1. Wie tief sind die US-Destillatbestände im Vergleich zu den Vorjahren?
In der Woche zum 30.10.2026 meldete die EIA 99,3 Mio. Barrel Destillate in kommerziellen Lagern; das Mittel derselben Kalenderwoche der Jahre 2021 bis 2025 liegt nach unserer Rechnung bei 114,5 Mio. Barrel, die Spanne dieser fünf Jahre reicht von 106,8 bis 127,1 Mio. Der aktuelle Wert liegt damit nicht nur unter dem Mittel, sondern 7,5 Mio. Barrel unter dem schwächsten Wert, den diese Woche in den fünf Vorjahren hatte. Gegenüber der Vorwoche (23.10.2026: 102,8 Mio.) fielen die Bestände um 3,6 Mio. Barrel. Destillate umfassen bei der EIA Diesel und Heizöl; Kerosin wird getrennt ausgewiesen.
Die Grafik zeigt die Wochenwerte seit Anfang 2025 in Orange, das Fünf-Jahres-Mittel in Grau und die Spanne der fünf Vorjahre als graues Band. Seit Mitte Juli 2026 läuft die orange Linie durchgehend unterhalb des Bandes, mit kurzen Ausnahmen auch schon seit Mai.
US-Destillatbestände (Diesel, Heizöl), Wochenwerte 1.11.2024 – 30.10.2026, Millionen Barrel
Letzter Wert (30.10.2026):
- Aktuell: 99,3
- 5-Jahres-Mittel (gleiche Woche): 114,5
Quelle: EIA Weekly Petroleum Status Report, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026; graues Band = Spanne der fünf Vorjahre
Wie ungewöhnlich ist das? Wir haben für jede Kalenderwoche seit Beginn der Reihe im August 1982 den Bestand verglichen: Für die Woche Ende Oktober ist 99,3 Mio. Barrel der tiefste Wert der gesamten Reihe. Der absolute Tiefstand aller Wochen liegt mit 87,2 Mio. Barrel am 19.04.1996 noch darunter, fiel aber in den April, wenn die Heizsaison vorbei ist und die Lager saisonal am leersten sind. Seit dem Jahr 2000 war der tiefste Wochenwert 92,8 Mio. Barrel am 14.04.2000. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Winter waren die Lager in der Reihe noch nie so leer. Das Jahresmittel 2026 liegt bisher bei 110,9 Mio. Barrel, nach 114,6 Mio. im Jahr 2025 und 113,2 Mio. im Krisenjahr 2022; das Hoch des Jahres 2026 war 132,9 Mio. Barrel am 23.01.2026, also noch vor dem Krieg.
Zwei Einordnungen gehören dazu. Erstens: Die Aussage „tiefster Wert für diese Jahreszeit“ ist unsere eigene Rechnung aus den EIA-Wochenreihen, kein Befund der Behörde selbst; wir vergleichen jeweils dieselbe Kalenderwoche, nicht Monatsmittel. Zweitens: Die US-Destillatlager waren schon in den 2010er Jahren strukturell kleiner als in den 1980er Jahren, als der Rekordbestand von 186,0 Mio. Barrel (10.12.1982) entstand, weil die Branche heute mit knapperen Lagern arbeitet und die USA mehr Diesel exportieren. Was die Lage für Diesel und Heizöl in Europa bedeutet, ordnet Dieselknappheit im Winter 2026/27 ein; die Definition steht im Lexikon unter Dieselknappheit.
2. Wie viele Tage reichen die Destillatbestände noch?
Die Reichweite der US-Destillatbestände lag in der Woche zum 30.10.2026 bei 23,8 Tagen, gegen 29,0 Tage im Mittel derselben Woche 2021 bis 2025 (−5,2 Tage oder −17,8 %); seit Beginn der EIA-Reichweiten-Reihe im März 1991 hatte keine Woche Ende Oktober einen kleineren Wert. Die Reichweite teilt den Lagerbestand durch den durchschnittlichen täglichen Inlandsabsatz der jüngsten vier Wochen; aus 99,3 Mio. Barrel und 23,8 Tagen ergibt sich ein impliziter Absatz von rund 4,17 Mio. Barrel je Tag. Die Kennzahl fällt, wenn die Lager schrumpfen oder der Verbrauch steigt; 2026 wirkte beides.
