026 sind es bisher 1,93 Millionen Barrel je Tag, ein Rückgang um 80,9 % gegenüber 2005, obwohl die Importe mit 6,17 Millionen nur mäßig gesunken sind. Der Wandel kam fast vollständig über die Exportseite.
3. Wie werden Exporte, Importe und Netto-Bilanz berechnet?
Netto-Importe = Rohölimporte − Rohölexporte, beides in Tausend Barrel je Tag aus dem Weekly Petroleum Status Report der EIA; für die Woche zum 30.10.2026: 6,37 − 3,67 = 2,70 Millionen Barrel je Tag. Ein negativer Wert bedeutet Netto-Export, wie in der Woche zum 24.04.2026 mit −688 Tausend Barrel je Tag. Das Vier-Wochen-Mittel ist das arithmetische Mittel der jeweils letzten vier Wochenwerte; Jahresmittel sind Mittel aller Wochen des Jahres, für 2026 bis zur Woche zum 30.10.2026. Wir rechnen ausschließlich mit Rohöl; Exporte von Benzin, Diesel, Kerosin und Flüssiggas, bei denen die Vereinigten Staaten seit Jahren Netto-Exporteur sind, bleiben außen vor. Die Umrechnung in Millionen Barrel je Tag teilt durch tausend; alle Rohwerte stehen im CSV in Tausend Barrel.
Die Exportreihe beginnt am 8.02.1991, die Importreihe am 5.01.1990; die Netto-Bilanz gibt es daher ab 1991. Bis zum 18.12.2015 galt in den Vereinigten Staaten ein weitgehendes Rohölexportverbot aus dem Jahr 1975, mit Ausnahmen vor allem für Kanada. Die Exporte von 0,13 Millionen Barrel je Tag im Jahresmittel 1991 und von 0,49 Millionen im Jahr 2015 sind deshalb nicht mit den Werten ab 2016 vergleichbar; die Reihe bricht am Tag der Aufhebung strukturell. Für die Jahre 2002 bis 2013 lagen die Exporte unter hundert Tausend Barrel je Tag, 2013 bei 0,05 Millionen, bevor sie 2014 mit 0,22 Millionen und 2015 mit 0,49 Millionen anzogen, noch unter dem Verbot und damit im Wesentlichen nach Kanada.
Zwei Begriffe sind zu trennen. „Netto-Exporteur von Rohöl“ bezieht sich nur auf Rohöl und war auf Wochenbasis genau einmal der Fall. „Netto-Exporteur von Erdöl und Erdölprodukten“ umfasst Rohöl plus Fertigprodukte; diese Seite trifft dazu keine Aussage, weil sie nur Rohöl rechnet. Was WTI ist und warum es als Referenz für amerikanisches Exportöl dient, steht im Lexikon unter WTI.
4. Wie wurden die USA vom größten Importeur zu einem der größten Exporteure?
Im Jahresmittel 1990 importierten die Vereinigten Staaten 6,05 Millionen Barrel Rohöl je Tag und exportierten praktisch nichts; 2026 importieren sie 6,17 Millionen und exportieren 4,24 Millionen, das 32-Fache des Jahresmittels 1991. Die Kurve der Exporte ist bis 2015 eine Nulllinie und danach eine Treppe: 0,49 Millionen im Jahr 2016, 0,98 im Jahr 2017, 1,96 im Jahr 2018, das 2,0-Fache des Vorjahres, dann 2,97 im Jahr 2019. Die Pandemie unterbrach den Anstieg kaum; 2022 brachte 3,53 Millionen, 2023 das bisherige Rekordjahr mit 4,21, 2024 4,09 und 2025 3,87 Millionen. 2026 liegt mit 4,24 Millionen bisher über allen Vorjahren.
US-Rohölexporte, Jahresmittel der Wochenwerte 1991 – 2026, Millionen Barrel je Tag
Letzter Wert (2026):
- Rohölexporte: 4,24
Quelle: EIA Weekly Petroleum Status Report, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026
Für Europa ist die zweite Hälfte dieser Treppe entscheidend. Nach dem EIA-Beitrag vom 10. März 2026 ist Europa seit 2023 das wichtigste Ziel amerikanischer Rohölexporte, auch wenn die Lieferungen dorthin 2025 um 7 % zurückgingen; die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich fielen um rund 35 %, während die Niederlande rund 80.000 Barrel je Tag mehr abnahmen als 2024. Für deutsche, österreichische und schweizerische Raffinerien ist der Weg indirekt: Sie beziehen Rohöl über Rotterdam, Wilhelmshaven, Triest und Marseille, und je mehr US-Öl dort anlandet, desto weniger hängt der Markt an Lieferungen durch die Straße von Hormus. Der Ersatz hat Grenzen: Die Rekordwoche zum 24.04.2026 war ein Ausschlag, kein neues Niveau, und ab Juli lagen die Exporte in den meisten Wochen wieder unter dem Vorkriegsmittel von 4,16 Millionen Barrel je Tag im Vier-Wochen-Mittel zum 27.02.2026.
