Lagebild · Hormuz und die Preise

Iran droht Schiffen in der ganzen Region: Was das für Öl, Sprit, Heizöl und Gas bedeutet

Archivierter Stand vom 11.10.2026. Die aktuelle Fassung mit den neuesten Zahlen steht unter Hormuz und die Preise: Angriffe jetzt auch im Golf.

Tanker in der Straße von Hormuz, Karte der Meerenge zwischen Iran und Oman

Die Angriffe auf Handelsschiffe reichen inzwischen weit über die Straße von Hormuz hinaus. Am Abend des 7. Oktober meldete die britische UKMTO einen Tanker, der rund 51 Seemeilen nördlich von Katar von mehreren Geschossen getroffen wurde, mit Opfern unter der Besatzung (UKMTO via Middle East Eye); am 9. Oktober traf ein Geschoss den Supertanker Gem No.2 rund 13 Seemeilen westlich von Al Jazeera in den Emiraten, der Brand ist gelöscht (UKMTO via Reuters); einen Urheber nennt die UKMTO in beiden Fällen nicht. Die Marine der Revolutionsgarden erklärte am selben Tag, ihr Vorgehen gegen Schiffe auf nicht genehmigten Routen sei nicht mehr auf die Meerenge beschränkt, solche Schiffe würden in der gesamten Region verfolgt (Tasnim, Press TV). Eine Erklärung, der ganze Persische Golf sei gesperrt, gibt es nicht: Die Revolutionsgarden beanspruchen die Kontrolle über die Meerenge und drohen Schiffen, die sich ihren Routen nicht unterwerfen; die gemeinsame Lagestelle JMIC stufte am 4. Oktober die Bedrohung in der Meerenge als „schwer“ ein, im übrigen Golf als „mittel“ (JMIC). Die US-Streitkräfte nannten Irans Schließungsbehauptungen am 7. Oktober „falsch“ (CENTCOM via IranWire). Präsident Trump schrieb am 8. Oktober, die USA würden Iran vor den Kongresswahlen am 3. November nicht angreifen, die Blockade der iranischen Häfen bleibe aber in Kraft (ABC News). Brent schloss am 8. Oktober bei 104,28 Dollar, 4,1 Prozent höher (Bloomberg via Rigzone).

1. Was Iran angeboten hat und warum Washington ablehnt

Stand 9. Oktober: Der Gesprächskanal besteht, ein Abschluss ist nicht in Sicht, und beide Seiten setzen auf Druck. Parlamentspräsident Ghalibaf sagte am 4. Oktober, die Meerenge bleibe geschlossen, bis sieben iranische Bedingungen erfüllt seien; deren Wortlaut ist nicht veröffentlicht (Arab News). Präsident Pezeshkian nannte Verhandlungen mit Washington am 5. Oktober „zwecklos“: Jedes Mal, wenn Iran an den Verhandlungstisch komme, werde ihm sofort Krieg aufgezwungen. Außenminister Araghchi hatte am 4. Oktober die Tür mit dem Satz offen gehalten, nur Verhandlungen auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Fairness könnten den Konflikt beenden (Al Jazeera, 7. Oktober). Auf US-Seite verlangt Vizepräsident JD Vance eine „bedeutende“ Verringerung der iranischen Anreicherungskapazität statt bloßer Zusagen; Fachleute sehen darin ein mögliches Zeichen, dass Washington von der früheren Forderung abrückt, ganz auf Anreicherung zu verzichten. Außenminister Rubio sagte, Iran habe die Kontrolle über die Meerenge vollständig verloren (Al Jazeera). Am 8. Oktober schrieb Präsident Trump, die USA würden Iran „at any time prior to the Midterm Elections“ am 3. November nicht angreifen; die Gespräche seien produktiv, die Blockade bleibe „in full force and effect“ (ABC News). Zuvor hatten Berichte, Washington habe die Pläne für mögliche Angriffe vor den Wahlen fertiggestellt, ohne endgültige Entscheidung, den Ölpreis getrieben (investingLive, 8. Oktober).