Reichweite der US-Destillatbestände, Wochenwerte 1.11.2024 – 30.10.2026, Tage
Letzter Wert (30.10.2026):
- Aktuell: 23,8
- 5-Jahres-Mittel (gleiche Woche): 29,0
Quelle: EIA Weekly Petroleum Status Report, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026; graues Band = Spanne der fünf Vorjahre
In der Vorwoche lag die Reichweite noch bei 25,9 Tagen, am 16.01.2026 zu Jahresbeginn bei 37,4 Tagen. In der letzten Woche vor dem Krieg, zum 27.02.2026, waren es 28,8 Tage; seither sind 5,0 Tage verloren gegangen. Der tiefste Wert der gesamten Reihe ist 21,8 Tage am 21.02.2003, kurz vor dem Irakkrieg 2003 und ebenfalls am Ende einer Heizsaison; der höchste war 54,3 Tage am 5.06.2020, als die Pandemie den Dieselabsatz einbrechen ließ. Das Jahresmittel 2026 liegt bisher bei 29,0 Tagen, 2022 waren es ebenfalls 29,0 Tage, 2020 42,8 Tage.
Die Reichweite ist keine Vorhersage, wann die Lager leer sind. Raffinerien produzieren nach, Importe kommen hinzu, und ein Teil des Bestands ist unverkäuflicher Betriebsvorrat. Sie zeigt, wie dünn das Polster geworden ist. Welche Vorräte darüber hinaus in staatlichen Reserven liegen, zeigt die Seite Diesel-, Heizöl- und Kerosinvorräte; die strategische Rohölreserve der USA, die hier nicht mitgezählt ist, steht unter US-SPR.
3. Wo stehen die kommerziellen US-Rohölbestände?
Die kommerziellen Rohölbestände der USA, ohne die strategische Reserve, lagen in der Woche zum 30.10.2026 bei 409,8 Mio. Barrel, 18,6 Mio. Barrel oder −4,3 % unter dem Mittel derselben Woche 2021 bis 2025 (428,3 Mio.) und unterhalb der Fünf-Jahres-Spanne von 421,2 bis 436,8 Mio. Nach unserer Rechnung ist das der tiefste Wert für diese Kalenderwoche seit 2014. Die Rohölseite ist angespannt, aber weniger extrem als die Destillatseite (−4,3 % gegen −13,3 %).
Kommerzielle US-Rohölbestände (ohne SPR), Wochenwerte 1.11.2024 – 30.10.2026, Millionen Barrel
Letzter Wert (30.10.2026):
- Aktuell: 409,8
- 5-Jahres-Mittel (gleiche Woche): 428,3
Quelle: EIA Weekly Petroleum Status Report, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026; graues Band = Spanne der fünf Vorjahre
Der Verlauf des Jahres 2026 ist bemerkenswert. Im Frühjahr stiegen die Rohölbestände zunächst auf 465,7 Mio. Barrel (17.04.2026); das Jahrestief folgte am 24.07.2026 mit 404,5 Mio. Seit dem Hoch im April sind 56,0 Mio. Barrel abgeflossen. Dass die Bestände trotz hoher heimischer Förderung sinken, hängt mit zwei Entwicklungen zusammen, die auf anderen Seiten dieses Portals dokumentiert sind: Die Raffinerien verarbeiten so viel Rohöl wie selten, und die US-Rohölexporte haben im April 2026 eine Rekordwoche erreicht, zeitgleich mit dem Einbruch der Durchfahrten durch die Straße von Hormus. Der Preisabstand zwischen beiden Sorten steht unter Brent-WTI-Spread.
