1. Was in dieser Woche passiert ist
Am 1. September wurde der Hafen Ust-Luga an der Ostsee zum zweiten Mal binnen drei Wochen angegriffen. Nach Angaben des Gouverneurs fing die Luftabwehr 52 Drohnen ab, ein Brand im Hafen war um 9:30 Uhr Moskauer Zeit gelöscht (The Moscow Times, 01.09.2026).
Am 2. September senkte die Panamakanalbehörde den zulässigen Tiefgang für die grössten Schiffe auf 14,63 Meter, einen Tag später die täglichen Durchfahrten von 36 auf 34. Grund war der niedrige Wasserstand im Gatunsee (The Rio Times, September 2026).
Am 3. September wurde der Streit um die Durchfahrtszahlen an der Straße von Hormus öffentlich. US-Vertreter sprachen von bis zu 40 Schiffen am Tag, der Datenanbieter Kpler zählte 5 bis 11, Lloyd’s List rund 12 (Al Jazeera, 03.09.2026).
Der Terminkontrakt auf Brent stieg über die Woche von 89,70 auf 95,52 US-Dollar (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).
2. Drei Quellen, drei Zahlen: wie das zusammenpasst
Der Unterschied zwischen 5 und 40 Schiffen am Tag ist zu gross, um ihn mit Messungenauigkeit zu erklären. Er entsteht dadurch, dass die drei Quellen verschiedene Dinge zählen und verschiedene Wege der Erhebung nutzen.
Kpler und ähnliche Anbieter werten AIS-Signale aus, also die Positionsmeldungen der Schiffe selbst. In einem Risikogebiet schalten viele Schiffe diese Meldungen ab. Eine AIS-gestützte Zählung liefert damit eine Untergrenze, nicht den tatsächlichen Verkehr.
Lloyd’s List kombiniert Schiffsdaten mit Hafen- und Maklerinformationen und kommt deshalb auf eine etwas höhere Zahl.
Die Angabe der US-Vertreter bezieht sich nach dem Bericht auf begleitete Durchfahrten in Geleitzügen, also auf einen Vorgang, den die USA selbst organisieren und deshalb vollständig kennen. Zugleich hat diese Seite ein Interesse daran, die Meerenge als benutzbar darzustellen.
Wir nennen in solchen Fällen alle Zahlen mit ihrer Quelle, statt eine davon auszuwählen. Wer sich nur auf eine verlässt, bekommt ein zu ruhiges oder ein zu dramatisches Bild.
3. Frachtraten: der Aufschlag, der im Ölpreis nicht steht
Die Charter eines Supertankers vom Persischen Golf nach China kostete in dieser Woche rund 704.000 US-Dollar am Tag. Am 5. September 2025 waren es 53.783 Dollar (Baltic Exchange, Route TD3C). Das ist etwa das Dreizehnfache.
Dazu kommt die Versicherung: 7,5 bis 10 Prozent des Schiffswerts für Fahrten mit hohem Risiko, vor dem Krieg rund 0,25 Prozent (AXS Marine, Wochenbericht KW 35/2026).
Beides zusammen erklärt eine Zahl, die in dieser Woche im Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur stand: Diesel kostete im US-Grosshandel Anfang September mehr als 200 US-Dollar je Barrel, also über 1,25 Dollar je Liter vor Steuern, 94 Prozent mehr als vor dem Krieg (IEA Oil Market Report, September 2026). Der Terminkontrakt auf Rohöl lag im selben Zeitraum rund 30 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
Wer verstehen will, warum Verbraucherpreise stärker steigen als der zitierte Ölpreis, findet die Antwort in dieser Lücke und nicht im Rohstoff selbst.
4. Panama: eine Krise, die nichts mit dem Krieg zu tun hat
Die Kürzungen am Panamakanal haben einen anderen Grund als alles andere in diesem Rückblick. Der Kanal arbeitet mit Süsswasser aus dem Gatunsee, jede Schleusung verbraucht davon eine erhebliche Menge. Fällt der Wasserstand, muss die Behörde entweder weniger Schiffe durchlassen oder den zulässigen Tiefgang senken. In dieser Woche tat sie beides.
Für den Ölmarkt zählt der Kanal vor allem als Weg für Flüssiggas und für Produkte von der US-Golfküste nach Asien. Wird er enger, fahren diese Ladungen ums Kap Hoorn oder über den Suezkanal, und beide Alternativen sind derzeit länger oder teurer als sonst.
Der Fall zeigt, warum wir in der Lagekarte Ursachen unterscheiden. Eine Dürre ist kein Angriff, sie ist aber genauso wirksam. Die Einstufung des Punktes steht mit Datum und Quelle in der Zeitleiste der Karte.
5. Was das für Haushalte in Europa bedeutet
Am 31. August kostete Heizöl in Deutschland 1.401,80 Euro je 1.000 Liter, 5,2 Prozent mehr als eine Woche zuvor. In Österreich fiel der Wert dagegen auf 1.607,10 Euro (minus 1,7 Prozent), in Frankreich auf 1.672,40 Euro (minus 3,0 Prozent), in Spanien auf 1.322,70 Euro (minus 1,9 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 31.08.2026.
Diese Spreizung ist erklärungsbedürftig, denn der Rohstoffpreis stieg für alle vier Länder gleich. In Deutschland lag der Wert eine Woche zuvor ungewöhnlich niedrig, der Anstieg holt das nach. In Österreich und Frankreich war der Stand der Vorwoche der höchste seit Beginn der Krise, dort folgte ein Rücklauf.
Auf die Zahl eines einzelnen Landes in einer einzelnen Woche lässt sich deshalb wenig gründen. Sinnvoller ist die Linie über mehrere Wochen, und die zeigt in allen vier Ländern nach oben. Die Wochenwerte stehen in der Heizölpreis-Karte.