Der Plan kam in zwei Stufen. Am 22. September sagte ein ranghoher iranischer Vertreter gegenüber Reuters, Iran könne die Meerenge binnen sieben Tagen öffnen, wenn die USA den militärischen Druck senken und die Blockade aufheben (Israel Hayom nach Reuters). Am 25. September legte Außenminister Abbas Araghchi bei der UN-Generalversammlung den ausgearbeiteten Fahrplan vor: Freigabe eingefrorener iranischer Gelder, Aufhebung der Ölsanktionen, Ende der Seeblockade; diese Schritte seien in vier bis fünf Tagen machbar, am siebten Tag würden die Meerenge geöffnet und die Schlussverhandlungen aufgenommen (Al Jazeera). Nach CBS News gehörte auch eine Waffenruhe an allen Fronten der Region einschließlich des Libanon dazu; vermittelt wurde über Katar, Oman und die Vereinten Nationen.

Präsident Trump lehnte am 26. September vor Reportern ab: „I'm rejecting their deal“; Iran suche die Einigung nur, weil es so deutlich verliere (CBS News). Die USA hätten die Meerenge unter Kontrolle, sagte er (Times of Israel). Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat Trump Beratern gesagt, er rechne damit, die Bombardierungen nach den Kongresswahlen im November wieder aufzunehmen (zitiert von Times of Israel). Araghchi antwortete am 27. September, Iran werde von seinen Bedingungen nicht abrücken, nur eine Verhandlungslösung könne die Lage beenden, und man warte darauf, dass die Vermittler die endgültige Position der USA übermitteln (Al Jazeera, CBS News).

Stand 2. Oktober: Die Antwort liegt vor, der Abschluss nicht, und die Drohungen werden schärfer. Araghchi traf die katarischen Vermittler am 28. September in New York und erwartete die formelle US-Antwort bis Dienstag (Al Jazeera). Trump sagte am selben Tag zu Axios: „They want to make a deal, but it is not the deal that I want to make“, und bestritt jedes Zugeständnis: „I offered them NOTHING!“; ein US-Beamter nannte die indirekten Gespräche „positiv und konstruktiv“, ohne Lösung der Nuklearfrage gebe es aber keinen Deal (CBS News). Die Antwort kam am 30. September über Katar: Nach Gulf News sind sich beide Seiten über die nötigen Schritte weitgehend einig, uneins aber über die Reihenfolge, also wer zuerst geht. Irans Forderungen bleiben: Ende der Seeblockade, Aussetzung von Sanktionen, Freigabe von rund 12 Milliarden Dollar, regionale Waffenruhe einschließlich Libanon; Washington will ein Gesamtpaket mit dem Nuklearprogramm (Al Jazeera). Araghchi: „We are fully prepared for the time for the war to be resumed“ (Al Jazeera).

Seit der US-Antwort wird der Ton auf beiden Seiten schärfer. Iran drohte am 29. September: Chefunterhändler und Parlamentspräsident Ghalibaf sagte, in einer Region, in der Iran kein Öl verkaufen könne, werde auch sonst niemand Öl verkaufen, und wenn Irans Sicherheit nicht gewährleistet sei, bleibe keine Infrastruktur sicher; der Sprecher der Revolutionsgarden, Mohebbi, sagte: „Any vessel attempting to pass through sustains damage, either we strike it, or it hits a mine“ (Times of Israel). Die US-Seite hält dagegen, sie habe die Meerenge unter Kontrolle (Times of Israel, 26. September); die Revolutionsgarden nannten sie am 29. September ausdrücklich „geschlossen“ und bestritten diese Darstellung (Times of Israel). Trump sagte am 1. Oktober: „We have to make that decision: We blow them up or make a deal“ und „It's gonna end very soon, one way or the other“; ob die Bombardierung nach der Wahl am 3. November wieder aufgenommen wird, ließ er offen. Die Trägergruppe USS Theodore Roosevelt verließ am 27. September San Diego und soll Ende Oktober bis Ende November im Arabischen Meer eintreffen, zu USS George H.W. Bush und USS George Washington (Gulf News). Am 1. Oktober wurde zudem ein Tanker in der Straße von Hormuz von einem unbekannten Geschoss getroffen, es brannte, die Besatzung blieb unverletzt, ein Urheber wurde nicht genannt (UKMTO via Asharq Al-Awsat).