In der langen Reihe seit 1982 ist das Niveau unauffällig: Der Rekordbestand von 540,7 Mio. Barrel (19.06.2020) entstand, als die Pandemie die Nachfrage einbrechen ließ, der Tiefstand von 247,3 Mio. am 23.01.2004, als die US-Förderung vor dem Schieferölboom am Boden lag. Die Jahresmittel zeigen den Rahmen: 493,6 Mio. Barrel im Jahr 2020, 426,7 Mio. im Jahr 2025 und bisher 430,0 Mio. im Jahr 2026.
| Kennzahl | Aktuell | 5-Jahres-Mittel | Abweichung | Vor dem Krieg (27.02.) |
|---|---|---|---|---|
| Rohöl, kommerziell (Mio. bbl) | 409,8 | 428,3 | −18,6 (−4,3 %) | 439,3 |
| Destillate (Mio. bbl) | 99,3 | 114,5 | −15,3 (−13,3 %) | 120,8 |
| Destillat-Reichweite (Tage) | 23,8 | 29,0 | −5,2 (−17,8 %) | 28,8 |
| Raffinerieauslastung (%) | 94,5 | 87,8 | +6,7 (+7,7 %) | 89,2 |
Woche bis 30.10.2026; 5-Jahres-Mittel = Mittel derselben Kalenderwoche 2021–2025 (eigene Rechnung).
4. Wie hoch fahren die US-Raffinerien?
Die Auslastung der betriebsfähigen US-Raffineriekapazität lag in der Woche zum 30.10.2026 bei 94,5 %, gegen 87,8 % im Mittel derselben Woche der Jahre 2021 bis 2025 (+6,7 Punkte) und über der Fünf-Jahres-Spanne von 85,4 % bis 90,6 %. Ende Oktober ist normalerweise Herbstwartung, und die Auslastung liegt meist unter 90 %. 2026 fiel diese Pause kurz aus: Das Jahreshoch von 98,0 % am 28.08.2026 liegt nah am historischen Rekord von 100,5 % vom 28.08.1998, und 16 Wochen des Jahres lagen bei 95 % oder höher.
Auslastung der US-Raffinerien, Wochenwerte 1.11.2024 – 30.10.2026, Prozent
Letzter Wert (30.10.2026):
- Aktuell: 94,5
- 5-Jahres-Mittel (gleiche Woche): 87,8
Quelle: EIA Weekly Petroleum Status Report, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026; graues Band = Spanne der fünf Vorjahre
Die Vorwoche hatte 92,8 % gezeigt, die letzte Woche vor dem Krieg 89,2 %; das Jahrestief fiel mit 88,6 % auf den 20.02.2026, mitten in der Frühjahrswartung. Das bisherige Jahresmittel 2026 beträgt 93,5 %, nach 90,8 % im Jahr 2025 und 93,1 % im Jahr 2018, dem stärksten Jahr seit 2015 in unserer Jahrestabelle; im Pandemiejahr 2020 waren es 78,6 %. Der Tiefstwert der Reihe seit November 1990, 56,0 % am 26.02.2021, geht auf den Wintersturm in Texas zurück, der damals einen großen Teil der Golfküsten-Raffinerien vom Netz nahm.
Hohe Auslastung bei gleichzeitig fallenden Destillatlagern ist der Kern des Befunds dieser Seite. Die Raffinerien laufen nahe der technischen Grenze, und trotzdem füllen sich die Lager vor dem Winter nicht; die Reichweiten-Reihe zeigt, dass der Inlandsabsatz hoch bleibt, und die Vereinigten Staaten exportieren zugleich Destillate in großem Umfang. Was Auslastung technisch bedeutet und warum 100 % nicht erreichbar sind, erklärt das Lexikon unter Raffinerieauslastung; wie sich das in den Margen niederschlägt, zeigen der Diesel-Crack-Spread und der 3-2-1-Crack-Spread.
