1. Wie teuer ist Öl heute, wenn man die Inflation herausrechnet?
Im Oktober 2026 lag Brent im Monatsmittel bei 123,93 $ und WTI bei 102,07 $ je Barrel; weil der US-Verbraucherpreisindex für Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht ist, deflationieren wir diesen Monat mit dem CPI von September 2026, der reale Wert in Dollar von September 2026 ist also identisch mit dem nominalen. Nominal gehört der Oktober 2026 mit 123,93 $ auf Rang vier der Brent-Monate seit Mai 1987, nur Juli 2008 (132,72 $), Juni 2008 (132,32 $) und März 2012 (125,45 $) lagen höher. Real, also in Kaufkraft von heute, taucht 2026 in der Rekordliste nicht auf; dort führt Juni 2008 mit 204,63 $, gefolgt von weiteren Monaten des Jahres 2008 sowie April 2011 (184,98 $) und März 2012 (184,39 $).
Für Sie als Leser in Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt ein zweiter Schritt dazu, die Umrechnung in Euro oder Franken; sie steht auf der Seite Ölpreis in Euro und Franken. Hier geht es ausschließlich um die Kaufkraft des Dollars.
WTI je Barrel, nominal und in Dollar von September 2026, Monatswerte Jan. 1947 – Okt. 2026
Letzter Wert (Oktober 2026):
- Inflationsbereinigt (Dollar von September 2026): 102,07 $
- Nominal: 102,07 $
Quelle: FRED (WTISPLC, CPIAUCSL), eigene Rechnung Global Oil Shock, Stand 05.11.2026
Die Grafik zeigt die ganze WTI-Reihe seit Januar 1947. Die graue Linie ist der nominale Preis, wie ihn die Zeitungen des jeweiligen Jahres druckten; die orange Linie rechnet jeden Monat in Dollar von September 2026 um. Je weiter man zurückgeht, desto weiter klaffen beide auseinander: Im Januar 1947 kostete das Barrel WTI 1,62 $, in heutiger Kaufkraft sind das 25,36 $, also das 15,7-Fache. Erst für die jüngsten Jahre fallen beide Linien fast zusammen, weil der Preisindex dann nahe an der Basis September 2026 liegt.
2. Wann war Öl real am teuersten, und wo steht 2026 im Vergleich?
Der real teuerste Monat der gesamten Reihe ist Juni 2008 mit WTI bei 207,12 $ in Dollar von September 2026, gefolgt von Juli 2008 mit 204,90 $; der Rekordmonat der zweiten Ölkrise, April 1980 mit 164,20 $, liegt in der realen Rangliste erst auf Platz acht. Dass 2008 vor 1980 steht, liegt an der Inflation der 1980er- und 1990er-Jahre: Der Faktor, mit dem ein Dollar von April 1980 in einen Dollar von September 2026 umgerechnet wird, beträgt 4,16; für Juni 2008 sind es 1,55, für Juni 2022 nur noch 1,14. Der nominale Preis von 39,50 $ im April 1980 mal 4,16 ergibt 164,32 Dollar und damit den Wert in der Tabelle, bis auf eine Rundungsdifferenz.
| Rang | Monat | WTI real ($/bbl, Dollar von September 2026) |
|---|---|---|
| 1 | Juni 2008 | 207,12 |
| 2 | Juli 2008 | 204,90 |
| 3 | Mai 2008 | 195,94 |
| 4 | August 2008 | 179,32 |
| 5 | April 2008 | 176,95 |
| 6 | März 2008 | 166,32 |
| 7 | April 2011 | 165,14 |
| 8 | April 1980 | 164,20 |
Monatswerte, deflationiert mit dem US-Verbraucherpreisindex CPI-U (saisonbereinigt, FRED CPIAUCSL); WTI seit Januar 1947, Brent seit Mai 1987. Eigene Rechnung.
