1. Die kurze Antwort
Raffinerieauslastung ist der Anteil der tatsächlich verarbeiteten Rohölmenge an der technisch verfügbaren Kapazität einer Raffinerie, ausgedrückt in Prozent, und in den USA lag dieser Wert in der Woche zum 11.09.2026 bei 96,8 %, ein Prozentpunkt niedriger als in der Vorwoche (EIA, zitiert nach thevaultreport.com, 11.09.2026). Das ist keine Gewinnkennzahl: Wie viel eine Raffinerie an der verarbeiteten Menge verdient, zeigt die Raffineriemarge, ein separater Bestandseintrag.
Ein Wert nahe 97 % bedeutet, dass fast die gesamte vorhandene Kapazität läuft und kaum Reserve bleibt, falls eine Großanlage ausfällt. Mansfield Energy beschrieb die US-Auslastung am 02.09.2026 entsprechend als "in den mittleren 90ern, nahe 96 %" mit "sehr wenig Reservekapazität".
2. Wie die Zahl entsteht und wer sie berechnet
In den USA veröffentlicht die EIA die Auslastung wöchentlich im Weekly Petroleum Status Report, berechnet als tatsächlicher Rohöldurchsatz geteilt durch die operable Kapazität, also die technisch betriebsbereite Verarbeitungskapazität aller US-Raffinerien. Die operable US-Kapazität liegt 2026 bei rund 18,2 Mio. bbl/Tag; wie viel davon tatsächlich läuft, meldet die Behörde jede Woche neu.
In Europa gibt es keine vergleichbare, einheitliche Prozentzahl. Anbieter wie Kpler, Euroilstock und der Argus/Platts Refinery News Roundup berichten die Auslastung meist über Durchsatzmengen in Mio. bbl/Tag, monatlich oder quartalsweise, nicht als wöchentliche Prozentzahl wie die EIA. Diese Seite schätzt eine solche europäische Prozentzahl deshalb bewusst nicht, sondern nennt nur die vorhandenen Durchsatzmengen mit Datum.
Die verarbeitete Rohölmenge sagt zudem nichts darüber, wie viel Diesel oder Heizöl am Ende herauskommt; das hängt von der Anlagenkonfiguration ab und ist Thema unseres Eintrags zu den Mitteldestillaten.
3. Die Zahlen im Überblick
Die folgende Tabelle trennt die US-Wochenzahl der EIA von den europäischen Durchsatzmengen, weil beide unterschiedlich gemessen und veröffentlicht werden.
| Kennzahl | Wert | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|
| US-Raffinerieauslastung | 96,8 %, −1,0 Pp ggü. Vorwoche | Woche zum 11.09.2026 | EIA via thevaultreport.com |
| Operable US-Kapazität | rund 18,2 Mio. bbl/Tag | Stand 2026 | EIA |
| Globale Raffineriedurchsätze, Höchststand | 81,4 Mio. bbl/Tag, +960.000 bbl/Tag ggü. Juli, −4,2 Mio. bbl/Tag ggü. Vorjahr | August 2026 | IEA Oil Market Report, 11.09.2026 |
| IEA-Prognose Gesamtjahr 2026 | Rückgang um 2,6 Mio. bbl/Tag auf 81,5 Mio. bbl/Tag | Prognose, 11.09.2026 | IEA Oil Market Report |
| Europäische Raffinerieläufe, Jahresschnitt 2026 | rund 12,2 Mio. bbl/Tag, +130.000 bbl/Tag ggü. Vorjahr | 2026 | Kpler |
| Europa, erwartetes Q4 2026 | rund 12,45 Mio. bbl/Tag ggü. 11,93 Mio. bbl/Tag in Q4 2025, Fünfjahres-Q4-Schnitt rund 11,4 Mio. bbl/Tag | Q4 2026 erwartet | Kpler |
Eine einheitliche, datierte Prozentzahl für die europäische Auslastung gibt es in diesen Quellen nicht; nur die genannten Durchsatzmengen sind belegt, und diese Seite rechnet daraus keine eigene Prozentzahl.
