Wochenbericht KW 35/2026

Ölpreis-Lage KW 35: Der Irak verlädt erstmals außerhalb von Hormus

Kursverlauf des Brent-Terminkontrakts bis zum 27.08.2026, Wochenbericht zur Ölversorgung

In der Woche vom 21. bis 27. August hat der Irak eine Entscheidung getroffen, die mehr über die Lage sagt als jeder Preis: Die staatliche Vermarktungsgesellschaft SOMO bot Basra-Rohöl erstmals seit Kriegsbeginn zur Verladung außerhalb der Straße von Hormus an. Der Ölpreis gab in derselben Woche nach. Jede Zahl hier mit Datum und Quelle.

1. Was in dieser Woche passiert ist

Die Woche begann mit dem Höchststand: Am 21. August schloss der Terminkontrakt auf Brent bei 94,39 US-Dollar. Danach gab er nach, auf 92,17 Dollar am 24. August, 88,58 am 25. und 87,84 am 26. August. Am 27. August schloss er bei 89,70 Dollar (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).

Am 27. August bot die irakische Vermarktungsgesellschaft SOMO Basra-Rohöl zur Verladung außerhalb der Straße von Hormus an, unter anderem durch Umladen von Schiff zu Schiff vor der Küste Omans. Es war das erste Angebot dieser Art seit Kriegsbeginn (Bloomberg, 27.08.2026; Zawya, 27.08.2026).

Im Wochenbericht von AXS Marine für diese Woche standen Kriegsrisikoprämien von 7,5 bis 10 Prozent des Schiffswerts für Fahrten mit hohem Risiko. Vor dem Krieg waren rund 0,25 Prozent üblich.

2. Umladen vor Oman: was diese Entscheidung bedeutet

Der Irak exportiert den weit überwiegenden Teil seines Öls über die Terminals bei Basra am Nordende des Persischen Golfs. Von dort führt nur ein Weg hinaus, und der geht durch die Straße von Hormus.

Das Angebot, außerhalb der Meerenge zu verladen, verlagert das Risiko. Nicht der Käufer holt das Öl an einem Terminal im Golf ab, sondern der Verkäufer bringt es hinaus und übergibt es draussen, häufig durch Umladen von Schiff zu Schiff. Für Käufer entfällt damit die Fahrt durch die Meerenge und die dafür fällige Prämie.

Wirtschaftlich ist das für den Verkäufer teuer: Umladen kostet Zeit, zusätzliche Schiffe und Versicherung. Dass der Irak diesen Weg geht, ist deshalb ein belastbarer Hinweis darauf, dass die Meerenge auch für erfahrene Marktteilnehmer nicht mehr verlässlich nutzbar ist.

Wir haben die Einstufung des Punktes Basra in der Lagekarte daraufhin auf stark eingeschränkt gesetzt. Der Eintrag steht mit Datum und Quelle in der Zeitleiste der Karte.

3. Die Prämie, die im Ölpreis nicht auftaucht

Eine Kriegsrisikoprämie von 7,5 bis 10 Prozent des Schiffswerts bedeutet für einen Supertanker im Wert von 100 Millionen US-Dollar 7,5 bis 10 Millionen Dollar für eine einzelne Fahrt. Vor dem Krieg waren es bei 0,25 Prozent rund 250.000 Dollar.

Diese Kosten verteilen sich auf die Ladung. Ein Supertanker fasst rund zwei Millionen Barrel, aus 8 Millionen Dollar Prämie werden damit etwa vier Dollar je Barrel, nur für die Versicherung.

Im zitierten Ölpreis steckt das nicht. Brent ist der Preis für Rohöl an einem Lieferort, nicht der Preis für Rohöl an der Raffinerie in Europa. Die Differenz aus Fracht, Versicherung und Umweg ist der Grund, warum Verbraucherpreise in diesem Sommer stärker gestiegen sind als der Terminkontrakt.

4. Was das für Haushalte in Europa bedeutet

Am 24. August kostete Heizöl in Deutschland 1.333,10 Euro je 1.000 Liter, 0,7 Prozent weniger als eine Woche zuvor. In Österreich stieg der Wert auf 1.634,30 Euro (plus 2,1 Prozent), in Frankreich auf 1.724,30 Euro (plus 1,7 Prozent), in Spanien auf 1.347,90 Euro (plus 1,9 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 24.08.2026.

Der österreichische und der französische Wert lagen damit auf dem höchsten Stand seit Beginn dieser Krise. In Deutschland war der Stand vom 20. Juli mit 1.339,10 Euro noch etwas höher gewesen.

Was daraus für den eigenen Haushalt folgt, hängt am Verbrauch und an der Art der Wärme. Der Rechner auf der Startseite führt die aktuellen Preise mit den eigenen Verbrauchszahlen zusammen, die Wochenwerte je Land stehen in der Heizölpreis-Karte.

5. Häufige Fragen zur Lage in KW 35

Warum verlädt der Irak sein Öl außerhalb der Meerenge?
Weil Käufer die Fahrt durch die Straße von Hormus scheuen und die Versicherung dafür sehr teuer geworden ist. Beim Umladen von Schiff zu Schiff außerhalb der Meerenge trägt der Verkäufer dieses Risiko. Das kostet ihn Zeit und Geld, verschafft ihm aber wieder Abnehmer (Bloomberg, 27.08.2026).
Wie hoch ist die Kriegsrisikoprämie in Zahlen?
Für Fahrten mit hohem Risiko nannte AXS Marine in dieser Woche 7,5 bis 10 Prozent des Schiffswerts, vor dem Krieg waren rund 0,25 Prozent üblich. Bei einem Supertanker im Wert von 100 Millionen Dollar sind das 7,5 bis 10 Millionen Dollar für eine Fahrt statt rund 250.000 Dollar.
Warum steigen Verbraucherpreise stärker als der Ölpreis?
Weil im zitierten Ölpreis weder Fracht noch Versicherung noch Umwege stecken. Brent ist der Preis für Rohöl an einem Lieferort. Was eine Raffinerie in Europa tatsächlich zahlt, enthält alle diese Aufschläge, und die sind in diesem Sommer stärker gestiegen als der Rohstoff selbst.

Was heisst das für deine Kosten?

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