Damit ist das Sieben-Tage-Angebot gescheitert, der Gesprächskanal aber offen und inhaltlich enger als vor einer Woche. Beide Seiten beschreiben die Lage gegensätzlich: Washington sieht Iran unter Druck und ohne Grund für Zugeständnisse, Teheran sieht die USA am Zug. Die Vorgeschichte mahnt in beide Richtungen zur Vorsicht: Nach den gescheiterten Gesprächen in Islamabad verhängten die USA im April die Seeblockade, im Juni kam doch ein Memorandum zustande, und am 8. Juli brach die Waffenruhe wieder zusammen (Wikipedia, 2026 Strait of Hormuz campaign).

2. Was heute wirklich durch Hormuz fließt

Stand 9. Oktober: Die Angriffe reichen inzwischen tief in den Golf, eine Sperrung des ganzen Golfs ist nicht erklärt. Am Abend des 7. Oktober meldete die britische UKMTO einen Tanker, der rund 51 Seemeilen nördlich von Madinat ash Shamal in Katar von mehreren Geschossen getroffen wurde, mit Opfern unter der Besatzung (Warnung 158-26, via Middle East Eye); nach der Sicherheitsfirma Vanguard handelt es sich um die Acers unter der Flagge von Antigua und Barbuda (Seatrade Maritime). Nach Euronews war es der erste Angriff in diesem Seegebiet seit mehr als sechs Monaten. Am 8. Oktober meldete Vanguard ein Feuer auf einem Tanker rund 40 Kilometer vor Fujairah im Golf von Oman, die Ursache war unklar (Euronews). Am 9. Oktober um 10 Uhr UTC traf ein Geschoss rund 13 Seemeilen westlich von Al Jazeera in den Emiraten einen Supertanker, der Brand ist gelöscht; Schifffahrts- und Sicherheitskreise nennen die Gem No.2 unter der Flagge Panamas (Reuters). Einen Urheber nennt die UKMTO in keinem der Fälle. Am selben Tag meldete die Marine der Revolutionsgarden, sie habe den LPG-Tanker NV Sunshine auf einer nicht genehmigten Route südlich der Meerenge getroffen, und kündigte an, ihr Vorgehen gegen solche Schiffe sei nicht mehr auf die Straße von Hormuz beschränkt; sie würden in der gesamten Region verfolgt, und Firmen, die sich von den USA hätten täuschen lassen, würden mit allen ihren Schiffen sanktioniert (Tasnim, Press TV). Ob die NV Sunshine getroffen wurde, ist unabhängig nicht bestätigt; Seatrade Maritime weist darauf hin, dass iranische Stellen schon Angriffe gemeldet haben, die sich als falsch erwiesen.