4. Warum 97 % im Herbst riskanter ist als im Frühjahr
Eine US-Auslastung im mittleren bis oberen 90er-Prozentbereich gilt in der Branche als eng, weil kaum Reserve bleibt, wenn eine Großanlage ungeplant ausfällt, und genau in diese Phase fällt die Herbst-Wartungssaison, die "turnaround season". In der Wartungssaison legen Raffinerien planmäßig Anlagen für Inspektion und Reparatur still, was die Auslastung saisonal senkt. Bleibt der Wert wie aktuell trotzdem nahe 97 %, heißt das, dass parallel zu den geplanten Stillständen kaum ungenutzte Kapazität übrig ist, um einen ungeplanten Ausfall aufzufangen.
Damit unterscheidet sich die Lage 2026 von einer ruhigen Wartungssaison, in der geplante und ungeplante Ausfälle sich eher abfedern lassen. Kpler beschreibt den europäischen Wartungszyklus 2026 zum Vergleich als "relativ leicht" mit "wenig Verschiebungen trotz der geopolitischen Lage", während die US-Zahl selbst laut Mansfield Energy "sehr wenig Reservekapazität" zeigt. Diese enge US-Lage trifft auf eine Versorgungslage, die unser Eintrag zur Dieselknappheit mit den aktuellen Lagerdaten beschreibt.
5. Was das für deine Heizölbestellung im Herbst bedeutet
Eine hohe Auslastung in der Wartungssaison bedeutet für dich vor allem eines: weniger Puffer im System, falls irgendwo eine Anlage ungeplant ausfällt, und das kann sich in längeren Lieferfristen für deine Heizölbestellung zeigen, bevor es sich im Literpreis zeigt. Die Behörde meldet die US-Zahl wöchentlich, du musst sie also nicht selbst schätzen, sondern kannst sie über die Zeit verfolgen; steigt sie wieder deutlich, sinkt der Puffer weiter, fällt sie, entspannt sich die Lage etwas.
Konkret heißt das für eine Bestellung im Herbst 2026: Die Auslastungsquote sagt nichts über die Preisrichtung und ist damit kein Grund, zu bestellen oder abzuwarten. Sie betrifft die Liefersicherheit in der herbstlichen Wartungssaison, in der Lieferzeiten länger als sonst ausfallen können, und gehört deshalb in die Frage, wie viel Vorlauf du dir lässt, nicht in die Frage, an welchem Tag du kaufst. Wie flexibel eine kleinere Teilmenge dabei ist, erklärt unser Eintrag zur Teilbefüllung. Wie lange ein vorhandener Bestand noch reicht, zeigt die Kennzahl in unserem Eintrag zur Lagerreichweite in Tagen. Eine Einordnung speziell für Deutschland liefert unsere Seite Heizöl jetzt kaufen oder warten.
Mit deinen eigenen Verbrauchszahlen rechnest du im Heizungsvergleichsrechner durch, was ein höherer oder niedrigerer Literpreis für deine Jahresrechnung bedeuten würde.
Rechne mit deinem eigenen Verbrauch, statt nur die Prozentzahl zu beobachten.
Zum Heizungsvergleichsrechner6. Was die Zahl nicht bedeutet
Raffinerieauslastung ist nicht die Raffineriemarge und auch nicht der Crack-Spread, obwohl alle drei Begriffe oft in einem Satz genannt werden. Die Auslastung sagt nur, wie viel der vorhandenen Kapazität läuft; wie viel eine Raffinerie dabei verdient, zeigt unser Eintrag zur Raffineriemarge. Die konkrete Messgröße für diese Marge, die Differenz zwischen Produktpreis und Rohölpreis, erklärt unser Eintrag zum Crack-Spread.
Ein zweiter häufiger Fehler ist, den Wert einer einzelnen Woche für den ganzen Trend zu halten. Die EIA veröffentlicht diese Zahl jede Woche, ein Wert wie die 96,8 % zur Woche zum 11.09.2026 ist deshalb ein einzelner Punkt auf einer Reihe, die sich von Woche zu Woche bewegt, kein feststehendes Niveau; prüfe immer, zu welcher Woche ein Wert gehört, bevor du ihn mit einem anderen vergleichst. Und weil für Europa keine einheitliche Prozentzahl vorliegt, sollte niemand aus den Kpler-Durchsatzmengen in Mio. bbl/Tag eine eigene europäische Auslastungs-Prozentzahl herleiten; das wäre eine Schätzung, die diese Seite bewusst nicht vornimmt.