Für Brent, das für europäische Raffinerien maßgebliche Rohöl, sieht die Liste ähnlich aus, nur dass die Jahre 2011 und 2012 stärker vertreten sind: Juni 2008 führt mit 204,63 $, dann folgen April 2011 mit 184,98 $ und März 2012 mit 184,39 $. In jener Phase lag Brent wegen des Cushing-Engpasses deutlich über WTI, was die Seite Brent-WTI-Spread im Detail zeigt. Das Jahresmittel 2011 erreichte für Brent real 166,34 $, mehr als jedes andere Jahr seit Mai 1987.
| Rang | Monat | BRENT real ($/bbl, Dollar von September 2026) |
|---|---|---|
| 1 | Juni 2008 | 204,63 |
| 2 | Juli 2008 | 203,79 |
| 3 | Mai 2008 | 191,90 |
| 4 | April 2011 | 184,98 |
| 5 | März 2012 | 184,39 |
| 6 | Februar 2012 | 175,76 |
| 7 | April 2012 | 175,72 |
| 8 | Juli 2011 | 174,52 |
Monatswerte, deflationiert mit dem US-Verbraucherpreisindex CPI-U (saisonbereinigt, FRED CPIAUCSL); WTI seit Januar 1947, Brent seit Mai 1987. Eigene Rechnung.
Und 2026? Der bisherige Höchstmonat Oktober 2026 liegt bei 123,93 $, Brent real. Das Hoch von 2008 war damit um den Faktor 1,65 höher. Auch das Hoch von Juni 2022 mit 139,91 $ ist real nicht erreicht, obwohl der nominale Brent-Preis damals mit 122,71 $ unter dem heutigen lag; der Unterschied von 15,98 $ ist allein die Inflation zwischen 2022 und September 2026. Für WTI ist die Lücke zur Spitze vom Juni 2008 mit 105,05 $ noch größer. Die Perzentil-Einordnung relativiert das Bild in die andere Richtung: Der aktuelle WTI-Wert liegt am 84,2. Perzentil aller Monate seit Januar 1947. Auf die Jahre seit 1990 beschränkt sind es das 76,2. Perzentil, bei Brent das 85,9. Perzentil.
Zwei Grenzen der Methode: Alle Rekorde beziehen sich auf Monatsmittel, nicht auf Tagesspitzen, die 2008 wie 2026 darüber lagen. Und die WTI-Werte bis 1983 sind „posted prices“, also Listenpreise der Abnehmer, keine Spotkurse eines liquiden Marktes.
3. Wie wird der Ölpreis inflationsbereinigt berechnet?
Realer Preis = nominaler Monatspreis × (CPI von September 2026 ÷ CPI des jeweiligen Monats), mit dem CPI-U des US Bureau of Labor Statistics (saisonbereinigt, FRED-Reihe CPIAUCSL), dessen Wert für September 2026 336,298 beträgt. Für den April 1980 heißt das: 39,50 $ × 4,16 = 164,32 Dollar, im CSV mit ungerundeten Faktoren 164,20 $. Wir verwenden den US-Index, weil Rohöl in Dollar gehandelt wird und der Dollar seine Kaufkraft in den Vereinigten Staaten verliert, nicht in Frankfurt oder Zürich.
Drei Besonderheiten der Datenlage sind offen zu benennen. Der CPI für Oktober 2025 fehlt in der FRED-Reihe, weil der Stillstand der US-Bundesverwaltung die Erhebung ausfallen ließ; wir interpolieren diesen Monat linear zwischen September und November 2025. Der CPI für Oktober 2026 liegt noch nicht vor, deshalb wird dieser Monat mit dem Index von September 2026 deflationiert, sein realer Wert ist daher vorläufig und fällt mit dem nächsten CPI-Termin geringfügig. Und die WTI-Reihe WTISPLC beginnt im Januar 1946, unsere reale Reihe im Januar 1947, weil der saisonbereinigte CPI erst ab 1947 vorliegt. Für Brent gibt es bei FRED erst ab Mai 1987 eine Monatsreihe; für 1973 und 1980 müssen wir daher WTI heranziehen, was die Tabelle der Episoden ausweist.