Die Netto-Bilanz erzählt dieselbe Geschichte von der anderen Seite: Von 10,09 Millionen Barrel je Tag Netto-Importen im Jahr 2005 über 6,85 im Jahr 2015 und 3,85 im Jahr 2019 auf 2,80 im Pandemiejahr 2020 und 1,93 Millionen im Jahr 2026. Welche Länder die Vereinigten Staaten heute noch beliefern und was diese Abhängigkeit für Europa bedeutet, zeigt die Seite Ölimporte nach Herkunft; der Stand der strategischen Reserve der USA ist unter US-SPR dokumentiert.
| Jahr | Exporte (kb/d) | Importe (kb/d) | Netto-Importe (kb/d) |
|---|---|---|---|
| 2005 | 16 | 10.109 | 10.093 |
| 2006 | 21 | 10.097 | 10.076 |
| 2007 | 23 | 10.031 | 10.007 |
| 2008 | 27 | 9.796 | 9.769 |
| 2009 | 30 | 9.135 | 9.105 |
| 2010 | 33 | 9.098 | 9.065 |
| 2011 | 35 | 8.866 | 8.831 |
| 2012 | 40 | 8.652 | 8.612 |
| 2013 | 50 | 7.797 | 7.746 |
| 2014 | 224 | 7.408 | 7.184 |
| 2015 | 494 | 7.343 | 6.850 |
| 2016 | 485 | 7.899 | 7.414 |
| 2017 | 978 | 7.909 | 6.931 |
| 2018 | 1.960 | 7.849 | 5.889 |
| 2019 | 2.971 | 6.823 | 3.852 |
| 2020 | 3.079 | 5.875 | 2.796 |
| 2021 | 2.907 | 6.134 | 3.227 |
| 2022 | 3.532 | 6.302 | 2.770 |
| 2023 | 4.207 | 6.504 | 2.297 |
| 2024 | 4.091 | 6.574 | 2.484 |
| 2025 | 3.865 | 6.082 | 2.216 |
| 2026 (bis 30. Okt.) | 4.241 | 6.173 | 1.932 |
Jahresmittel der Wochenwerte.
5. Was bedeuten die US-Exporte für die Versorgung in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Exporte von 4,14 Millionen Barrel je Tag im Vier-Wochen-Mittel zum 30.10.2026 bedeuten, dass die Vereinigten Staaten 2026 zu den Lieferanten gehören, die bei Ausfällen im Golf kurzfristig zusätzliches Rohöl auf den Weltmarkt brachten; die Rekordwoche im April mit 6,44 Millionen zeigt die Obergrenze dessen, was die Terminals an der Golfküste kurzfristig verladen. Für Europa ist das eine Entlastung mit Nebenwirkungen. Amerikanisches Leichtöl ersetzt Rohöl aus dem Golf nicht eins zu eins: Es liefert bei der Verarbeitung mehr Benzin und weniger Diesel und Kerosin, also genau die Produkte, die in Europa 2026 am knappsten sind. Deshalb können die Exportrekorde die Rohölversorgung sichern und dennoch die Spannen für Diesel und Heizöl hoch lassen, wie der Diesel-Crack-Spread und die Seite Dieselknappheit Winter 2026/27 zeigen.
Dazu kommt die Preisseite. Wenn US-Öl nach Europa fließt, muss der Preis in Europa den Transport und das Risiko bezahlen; genau das bildet der Aufschlag von Brent gegenüber WTI ab, der 2026 ein Rekord-Wochenmittel erreicht hat. Je weiter er sich öffnet, desto lohnender wird der Export; als er sich im Sommer schloss, fielen auch die Exporte niedriger aus, etwa in der Woche zum 3.07.2026 (3,26 Millionen). Ein zeitlicher Zusammenhang ist das, kein Beweis der Ursache. Für Heizölkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Brent-Preis, nicht der WTI-Preis, die maßgebliche Größe; der aktuelle Stand steht auf Ölpreis heute, die langfristige Einordnung auf Ölpreis inflationsbereinigt.
Diese Seite macht keine Prognose über künftige Exportmengen oder Preise. Sie zeigt, wie viel Rohöl die Vereinigten Staaten Woche für Woche aus- und einführen, wie sich das zu jeder Woche seit 1991 verhält und wo die Rekorde liegen. Die Lagerbestände, mit denen die Exportwellen zusammenzulesen sind, stehen auf US-Öllagerbestände.
Alle Werte als CSV herunterladen (UTF-8, Rohwerte und Rechnung je Zeile, feste Adresse; CC BY 4.0 für die eigene Rechnung, Rohdaten nach den Bedingungen der Quelle)
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „US-Rohölexporte und -importe 1990–2026: Wochenwerte der EIA, Rekorde und Netto-Bilanz“, Stand 05.11.2026, https://globaloilshock.com/de/daten/us-rohoelexporte/