1. Wie groß ist der Abstand zwischen Brent und WTI aktuell?
Am 3.11.2026 kostete ein Barrel Brent laut EIA-Spotpreis 107,03 $ und ein Barrel WTI 99,64 $; die Differenz von 7,39 $ ist der Brent-WTI-Spread dieses Tages. Der Wert lag deutlich unter dem Monatsmittel Oktober 2026 von 21,86 $, nämlich um 14,47 $; im Oktober waren Brent im Mittel 123,93 $ und WTI 102,07 $ wert. Das Wochenmittel bis 30.10.2026 betrug 15,58 $. Ein Abstand dieser Größe ist für die Reihe ungewöhnlich: Der Oktober-Spread entsprach 17,6 % des Brent-Preises, und der letzte Tageswert liegt trotz des Rückgangs noch im 87,0. Perzentil aller Handelstage seit Mai 1987.
Die Tagesgrafik beginnt im Januar 2025. Sie zeigt, wie der Spread bis Februar 2026 in einem Band um das Vorkriegsniveau von 5,49 $ lag, im März auf 11,75 $ und im April auf 17,66 $ im Monatsmittel sprang, im Juni auf 0,83 $ zurückfiel und ab September erneut auseinanderlief. Negative Tageswerte, also WTI über Brent, gab es 2026 an 11 der 208 Handelstage, mit dem Tief von −2,45 $ am 22.06.2026.
Brent minus WTI, Tageswerte 2.01.2025 – 3.11.2026, $ je Barrel
Letzter Wert (3.11.2026):
- Brent minus WTI: 7,39 $
Quelle: EIA-Spotpreise, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026
Die zweite Grafik legt die beiden Preisreihen selbst übereinander. Sie macht sichtbar, dass der weite Spread des Herbstes 2026 nicht aus einem Einbruch des WTI stammt, sondern aus einem Brent, das stärker gestiegen ist als das Binnenland-Öl der USA. Was beide Sorten technisch unterscheidet, erklären die Lexikoneinträge Brent und WTI-Rohöl; den aktuellen Tagespreis mit Einordnung finden Sie unter Ölpreis heute.
Brent und WTI, EIA-Spotpreise, Tageswerte 2.01.2025 – 3.11.2026, $ je Barrel
Letzter Wert (3.11.2026):
- Brent: 107,03 $
- WTI: 99,64 $
Quelle: EIA-Spotpreise, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026
2. Ist der Brent-WTI-Spread 2026 ein Rekord?
Nach Wochenmitteln ja: Die Woche bis 9.10.2026 erreichte 30,56 $ und übertraf damit die Woche bis 23.09.2011 aus dem Jahr 2011 (28,33 $), das bisher höchste Wochenmittel der Reihe; nach Tageswerten und Monatsmitteln nein. Der größte Tagesabstand bleibt der 20.04.2020 mit 54,34 $, als der WTI-Spotpreis am Tag vor dem Verfall des Mai-Kontrakts auf −36,98 $ fiel, während Brent bei 17,36 $ notierte; dieser Wert ist ein Artefakt der Lagerkrise in Cushing und kein Marktpreis für Nordseeöl gegen Texasöl. Lässt man ihn beiseite, führt der 2.10.2026 mit 37,62 $, vor dem 12.10.2026 (34,96 $) und dem 8.10.2026 (31,92 $); alle fünf größten Tagesabstände außerhalb des Jahres 2020 fallen in den Oktober 2026, der fünfte ist der 7.10.2026 mit 30,98 $.
Bei den Monatsmitteln hält der September 2011 mit 27,32 $ den Rekord, gefolgt vom August 2011 mit 23,93 $; der fünfte Platz, der Oktober 2012 mit 22,22 $, liegt noch über dem Oktober 2026 mit 21,86 $. Der Oktober 2026 ist damit der weiteste Monat seit 2012, aber kein Monatsrekord. Am anderen Ende der Skala steht der 22.09.2008 mit −22,18 $, als WTI in der Woche nach der Lehman-Pleite kurzzeitig weit über Brent schoss, gefolgt vom 17.09.2008 mit −11,30 $; das negativste Monatsmittel war der September 2008 mit −6,88 $, vor dem November 2004 mit −5,23 $.
| Tag | Brent − WTI ($/bbl) |
|---|---|
| 20.04.2020 | 54,34 |
| 2.10.2026 | 37,62 |
| 12.10.2026 | 34,96 |
| 8.10.2026 | 31,92 |
| 9.10.2026 | 31,30 |
Größte Tagesabstände seit 20. Mai 1987. Der 20. April 2020 ist der Tag des negativen WTI-Preises (−36,98 $, EIA-Spot).