5. Wie haben sich die vier Kennzahlen Woche für Woche entwickelt?
Die Tabelle führt die letzten 14 Berichtswochen von der Woche zum 31.07.2026 bis zur Woche zum 30.10.2026: In diesem Zeitraum fielen die Destillatbestände von 107,2 auf 99,3 Mio. Barrel und die Reichweite von 29,9 auf 23,8 Tage, während die Rohölbestände von einem Zwischenhoch Ende September auf 409,8 Mio. nachgaben. Der Bericht erscheint mittwochs und deckt die Woche zum vorangegangenen Freitag ab. Die nächste Ausgabe deckt die folgende Woche ab.
| Woche bis | Rohöl (Mio. bbl) | Destillate (Mio. bbl) | Reichweite (Tage) | Auslastung (%) |
|---|---|---|---|---|
| 30.10.2026 | 409,8 | 99,3 | 23,8 | 94,5 |
| 23.10.2026 | 410,6 | 102,8 | 25,9 | 92,8 |
| 16.10.2026 | 412,5 | 104,3 | 26,7 | 93,4 |
| 9.10.2026 | 415,6 | 102,6 | 25,8 | 93,5 |
| 2.10.2026 | 424,1 | 105,1 | 27,9 | 92,7 |
| 25.09.2026 | 427,3 | 105,2 | 27,9 | 92,5 |
| 18.09.2026 | 426,4 | 107,4 | 29,5 | 94,0 |
| 11.09.2026 | 423,4 | 107,9 | 29,9 | 96,8 |
| 4.09.2026 | 424,1 | 106,3 | 28,6 | 97,8 |
| 28.08.2026 | 424,5 | 104,2 | 28,5 | 98,0 |
| 21.08.2026 | 428,9 | 103,4 | 27,2 | 97,4 |
| 14.08.2026 | 428,8 | 105,6 | 28,4 | 97,2 |
| 7.08.2026 | 424,4 | 107,1 | 29,3 | 96,2 |
| 31.07.2026 | 407,0 | 107,2 | 29,9 | 96,5 |
EIA Weekly Petroleum Status Report; kommerzielle Rohölbestände ohne die strategische Reserve.
Zum Rechenweg: Das Fünf-Jahres-Mittel bilden wir für jede Kalenderwoche aus den Werten derselben Woche der Jahre 2021 bis 2025, die Spanne aus deren Minimum und Maximum; die EIA veröffentlicht in ihrem Bericht ebenfalls einen Fünf-Jahres-Vergleich, der wegen der Wochenzuordnung geringfügig abweichen kann. Die Aussagen „tiefster Wert für diese Jahreszeit seit …“ vergleichen den aktuellen Wert mit derselben Kalenderwoche jedes Vorjahres der jeweiligen Reihe: Rohöl und Destillate seit August 1982, Reichweite seit März 1991, Auslastung seit November 1990. Die Rohölbestände schließen die strategische Reserve ebenso aus wie Rohöl in Pipelines zur Verladung; die Destillatbestände umfassen alle Schwefelklassen zusammen.
Diese Seite trifft keine Prognose über den Winter. Sie belegt, mit welchem Polster die USA in die Heizsaison gehen. Wie sich die knappen Lager an der Zapfsäule zeigen, steht unter US-Benzinpreis gegen Rohöl; alle Datenseiten des Portals sind unter Daten gesammelt.
Alle Werte als CSV herunterladen (UTF-8, Rohwerte und Rechnung je Zeile, feste Adresse; CC BY 4.0 für die eigene Rechnung, Rohdaten nach den Bedingungen der Quelle)
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „US-Öllagerbestände 2026: Rohöl, Destillate, Reichweite und Raffinerieauslastung gegen das 5-Jahres-Mittel“, Stand 05.11.2026, https://globaloilshock.com/de/daten/us-oellagerbestaende/