1. Was in dieser Woche passiert ist
Die Woche begann ruhig. Am 4. September schloss der Terminkontrakt auf Brent bei 96,28 US-Dollar, kaum verändert gegenüber dem Vortag (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).
Am 7. September berichtete OilPrice.com unter Berufung auf Brancheninformationen, die Aramco-Raffinerie Jizan im Südwesten Saudi-Arabiens sei zum dritten Mal in zwei Monaten angegriffen worden. Im August habe keine Exportladung den Hafen verlassen. Saudi-Arabien bestätigte das nicht, die Huthis hatten frühere Angriffe auf Jizan für sich reklamiert (OilPrice.com, 07.09.2026).
Am 9. September schloss Brent bei 101,21 Dollar. Das war der erste Schlusskurs über 100 Dollar seit dem 23. Juli 2026.
Am 10. September nahmen die Huthis die Hafenstadt Mokha am Roten Meer ein, nach Einschätzung mehrerer Berichte ihr weitester Geländegewinn seit Jahren (Al Jazeera, 10.09.2026; UPI, 10.09.2026). Am selben Tag stieg der Terminkontrakt um 6,3 Prozent auf 107,63 Dollar.
2. Der Sprung über 100 Dollar: was dahintersteckt
Über die Woche stieg der Terminkontrakt von 95,52 Dollar am 3. September auf 107,63 Dollar am 10. September, ein Plus von 12,7 Prozent. Der Anstieg verteilt sich ungleich: Bis zum 8. September bewegte sich der Kurs wenig, am 9. September kamen 3,4 Prozent dazu, am 10. September noch einmal 6,3 Prozent.
Ein solcher Verlauf spricht gegen eine langsame Verknappung und für eine Neubewertung des Risikos. Zwischen dem 8. und dem 10. September wurde kein ausgefallener Förderort gemeldet, wohl aber ein weiterer Treffer in Jizan und der Fall von Mokha. Der Markt hat also nicht weniger Öl eingepreist, sondern einen unsichereren Weg dafür.
Wie weit Terminmarkt und Spotmarkt dabei auseinanderlaufen, wurde in den Wochen danach noch deutlicher. Kurz gesagt zahlt der Terminmarkt für Lieferung in einigen Monaten, der Spotmarkt für Öl, das jetzt fliesst.
3. Mokha und Jizan: warum diese Woche am Roten Meer zählt
Mokha liegt an der jemenitischen Küste, nördlich der engsten Stelle des Bab al-Mandab. Wer den Hafen hält, hat eine Basis unmittelbar an der Fahrrinne. Eine förmliche Sperrung der Meerenge war damit nicht verbunden, und ein Angriff auf ein Handelsschiff in der Meerenge wurde in dieser Woche nicht gemeldet.
Jizan liegt weiter nördlich an der saudischen Küste des Roten Meeres. Nach dem Bericht vom 7. September hat die dortige Raffinerie im August keine Exportladung abgefertigt. Bestätigt ist das nicht: Saudi-Arabien äussert sich zu Schäden an Anlagen seit dem Frühjahr nur noch selten, und Angaben der Angreifer lassen sich von aussen nicht prüfen. Wir haben die Einstufung deshalb nicht verschärft, solange nur eine Quelle ohne Bestätigung vorliegt.
Zusammen ergeben beide Meldungen das Muster, das die Lage am Roten Meer seit dem Sommer prägt: nicht eine Sperrung, sondern eine wachsende Zahl von Stellen, an denen ein Schiff oder eine Anlage getroffen werden kann. Das zeigt sich weniger im Ölpreis als in der Kriegsrisikoprämie, die Versicherer für diese Fahrten verlangen.
4. 514 Schiffe: was ein Stau im Golf bedeutet
Am 10. September zählte der Datenanbieter Kpler 514 Schiffe, die im Persischen Golf festliegen. Sie sind nicht beschlagnahmt, sie kommen nur nicht wirtschaftlich hinaus: Die Straße von Hormus ist seit dem 11. Juli für den freien Handelsverkehr faktisch geschlossen, der Rest läuft in Geleitzügen.
Ein festliegendes Schiff ist doppelt teuer. Es verdient nichts, und es fehlt anderswo. Deshalb steigen Frachtraten weltweit und nicht nur auf der betroffenen Strecke. Die Charter eines Supertankers vom Golf nach China kostete in der Vorwoche rund 704.000 US-Dollar am Tag, am 5. September 2025 waren es 53.783 Dollar (Baltic Exchange, Route TD3C).
Diese Kosten stehen in keinem Ölpreis. Sie erscheinen erst, wenn das Öl ankommt, als Teil des Preises, den eine Raffinerie in Europa für ihren Rohstoff zahlt.
5. Was das für Haushalte in Europa bedeutet
Der Heizölpreis stieg in dieser Woche in allen vier beobachteten Ländern. Am 7. September kostete Heizöl in Deutschland 1.520,90 Euro je 1.000 Liter, eine Woche zuvor waren es 1.401,80 Euro. In Österreich lag der Wert bei 1.710,50 Euro (plus 6,4 Prozent), in Frankreich bei 1.792,50 Euro (plus 7,2 Prozent), in Spanien bei 1.396,20 Euro (plus 5,6 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 07.09.2026.
Der Vergleich mit dem Ölpreis zeigt, wie der Durchgriff wirkt: Brent legte in derselben Woche um 12,7 Prozent zu, der deutsche Heizölpreis um 8,5 Prozent. Ein Teil des Unterschieds sind Steuern und Abgaben, die als fester Betrag je Liter anfallen und die prozentuale Bewegung dämpfen. Ein Teil ist zeitlicher Versatz: Das Bulletin erfasst den Stand vom Montag, der Sprung am Terminmarkt fiel auf Mittwoch und Donnerstag. Er landet erst in der Folgewoche in dieser Statistik.
Gerechnet auf eine Bestellung von 3.000 Litern liegt der Unterschied zwischen dem 31. August und dem 7. September bei rund 357 Euro. Die Wochenwerte je Land stehen in der Heizölpreis-Karte, was daraus für den eigenen Haushalt folgt, rechnet der Rechner auf der Startseite aus.