Die Rekorde beziehen sich auf EIA-Spotpreise und unsere Tages-, Wochen- und Monatsmittel daraus; Futures-Spreads der Börsen weichen davon ab, weil dort unterschiedliche Liefermonate verglichen werden.
| Monat | Brent ($/bbl) | WTI ($/bbl) | Brent − WTI |
|---|---|---|---|
| Oktober 2026 | 123,93 | 102,07 | 21,86 |
| September 2026 | 114,62 | 97,31 | 17,31 |
| August 2026 | 91,08 | 83,74 | 7,34 |
| Juli 2026 | 84,44 | 80,46 | 3,99 |
| Juni 2026 | 85,63 | 84,81 | 0,83 |
| Mai 2026 | 107,14 | 101,73 | 5,41 |
| April 2026 | 117,29 | 99,63 | 17,66 |
| März 2026 | 103,13 | 91,38 | 11,75 |
| Februar 2026 | 70,89 | 64,51 | 6,38 |
| Januar 2026 | 66,59 | 60,04 | 6,55 |
| Dezember 2025 | 62,54 | 58,04 | 4,51 |
| November 2025 | 63,77 | 60,06 | 3,71 |
| Oktober 2025 | 64,56 | 60,89 | 3,67 |
Monatsmittel der EIA-Tageswerte, eigene Rechnung.
3. Welche Phasen hat der Brent-WTI-Spread seit 1987 durchlaufen?
Von Mai 1987 bis Ende 2010 lag WTI im Mittel 1,29 $ über Brent (Spread −1,29 $); 2011 bis 2014 drehte sich das Verhältnis auf einen Brent-Aufschlag von 12,48 $, 2015 bis 2025 pendelte er sich bei 4,05 $ ein, und 2026 liegt er bisher bei 9,99 $. Die erste Phase entspricht der Lehrbuchlogik: WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent, liefert mehr Benzin je Barrel und wurde deshalb mit einem kleinen Aufschlag gehandelt. Der Jahresdurchschnitt 2004, −3,21 $, zeigt, wie groß dieser Aufschlag werden konnte.
Brent minus WTI (EIA-Spot), Monatsmittel Mai 1987 – Okt. 2026, $ je Barrel
Letzter Wert (Oktober 2026):
- Brent minus WTI: 21,86 $
Quelle: EIA-Spotpreise, eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026
Die zweite Phase begann 2011 mit dem Schieferölboom. Rohöl aus dem Bakken und dem Permian strömte nach Cushing in Oklahoma, dem Lieferpunkt des WTI-Kontrakts, schneller als Pipelines es zur Küste bringen konnten; WTI wurde zum eingeschlossenen Binnenpreis. Hinzu kam das US-Exportverbot für Rohöl, das die Überschüsse im Land hielt. 2011 lag der Spread im Jahresmittel bei 16,62 $, 2012 bei 17,61 $. Mit neuen Pipelines zur Golfküste und der Aufhebung des Exportverbots im Dezember 2015 schloss sich die Lücke: 2016 betrug der Jahresdurchschnitt nur noch 0,40 $. Danach bestimmten Exportkapazität und Frachtkosten einen moderaten Brent-Aufschlag, etwa 7,34 $ im Jahr 2019 und 3,58 $ im Jahr 2025. Wie stark die USA inzwischen exportieren, zeigt US-Rohölexporte.
Die vierte Phase ist das Kriegsjahr 2026. Der Spread begann das Jahr bei 6,55 $ im Januar, sprang nach dem 28. Februar auf 11,75 $ im März und 17,66 $ im April, als Brent im Mittel 117,29 $ und WTI 99,63 $ kostete, fiel im Juni auf 0,83 $ zurück und weitete sich im September auf 17,31 $ und im Oktober auf 21,86 $. Im Jahresmittel steht 2026 bisher bei 9,99 $; höher lag ein Jahreswert zuletzt 2013 mit 10,58 $.