Eine Erklärung, der ganze Persische Golf sei gesperrt, gibt es nicht. Die Revolutionsgarden beanspruchen die Kontrolle über die Meerenge und erklären Routen ohne ihre Genehmigung für unerlaubt (Tasnim); IRGC-Chef Ahmad Vahidi erklärte in einer am 8. Oktober veröffentlichten Botschaft zum Marinetag der Revolutionsgarden, die Sicherheit im Persischen Golf und in der Straße von Hormuz sei Sache der Region, keine Macht von außen habe das Recht, sich einzumischen (Tasnim, 9. Oktober). Die gemeinsame Lagestelle JMIC stufte am 4. Oktober die Bedrohung in der Meerenge als „schwer“ ein, im Arabischen Golf als „mittel“, mit stabilem Verkehr dort (JMIC, Update 102); diese Einstufung stammt von vor den Angriffen vor Katar und den Emiraten. Angriffe im Golf selbst sind nicht neu: Am 9. September wurden ein Bunkertanker vor Anker vor den Emiraten und ein Supertanker vor dem irakischen Al-Faw getroffen (Seatrade Maritime). Die US-Streitkräfte nannten die iranischen Schließungsbehauptungen am 7. Oktober falsch, Handelsschiffe und Energielieferungen, darunter 20 Millionen Barrel Rohöl, passierten weiter, ohne Zeitraum (CENTCOM via IranWire); Trump nannte am 8. Oktober 22 Millionen Barrel in einer einzigen Nacht, ohne Quelle (ABC News). Beide Seiten sind Konfliktpartei. Unabhängige Zahlen liegen dazwischen: Kpler nennt für die Durchfahrten allein 9,02 Millionen Barrel am Tag im Siebentageschnitt bis 3. Oktober, nach Rechnung von congress.net rund 47 Prozent unter Vorkriegsniveau; solche frischen Werte bezeichnet Kpler als vorläufige Untergrenze, die später meist deutlich nach oben korrigiert wird (Kpler Insight via congress.net, 6. Oktober), und für die Rohölexporte der Region etwa Vorkriegsniveau, weil rund 40 Prozent an der Meerenge vorbeilaufen (Kpler via Al Jazeera, 6. Oktober). Teurer wird vor allem der Transport: Die Fracht für einen Supertanker vom Golf nach China erreichte am 5. Oktober mit 1,3 Millionen Dollar am Tag einen Rekord, nach knapp 60.000 Dollar im Schnitt des Vorjahres (Baltic Exchange via Bloomberg).

Nach den Durchflusszahlen ist die Meerenge nicht dicht, aber ein Nadelöhr, und beim Rohöl ist der Durchfluss zurück: Kpler zählte am 28. September 13,5 Millionen Barrel Rohöl am Tag durch Hormuz, nach Einordnung von IBTimes das Niveau vor dem Krieg; bei Raffinerieprodukten waren es dagegen nur 677.000 Barrel am Tag im Siebentageschnitt, gegen 3,6 Millionen vor dem Krieg (Kpler via IBTimes UK, 1. Oktober). Die Zahlen haben verschiedene Basen und sind nicht gegeneinander aufzurechnen: 13,5 Millionen ist ein Tageswert für Rohöl, im Septembermittel waren es nach Kpler rund 9,72 Millionen Barrel am Tag, nach einem Tief von 2,2 Millionen im Juli (Splash247 nach Kpler, 30. September). Goldman Sachs schätzte Ende September, dass rund 23 Millionen Barrel am Tag den Nahen Osten über Hormuz und Ausweichrouten verlassen, nahe am Vorkriegsniveau (Bloomberg via Rigzone, 30. September); am 20. September nannte CENTCOM rund 10 Millionen, Iran selbst exportiere null Barrel, die Hauptfahrrinnen seien von Minen geräumt (Admiral Brad Cooper, Business Standard nach Bloomberg). Sicher ist die Durchfahrt nicht: Am 29. September meldete die britische UKMTO zwei von Projektilen getroffene Schiffe, am 1. Oktober wurde ein Tanker von einem unbekannten Geschoss getroffen, es brannte, die Besatzung blieb unverletzt, ein Urheber wurde nicht genannt (UKMTO via Gulf News und Asharq Al-Awsat). Wer die Meerenge kontrolliert, ist umstritten: Die US-Seite sagt, sie habe sie unter Kontrolle, die Revolutionsgarden nannten sie am 29. September „geschlossen“ und bestritten diese Darstellung (Times of Israel). Das Bild ist nicht einheitlich: Gulf News sprach am 30. September weiter von Rohöl, Produkten und Gas deutlich unter normal und von hohen Risikoaufschlägen der Reeder. Vor dem Krieg waren es rund 125 große Handelsschiffe täglich (Israel Hayom) und etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Handels (EnergyNow). Die Differenz ist das, was der Weltmarkt seit März durch Lagerabbau, Pipelines und höhere US-Exporte ersetzt.

