Wochenbericht KW 37/2026

Ölpreis-Lage KW 37: Brent springt über 100 Dollar, die Huthis nehmen Mokha

Kursverlauf des Brent-Terminkontrakts bis zum 10.09.2026, Wochenbericht zur Ölversorgung

Die Woche vom 4. bis 10. September hat den Ölpreis aus dem Band der Sommermonate geholt. Der Terminkontrakt auf Brent schloss am 9. September erstmals seit dem 23. Juli wieder über 100 Dollar und legte am 10. September noch einmal deutlich zu. Am Roten Meer fiel die Hafenstadt Mokha an die Huthis, die Raffinerie Jizan wurde nach einem Bericht zum dritten Mal in zwei Monaten getroffen. Jede Zahl hier mit Datum und Quelle.

1. Was in dieser Woche passiert ist

Die Woche begann ruhig. Am 4. September schloss der Terminkontrakt auf Brent bei 96,28 US-Dollar, kaum verändert gegenüber dem Vortag (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).

Am 7. September berichtete OilPrice.com unter Berufung auf Brancheninformationen, die Aramco-Raffinerie Jizan im Südwesten Saudi-Arabiens sei zum dritten Mal in zwei Monaten angegriffen worden. Im August habe keine Exportladung den Hafen verlassen. Saudi-Arabien bestätigte das nicht, die Huthis hatten frühere Angriffe auf Jizan für sich reklamiert (OilPrice.com, 07.09.2026).

Am 9. September schloss Brent bei 101,21 Dollar. Das war der erste Schlusskurs über 100 Dollar seit dem 23. Juli 2026.

Am 10. September nahmen die Huthis die Hafenstadt Mokha am Roten Meer ein, nach Einschätzung mehrerer Berichte ihr weitester Geländegewinn seit Jahren (Al Jazeera, 10.09.2026; UPI, 10.09.2026). Am selben Tag stieg der Terminkontrakt um 6,3 Prozent auf 107,63 Dollar.

2. Der Sprung über 100 Dollar: was dahintersteckt

Über die Woche stieg der Terminkontrakt von 95,52 Dollar am 3. September auf 107,63 Dollar am 10. September, ein Plus von 12,7 Prozent. Der Anstieg verteilt sich ungleich: Bis zum 8. September bewegte sich der Kurs wenig, am 9. September kamen 3,4 Prozent dazu, am 10. September noch einmal 6,3 Prozent.

Ein solcher Verlauf spricht gegen eine langsame Verknappung und für eine Neubewertung des Risikos. Zwischen dem 8. und dem 10. September wurde kein ausgefallener Förderort gemeldet, wohl aber ein weiterer Treffer in Jizan und der Fall von Mokha. Der Markt hat also nicht weniger Öl eingepreist, sondern einen unsichereren Weg dafür.

Wie weit Terminmarkt und Spotmarkt dabei auseinanderlaufen, wurde in den Wochen danach noch deutlicher. Kurz gesagt zahlt der Terminmarkt für Lieferung in einigen Monaten, der Spotmarkt für Öl, das jetzt fliesst.

3. Mokha und Jizan: warum diese Woche am Roten Meer zählt

Mokha liegt an der jemenitischen Küste, nördlich der engsten Stelle des Bab al-Mandab. Wer den Hafen hält, hat eine Basis unmittelbar an der Fahrrinne. Eine förmliche Sperrung der Meerenge war damit nicht verbunden, und ein Angriff auf ein Handelsschiff in der Meerenge wurde in dieser Woche nicht gemeldet.

Jizan liegt weiter nördlich an der saudischen Küste des Roten Meeres. Nach dem Bericht vom 7. September hat die dortige Raffinerie im August keine Exportladung abgefertigt. Bestätigt ist das nicht: Saudi-Arabien äussert sich zu Schäden an Anlagen seit dem Frühjahr nur noch selten, und Angaben der Angreifer lassen sich von aussen nicht prüfen. Wir haben die Einstufung deshalb nicht verschärft, solange nur eine Quelle ohne Bestätigung vorliegt.

Zusammen ergeben beide Meldungen das Muster, das die Lage am Roten Meer seit dem Sommer prägt: nicht eine Sperrung, sondern eine wachsende Zahl von Stellen, an denen ein Schiff oder eine Anlage getroffen werden kann. Das zeigt sich weniger im Ölpreis als in der Kriegsrisikoprämie, die Versicherer für diese Fahrten verlangen.