| Jahr | Brent − WTI, Mittel ($/bbl) |
|---|---|
| 2005 | -2,12 |
| 2006 | -0,92 |
| 2007 | 0,16 |
| 2008 | -2,73 |
| 2009 | -0,22 |
| 2010 | 0,13 |
| 2011 | 16,62 |
| 2012 | 17,61 |
| 2013 | 10,58 |
| 2014 | 5,75 |
| 2015 | 3,71 |
| 2016 | 0,40 |
| 2017 | 3,37 |
| 2018 | 6,12 |
| 2019 | 7,34 |
| 2020 | 2,49 |
| 2021 | 2,72 |
| 2022 | 6,03 |
| 2023 | 4,89 |
| 2024 | 3,93 |
| 2025 | 3,58 |
| 2026 (bis 3. Nov.) | 9,99 |
4. Warum ist Brent 2026 so viel teurer als WTI?
Die Datenreihe zeigt, dass der Brent-Aufschlag von 21,86 $ im Oktober 2026 aus einem Anstieg des Brent-Preises entstand, nicht aus einem Verfall des WTI; warum der Markt seewärts gehandeltes Öl so viel höher bewertet als Öl im amerikanischen Binnenland, erklärt die Reihe selbst nicht. Zwei Lesarten stehen nebeneinander. Die erste betont den Seetransport: Brent ist die Referenz für Rohöl, das per Tanker gehandelt wird, und seit der Einschränkung der Durchfahrt durch die Straße von Hormus Ende Februar 2026 tragen Fracht, Versicherung und Umwege die Kosten des Risikos; wer Öl auf dem Wasser kauft, zahlt dafür einen Aufschlag. WTI dagegen wird in Cushing geliefert, weit von jeder Seeroute, aus einer Förderung, die den Krieg nicht unmittelbar spürt. Die Durchfahrtszahlen stehen auf Hormus: Schiffsdurchfahrten, die Hintergründe unter Straße von Hormus.
Die zweite Lesart betont die Grenzen des amerikanischen Exportsystems. Die USA können nur so viel Rohöl verschiffen, wie Pipelines und Häfen an der Golfküste durchlassen; ist diese Kapazität ausgelastet, kann zusätzliches Öl den Weltmarktpreis nicht einholen und bleibt im Land billiger. Nach dieser Sicht ist der Spread weniger ein Risikoaufschlag auf Brent als ein Abschlag auf WTI, der Exporte maximal anreizt; Freigaben aus der strategischen Reserve würden nach dieser Sicht in dieselbe Richtung wirken, siehe US-Ölreserve SPR. Beide Erklärungen schließen sich nicht aus, und die Reihe kann nicht entscheiden, welcher Anteil auf welche Ursache entfällt.
Für europäische Verbraucher ist Brent die maßgebliche Sorte. Raffinerien in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaufen Rohöl zu Preisen, die sich an Brent und verwandten Seesorten orientieren, nicht an WTI. Ein weiter Spread bedeutet deshalb, dass Schlagzeilen über den WTI-Preis das europäische Kostenniveau unterzeichnen; die Umrechnung des Brent-Preises in Euro und Franken, je Barrel und je Liter, finden Sie auf Ölpreis in Euro und Franken. Der Spread wirkt auch auf Produktmargen: Der Diesel-Crack-Spread und der Kerosin-Crack-Spread fallen gegen Brent gerechnet um den Spread kleiner aus als gegen WTI.
5. Wie wird der Brent-WTI-Spread berechnet und was zeigt er nicht?
Brent-WTI-Spread = Brent-Spotpreis (Europe, FOB) in Dollar je Barrel − WTI-Spotpreis (Cushing, Oklahoma) in Dollar je Barrel, beide aus der Tagesreihe der EIA; für den 3.11.2026 ergibt 107,03 $ − 99,64 $ = 7,39 $. Wochenwerte sind Mittel der Handelstage bis Freitag, Monatswerte Mittel der Handelstage des Monats; der Oktober-Spread von 21,86 $ ist die Differenz der Monatsmittel beider Preise (123,93 $ − 102,07 $ = 21,86 $) und zugleich das Mittel der Tagesdifferenzen. Die Reihe beginnt am 20.05.1987, dem ersten Tag, für den die EIA beide Spotpreise ausweist.
Was die Zahl nicht zeigt: Sie vergleicht Spotpreise für sofortige Lieferung, keine Terminkontrakte. Der an den Börsen zitierte Spread stellt den ICE-Brent-Future dem NYMEX-WTI-Future gegenüber, oft mit unterschiedlichen Liefermonaten, und kann an einzelnen Tagen mehrere Dollar von unserem Wert abweichen; die Rolle der Terminkurve erläutert Contango und Backwardation. Der Spread sagt auch nichts über das absolute Preisniveau; wie teuer Öl inflationsbereinigt im Vergleich zu 1980 oder 2008 ist, zeigt Ölpreis inflationsbereinigt, und welche Schocks die Reihe bisher prägten, Ölschocks im Vergleich.
Diese Seite stellt keine Prognose, weder für den Spread noch für die Preise. Sie dokumentiert, wie weit Brent und WTI an jedem Handelstag seit 1987 auseinanderlagen, und sie wird mit jeder Ergänzung der EIA-Spotpreisreihe fortgeschrieben. Szenarien einer Wiederöffnung der Straße von Hormus behandelt Hormus-Öffnung: Was passiert mit den Preisen.
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Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Brent-WTI-Spread 2026: Tageswerte seit 1987, Rekorde und Phasen“, Stand 05.11.2026, https://globaloilshock.com/de/daten/brent-wti-spread/