Die Umgehungswege stehen selbst unter Beschuss. Die saudische Ost-West-Pipeline, die im zweiten Quartal zusammen mit der Umgehung der Emirate rund 5 Millionen Barrel täglich an Hormuz vorbeitrug (Fortune/McKinsey, 17. September), wurde Mitte September durch Drohnen stillgelegt und läuft seit Ende September wieder mit etwa halber Kapazität; in Yanbu werden wieder Tanker beladen (Reuters via The Nation, 29. September). Nach Kpler exportierte Saudi-Arabien im September rund 5,4 Millionen Barrel Rohöl am Tag nach 2,45 Millionen im August, über Yanbu gingen rund 2,65 Millionen, Richtung 3 bis 4 Millionen; die Golfstaaten kamen zusammen auf 16,33 Millionen Barrel am Tag, den höchsten Stand seit Kriegsbeginn Ende Februar, nach 19,51 Millionen im Februar (Splash247 nach Kpler, 30. September). Brent fiel am 29. September um 2,6 Prozent auf 102,59 Dollar. Am 24. September fing Saudi-Arabien sechs ballistische Raketen der Huthi ab, die auf die Provinz Taif und den Raum Yanbu zielten, den Rotmeer-Endpunkt dieser Pipeline; Brent stieg an dem Tag um 3,4 Prozent (Reuters via Investing.com). Am 26. September folgten Drohnen auf Riad und eine Rakete Richtung Khamis Muschait, alle abgefangen (Times of Israel). Die EIA rechnet in ihrem Ausblick vom 9. September mit Einschränkungen bis ins zweite Quartal 2027 (EIA STEO). Was die Meerenge für den Weltmarkt ist, erklärt der Lexikonbeitrag Straße von Hormuz.

3. Drei Szenarien nach der Ablehnung

Stand 9. Oktober: Es bleibt bei Szenario 1, der Hängepartie, aber auf See wird sie gewaltsamer. Politisch hat Trump neue Angriffe vor dem 3. November ausgeschlossen (ABC News); der Teil von Szenario 3, der Luftangriffe betrifft, fällt damit frühestens in die Zeit nach der Wahl. Auf See ist die Eskalation dagegen schon da: Die Angriffe reichen bis vor Katar und die Emirate, und die Revolutionsgarden kündigen an, Schiffe auf nicht genehmigten Routen in der gesamten Region zu verfolgen (Tasnim). Der Markt hat beides bewertet: Brent stieg am 8. Oktober um 4,1 Prozent auf 104,28 Dollar, auch wegen des Hurrikans Isaias, der nach Angaben der US-Behörde Marine Minerals Administration 62,9 Prozent der Ölförderung im US-Golf von Mexiko stilllegte; vom Tageshoch kam er noch am Donnerstag zurück, nachdem Trump seine Zusage veröffentlicht hatte (Bloomberg via Rigzone, gCaptain). Am Freitagmorgen notierte Brent bei 102,81 Dollar (HeizOel24.ch). Für Szenario 2, eine Einigung, fehlt weiter die Reihenfolge der Schritte, über die beide Seiten streiten (Al Jazeera, 7. Oktober).