4. 514 Schiffe: was ein Stau im Golf bedeutet

Am 10. September zählte der Datenanbieter Kpler 514 Schiffe, die im Persischen Golf festliegen. Sie sind nicht beschlagnahmt, sie kommen nur nicht wirtschaftlich hinaus: Die Straße von Hormus ist seit dem 11. Juli für den freien Handelsverkehr faktisch geschlossen, der Rest läuft in Geleitzügen.

Ein festliegendes Schiff ist doppelt teuer. Es verdient nichts, und es fehlt anderswo. Deshalb steigen Frachtraten weltweit und nicht nur auf der betroffenen Strecke. Die Charter eines Supertankers vom Golf nach China kostete in der Vorwoche rund 704.000 US-Dollar am Tag, am 5. September 2025 waren es 53.783 Dollar (Baltic Exchange, Route TD3C).

Diese Kosten stehen in keinem Ölpreis. Sie erscheinen erst, wenn das Öl ankommt, als Teil des Preises, den eine Raffinerie in Europa für ihren Rohstoff zahlt.

5. Was das für Haushalte in Europa bedeutet

Der Heizölpreis stieg in dieser Woche in allen vier beobachteten Ländern. Am 7. September kostete Heizöl in Deutschland 1.520,90 Euro je 1.000 Liter, eine Woche zuvor waren es 1.401,80 Euro. In Österreich lag der Wert bei 1.710,50 Euro (plus 6,4 Prozent), in Frankreich bei 1.792,50 Euro (plus 7,2 Prozent), in Spanien bei 1.396,20 Euro (plus 5,6 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 07.09.2026.

Der Vergleich mit dem Ölpreis zeigt, wie der Durchgriff wirkt: Brent legte in derselben Woche um 12,7 Prozent zu, der deutsche Heizölpreis um 8,5 Prozent. Ein Teil des Unterschieds sind Steuern und Abgaben, die als fester Betrag je Liter anfallen und die prozentuale Bewegung dämpfen. Ein Teil ist zeitlicher Versatz: Das Bulletin erfasst den Stand vom Montag, der Sprung am Terminmarkt fiel auf Mittwoch und Donnerstag. Er landet erst in der Folgewoche in dieser Statistik.

Gerechnet auf eine Bestellung von 3.000 Litern liegt der Unterschied zwischen dem 31. August und dem 7. September bei rund 357 Euro. Die Wochenwerte je Land stehen in der Heizölpreis-Karte, was daraus für den eigenen Haushalt folgt, rechnet der Rechner auf der Startseite aus.

6. Häufige Fragen zur Lage in KW 37

Warum ist Brent in dieser Woche so stark gestiegen?
Der Anstieg kam in zwei Schritten, am 9. September um 3,4 Prozent und am 10. September um 6,3 Prozent (Yahoo Finance, BZ=F). Eine Meldung über einen neuen Förderausfall gab es dazwischen nicht. Gemeldet wurden ein weiterer Treffer in der Raffinerie Jizan (OilPrice.com, 07.09.2026) und die Einnahme von Mokha durch die Huthis (Al Jazeera, 10.09.2026). Der Markt hat vor allem das Risiko auf dem Transportweg neu bewertet.
Ist das Bab al-Mandab jetzt gesperrt?
In dieser Woche nicht. Eine förmliche Sperrung gab es nicht, und ein Angriff auf ein Handelsschiff in der Meerenge wurde nicht gemeldet. Mit Mokha haben die Huthis aber einen Hafen unmittelbar an der Fahrrinne. Reedereien entscheiden weiter selbst, ob sie fahren, und zahlen dafür Kriegsrisikoprämien.
Warum steigt der Heizölpreis langsamer als Brent?
Steuern und Abgaben fallen als fester Betrag je Liter an und dämpfen die prozentuale Bewegung. Dazu kommt der zeitliche Versatz: Das EU-Öl-Bulletin erfasst den Stand vom Montag, der Sprung am Terminmarkt fiel auf Mittwoch und Donnerstag dieser Woche. Er zeigt sich deshalb erst in der Folgewoche.
Woher stammen die Zahlen in diesem Bericht?
Die Brent-Schlusskurse stammen aus der Tagesreihe für den Terminkontrakt BZ=F bei Yahoo Finance, die Verbraucherpreise aus dem Öl-Bulletin der Europäischen Kommission, die Frachtraten vom Baltic Exchange, die Schiffszahlen von Kpler, dazu die genannten Medienberichte. Jede Zahl steht mit Datum und Quelle.

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