Die Wahl des Basismonats ändert nichts an den Verhältnissen, nur an der Zahl auf der Achse. Was ein Ölschock begrifflich ist und wie Ökonomen ihn messen, erläutert das Lexikon unter Ölschock; die beiden Referenzsorten sind unter Brent und WTI erklärt.
4. Wie schneidet 2026 gegen die Ölkrisen 1973, 1980, 2008 und 2022 ab?
Zwischen September 1973 (32,07 $ real) und Januar 1974 (72,65 $) stieg der WTI-Preis auf das 2,27-Fache; 2026 stieg Brent von 70,89 $ im Februar auf 123,93 $ im Oktober 2026, das 1,75-Fache, bei einem viel höheren Ausgangsniveau. Der Schock von 1973 war in Prozent gemessen der heftigste der Reihe, in Dollar von September 2026 aber der niedrigste: Selbst der Januar 1974 blieb mit 72,65 $ unter dem Jahresmittel 2026 von 87,63 $. Nominal waren es damals 4,31 $ vor und 10,11 $ nach dem Embargo. In der Bundesrepublik führte die Regierung nach dem Energiesicherungsgesetz vier Fahrverbots-Sonntage ein, den ersten am 25. November 1973, dazu vorübergehende Tempolimits von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung in ihrem Rückblick vom 25. November 2013 festhält.
| Episode | Monat | Nominal ($/bbl) | Real ($/bbl, Dollar von September 2026) |
|---|---|---|---|
| Vor dem Embargo 1973 (WTI) | September 1973 | 4,31 | 32,07 |
| Embargo 1973/74 (WTI) | Januar 1974 | 10,11 | 72,65 |
| Zweite Ölkrise 1979/80 (WTI) | April 1980 | 39,50 | 164,20 |
| Tief 1998 (WTI) | Dezember 1998 | 11,28 | 23,07 |
| Hoch 2008 (Brent) | Juni 2008 | 132,32 | 204,63 |
| Hoch 2011–2014 (Brent) | April 2011 | 123,26 | 184,98 |
| Tief Corona 2020 (WTI) | April 2020 | 16,55 | 21,74 |
| Hoch 2022 (Brent) | Juni 2022 | 122,71 | 139,91 |
| Hoch 2026 (bisher) (Brent) | Oktober 2026 | 123,93 | 123,93 |
Monatswerte; eigene Rechnung mit CPI-U. Vor Mai 1987 gibt es keine Brent-Monatsreihe bei FRED, daher WTI.
Die zweite Ölkrise 1979/80 hielt länger an: Das Jahresmittel 1980 lag real bei 152,67 $, höher als jedes Jahresmittel danach außer 2008 (155,25 $) . Es folgte der lange Abstieg bis zum Dezember 1998 mit 23,07 $ real, dem zweitniedrigsten Monat der Reihe nach dem April 2020 (21,74 $). 2008 kippte der Anstieg innerhalb weniger Monate: Juni 2008 mit 207,12 $ war der Gipfel, das Jahresmittel blieb mit 155,25 $ weit darunter. 2022 brachte der russische Angriff auf die Ukraine Brent im Juni 2022 auf 139,91 $ real; das Jahresmittel 2022 lag für Brent bei 115,90 $.