Szenario 1, Hängepartie: Die Ablehnung bleibt stehen, die Vermittler arbeiten weiter, die Meerenge bleibt ein Nadelöhr: Die US-Seite nennt sie kontrolliert, die Revolutionsgarden nannten sie am 29. September „geschlossen“ (Times of Israel). Das ist der Stand vom 2. Oktober, nun mit einer US-Antwort auf dem Tisch. Die Woche nach der Ablehnung hat gezeigt, wie dieses Szenario aussieht: Brent sprang am 28. September im frühen Handel um mehr als vier Dollar und schloss nur rund ein Prozent höher bei 105,28 Dollar, weil Katar getrennte Gespräche ankündigte (investingLive); am 29. fiel er um 2,6 Prozent auf 102,59 Dollar, weil Saudi-Arabien wieder über Yanbu exportiert (Reuters via The Nation); am 30. schloss der auslaufende November-Kontrakt bei 103,53 Dollar, der Dezember-Kontrakt bei 98,03 Dollar (Bloomberg via Rigzone); am 1. Oktober sprang der Dezember-Kontrakt um 4,37 Prozent auf 102,31 Dollar, nachdem chinesische Raffinerien laut vier Insidern ihre Produktexporte außer nach Hongkong und Macau bis auf Weiteres ausgesetzt haben, ohne offizielle Bestätigung aus China (Reuters via Dawn); am 2. Oktober um 13:14 Uhr stand er bei 100,03 Dollar (HeizOel24.ch), und am Nachmittag fiel er zeitweise unter 99 Dollar (Trading Economics), nachdem die G7 beschlossen hatten, über die IEA 100 Millionen Barrel freizugeben, sofort beginnend und über vier Monate verteilt, mit einem „substanziellen“ Dieselanteil in den ersten 20 Tagen (The Irish Times, 16:25 Uhr). Die Angebotsseite drückt, die Diplomatie hält den Aufschlag, und Meldungen wie der chinesische Exportstopp oder der G7-Beschluss zur Reservefreigabe bewegen den Kurs binnen eines Tages um mehrere Dollar; Brent bleibt deutlich über dem Sommer, aber weit unter dem Monatshoch nahe 110 Dollar. Für Heizöl heißt das ein hoher Preis ohne klare Richtung: 164,57 Euro je 100 Liter in Deutschland am 2. Oktober um 12:24 Uhr (HeizOel24), 1 849 Euro je 1 000 Liter ordinaire in Frankreich am 1. Oktober (prixfioul.fr).

Szenario 2, doch noch eine Einigung: Rohöl reagiert zuerst und am stärksten. Als am 12. Juni Berichte über ein Abkommen kursierten, fiel Brent an einem Tag um 3,37 Prozent auf 87,33 Dollar (Yahoo Finance); Goldman Sachs bezifferte damals den Effekt einer um einen Monat früheren Normalisierung auf rund 10 Dollar je Barrel für Ende 2026 (Yahoo Finance, 21. Juni). Diesel und Heizöl folgen langsamer, weil die US-Destillatlager auf dem tiefsten Septemberstand seit 1982 stehen (EnergyNow) und Russland seine Dieselausfuhren bis Ende Oktober sperrt (Hydrocarbon Processing). Gas reagiert wie Öl, weil mit der Öffnung katarisches LNG zurückkäme.

Szenario 3, Eskalation: Angriffe auf Schiffe, Pipelines oder Häfen, oder neue Luftangriffe. Das Muster kennt der Markt aus dem Sommer: Nach dem Bruch der Waffenruhe am 8. Juli stieg Brent von 71,57 Dollar am 1. Juli auf 96,78 Dollar am 24. Juli; das Jahreshoch lag am 31. März bei 118,35 Dollar (Wikipedia). Treiber wäre diesmal eher Diesel als Rohöl: Die Lager sind leer, und am 26. September legten ukrainische Drohnen die Raffinerie Ilski in der Region Krasnodar still, die knapp 6,6 Millionen Tonnen Kraftstoff im Jahr erzeugt (Kyiv Independent). Das politische Risiko ist inzwischen konkret benannt: Trump ließ am 1. Oktober offen, die Angriffe nach der Wahl am 3. November wieder aufzunehmen, und ein dritter Flugzeugträger, die USS Theodore Roosevelt, soll Ende Oktober bis Ende November im Arabischen Meer eintreffen (Gulf News); Iran drohte am 29. September mit Angriffen auf Infrastruktur und Schiffe (Times of Israel), und am 1. Oktober wurde ein Tanker getroffen (UKMTO via Asharq Al-Awsat). Welches Szenario eintritt, entscheidet sich zwischen Washington, Teheran und den Vermittlern, nicht an der Börse; unsere Seite Ölpreis heute trägt den Tagesstand nach.

4. Was du jetzt tun solltest, und was nicht

Nicht auf Schlagzeilen kaufen oder verkaufen, aber zur Kenntnis nehmen, dass sich die Lage gedreht hat: Die eine Nachricht, die Heizöl kurzfristig billiger machen könnte, eine Einigung über Hormuz, ist seit Trumps Nein vom 26. September nicht vom Tisch, aber ohne Termin: Die US-Antwort vom 30. September klärt die Schritte, nicht die Reihenfolge (Gulf News). Wer unter einem Drittel Tankfüllung liegt, bestellt; Heizöl folgt dem Rohöl mit einigen Tagen Verzögerung, und Händler geben Rückgänge langsamer weiter als Anstiege (siehe Pass-through-Effekt). Wer über zwei Dritteln liegt, kann warten, wartet aber nicht mehr auf eine Frist, sondern auf Verhandlungen ohne Termin. Zur Orientierung: Heizöl kostete in Deutschland am 2. Oktober um 12:24 Uhr im Schnitt 164,57 Euro je 100 Liter bei 3.000 Litern Abnahme (HeizOel24), in Frankreich am 1. Oktober 1 849 Euro je 1 000 Liter ordinaire (prixfioul.fr). Die Regel mit allen Schwellen steht unter Heizöl jetzt kaufen oder warten.

Für Autofahrer in Deutschland gilt seit dem 1. Oktober der Tankrabatt von 14,04 Cent Energiesteuer, mit Mehrwertsteuer bis zu 16,7 Cent je Liter, unabhängig von Hormuz; für Heizöl gilt er nicht. Für Gaskunden zählt, ob sich die Lage vor dem Winter entspannt: Die deutschen Speicher standen zuletzt bei 57,7 Prozent (Bundesnetzagentur, laut ZDFheute vom 30. September); Ministerin Reiche hat Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern, wegen der andauernden geopolitischen Risiken (ZDFheute). Einzelheiten auf Gasspeicher und Winter 2026/27.

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5. Häufige Fragen zu Hormuz und den Preisen