2026 reiht sich bisher so ein: Jahresmittel Brent real 97,37 $ (Januar bis Oktober), WTI 87,63 $, gegenüber 72,16 $ und 68,36 $ im Jahr 2025, ein Anstieg um 28,2 % bei WTI. Der Verlauf hatte zwei Wellen, die erste mit 117,29 $ im April, die zweite mit 114,16 $ im September und 123,93 $ im Oktober, dazwischen eine Beruhigung auf 85,40 $ im Juni. Wie es dazu kam, zeigt die Durchfahrtsstatistik auf Hormus: Schiffsdurchfahrten; die Gegenüberstellung der Krisen nach Dauer, Preisanstieg und Auslöser steht auf Ölschocks im Vergleich.
| Jahr | WTI real ($/bbl) | Brent real ($/bbl) |
|---|---|---|
| 2000 | 59,15 | 55,68 |
| 2001 | 49,26 | 46,45 |
| 2002 | 48,76 | 46,65 |
| 2003 | 56,92 | 52,79 |
| 2004 | 73,70 | 67,99 |
| 2005 | 97,15 | 93,63 |
| 2006 | 110,28 | 108,68 |
| 2007 | 117,16 | 117,34 |
| 2008 | 155,25 | 151,01 |
| 2009 | 96,53 | 96,23 |
| 2010 | 122,47 | 122,59 |
| 2011 | 142,18 | 166,34 |
| 2012 | 138,01 | 163,55 |
| 2013 | 141,37 | 156,83 |
| 2014 | 132,49 | 140,69 |
| 2015 | 69,10 | 74,30 |
| 2016 | 60,40 | 60,97 |
| 2017 | 69,80 | 74,39 |
| 2018 | 86,98 | 95,17 |
| 2019 | 74,95 | 84,66 |
| 2020 | 50,90 | 54,19 |
| 2021 | 84,23 | 87,58 |
| 2022 | 109,02 | 115,90 |
| 2023 | 85,67 | 91,01 |
| 2024 | 82,09 | 86,36 |
| 2025 | 68,36 | 72,16 |
| 2026 (Jan.–Okt.) | 87,63 | 97,37 |
Jahresmittel der realen Monatswerte in Dollar von September 2026.
5. Was bedeutet der reale Ölpreis für Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Real liegt der Ölpreis im Oktober 2026 um den Faktor 1,30 über dem Mittel der Jahre 1990 bis 2025 (78,59 $) und um den Faktor 1,59 über dem Mittel seit 1946 (64,25 $); das ist teuer, aber in der Nachkriegsgeschichte nicht beispiellos. Wer 1980 oder 2008 Auto fuhr und mit Öl heizte, hat in Kaufkraft gerechnet höhere Rohölpreise erlebt als heute. Anders ist 2026 der Abstand zwischen Rohöl und Fertigprodukt: Diesel und Heizöl haben sich 2026 stärker vom Rohöl gelöst als in früheren Krisen, wie die Seite Heizölpreis-Entwicklung Deutschland und die Datenseite zum Diesel-Crack-Spread zeigen.
Für Österreich und die Schweiz gilt die Umrechnung ebenso, ergänzt um den Franken, der 2026 wie 2022 einen Teil des Dollaranstiegs abgefedert hat. Wer den aktuellen Tageskurs sucht, findet ihn auf Ölpreis heute; wie viel vom Rohölpreis an der Zapfsäule und im Heizöltank ankommt, erklärt die Methodikseite zum Pass-through-Effekt. Die Reihe seit Januar 1947 zeigt vor allem eines: lange Phasen um 52,22 $ real, unterbrochen von wenigen Jahren weit darüber.
Diese Seite macht keine Preisprognose. Sie zeigt, was ein Barrel in heutiger Kaufkraft kostet und was es in jeder Krise seit 1947 gekostet hat. Für Szenarien verweisen wir auf Ölpreis-Prognose 2027.
Alle Werte als CSV herunterladen (UTF-8, Rohwerte und Rechnung je Zeile, feste Adresse; CC BY 4.0 für die eigene Rechnung, Rohdaten nach den Bedingungen der Quelle)
Zitiervorschlag: Global Oil Shock (Jörg Dässler), „Ölpreis inflationsbereinigt 1947–2026: WTI und Brent in Dollar von September 2026“, Stand 05.11.2026, https://globaloilshock.com/de/daten/oelpreis-inflationsbereinigt/