Wird die Straße von Hormuz wieder geöffnet?
Vorerst nicht, und einen Termin gibt es nicht (Stand 9. Oktober). Parlamentspräsident Ghalibaf sagte am 4. Oktober, die Meerenge bleibe geschlossen, bis sieben iranische Bedingungen erfüllt seien; deren Wortlaut ist nicht veröffentlicht (Arab News). Washington verlangt eine bedeutende Verringerung der Urananreicherung (Vizepräsident Vance, Al Jazeera, 7. Oktober). Präsident Trump schloss am 8. Oktober Angriffe auf Iran vor den Kongresswahlen am 3. November aus und nannte die Gespräche produktiv, hält die Blockade der iranischen Häfen aber aufrecht (ABC News). Irans Sieben-Tage-Plan vom 25. September hatte er am 26. September abgelehnt (CBS News).
Ist die Straße von Hormuz gesperrt?
Nicht dicht, aber stark eingeschränkt und gefährlich. Kpler zählte im Siebentageschnitt bis 3. Oktober 9,02 Millionen Barrel am Tag allein für die Durchfahrten, nach Rechnung von congress.net rund 47 Prozent unter Vorkriegsniveau, und nennt solche frischen Werte eine vorläufige Untergrenze (Kpler Insight via congress.net, 6. Oktober); die Rohölexporte der Region liegen etwa auf Vorkriegsniveau, weil rund 40 Prozent an der Meerenge vorbeilaufen (Kpler via Al Jazeera). Die Revolutionsgarden beanspruchen die Kontrolle über die Meerenge (Tasnim, 9. Oktober), die US-Streitkräfte nennen Irans Schließungsbehauptungen falsch (CENTCOM via IranWire, 7. Oktober); beide sind Konfliktpartei. Bis zum 7. Oktober meldete die UKMTO im Oktober neun Angriffe in der Meerenge (Bloomberg via Insurance Journal).
Ist jetzt der ganze Persische Golf gesperrt?
Nein. Eine Erklärung, der gesamte Golf sei gesperrt, gibt es nicht. Die Marine der Revolutionsgarden kündigte am 9. Oktober an, Schiffe auf Routen ohne ihre Genehmigung nicht mehr nur in der Straße von Hormuz, sondern in der gesamten Region zu verfolgen; welche Gebiete gemeint sind, sagt sie nicht (Tasnim, Press TV). Tatsächlich wurden am 7. Oktober ein Tanker nördlich von Katar und am 9. Oktober ein Supertanker vor den Emiraten getroffen (UKMTO via Middle East Eye und Reuters). Die Lagestelle JMIC stufte am 4. Oktober die Bedrohung im Arabischen Golf als „mittel“ ein, in der Meerenge als „schwer“ (JMIC).
Was bedeuten die Angriffe für den Ölpreis?
Sie treiben ihn, aber nicht allein. Brent schloss am 8. Oktober bei 104,28 Dollar, 4,1 Prozent höher; als Gründe nennt Bloomberg die Angriffe auf Tanker und den Hurrikan Isaias, der im US-Golf von Mexiko einen Großteil der Förderung stilllegte (Bloomberg via Rigzone). Vom Tageshoch kam der Preis zurück, als Trump schrieb, die USA würden Iran vor dem 3. November nicht angreifen (Bloomberg via Rigzone, ABC News); am 9. Oktober um 07:02 Uhr stand Brent bei 102,81 Dollar (HeizOel24.ch). Die Fracht für Supertanker vom Golf nach China stieg am 5. Oktober auf einen Rekord von 1,3 Millionen Dollar am Tag (Baltic Exchange via Bloomberg).
Warum steigt Diesel stärker als Rohöl?
Weil Raffinerieprodukte knapp sind: Durch Hormuz laufen nach Kpler nur 677.000 Barrel Raffinerieprodukte am Tag gegen 3,6 Millionen vor dem Krieg (IBTimes UK, 1. Oktober), die US-Destillatlager stehen auf dem tiefsten Septemberstand seit 1982 (EnergyNow), und Russland hat sein Dieselexportverbot für Produzenten bis zum 31. Oktober verlängert, für Nichtproduzenten bis Januar, mit Verweis auf die Inlandsversorgung in der Erntesaison und Engpässe nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Raffinerien (The Moscow Times, 30. September). Am 26. September legten ukrainische Drohnen die südrussische Raffinerie Ilski still (Kyiv Independent).
Soll ich jetzt Heizöl bestellen?
Unter einem Drittel Tankfüllung ja. Darüber kann man warten, aber nicht mehr auf eine feste Frist: Die Öffnung binnen sieben Tagen ist seit dem 26. September vorerst abgelehnt. Heizöl folgt dem Rohöl mit einigen Tagen Verzögerung.
Warum bewegt sich der Gaspreis mit dem Ölpreis?
Weil durch Hormuz auch das katarische LNG kommt. Der TTF fiel am 22. September 2026 nach dem ersten Angebot um 3,5 Prozent auf 70,66 Euro je MWh, nach über 84 Euro eine Woche zuvor (finanzen.at).

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