1. Was in dieser Woche passiert ist
Die Ausgangslage: Am 8. Juli war die im Frühjahr vermittelte Waffenruhe zwischen den USA und Iran zusammengebrochen. Zwei Tage später, am 10. Juli, schloss der Terminkontrakt auf Brent noch bei 76,01 US-Dollar je Barrel (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).
Am 11. Juli erklärte die Marine der Revolutionsgarden die Straße von Hormus für geschlossen. Al Jazeera, Axios und Bloomberg berichteten übereinstimmend darüber. Die Formulierungen der iranischen Seite gingen dabei auseinander: Von einer Schliessung für alle Schiffe war ebenso die Rede wie von einer Warnung vor der Durchfahrt (Al Jazeera, 11.07.2026).
Am 13. Juli, dem ersten Handelstag danach, schloss Brent bei 83,30 Dollar, 9,6 Prozent über dem Freitagsschluss.
Am 14. Juli setzte das US-Zentralkommando CENTCOM die Blockade gegen Schiffe von und zu iranischen Häfen um 16 Uhr US-Ostküstenzeit wieder in Kraft. Iran erklärte das zugrunde liegende Memorandum daraufhin für ungültig (CENTCOM, 13.07.2026).
2. Der Ölpreis: ein Nachrichtenschock, kein Versorgungsengpass
Über die Woche stieg der Terminkontrakt von 76,01 Dollar am 10. Juli auf 84,23 Dollar am 16. Juli, ein Plus von 10,8 Prozent. Fast der gesamte Anstieg entstand am ersten Handelstag nach der Erklärung.
Das ist das Muster eines Nachrichtenschocks. Der Markt bewertet ein Risiko neu, sobald die Meldung da ist, nicht in dem Tempo, in dem sich die Versorgung tatsächlich ändert. In dieser Woche war kein einziges Förderfeld ausgefallen, gefallen war eine Ansage.
Zum Vergleich: Am 1. Juli hatte der Schlusskurs noch bei 71,57 Dollar gelegen. Binnen gut zwei Wochen sind daraus 84,23 Dollar geworden. Wie weit Terminmarkt und Spotmarkt dabei auseinanderlaufen können, zeigte sich in den folgenden Wochen noch deutlicher.
3. Sperrung und Blockade sind nicht dasselbe
Die beiden Ereignisse dieser Woche sehen ähnlich aus und wirken doch verschieden. Die Unterscheidung erklärt, warum die Zahlen aus dieser Zeit so schwer zu greifen sind.
Die iranische Erklärung vom 11. Juli richtet sich an alle Schiffe, die die Meerenge passieren wollen. Sie ist keine Verfügung, sondern eine Ansage, hinter der militärische Mittel stehen. Ob ein Schiff fährt, entscheiden am Ende Reederei und Versicherer, und der Preis dafür ist die Kriegsrisikoprämie.
Die US-Blockade vom 14. Juli richtet sich dagegen gezielt gegen Schiffe von und zu iranischen Häfen. Sie trifft vor allem den Export über die Insel Kharg, Irans wichtigsten Verladeort. Der übrige Golfverkehr ist davon nicht unmittelbar betroffen, wohl aber von der Erklärung der Revolutionsgarden.
Beides zusammen führte dazu, dass in den Wochen danach kaum belastbare Durchfahrtszahlen zu bekommen waren. Schiffe schalten in Risikogebieten ihre Transponder ab, damit unterschätzen AIS-gestützte Zählungen den Verkehr. Diesen Vorbehalt führen wir seitdem bei jeder Zahl zur Meerenge mit.
4. Was das für Haushalte in Europa bedeutet
Der Heizölpreis reagierte schneller als sonst. Am 13. Juli kostete Heizöl in Deutschland 1.248,70 Euro je 1.000 Liter, eine Woche zuvor waren es 1.163,40 Euro. In Österreich stieg der Wert auf 1.411,30 Euro (plus 8,0 Prozent), in Frankreich auf 1.505,70 Euro (plus 6,0 Prozent), in Spanien auf 1.110,70 Euro (plus 3,0 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 13.07.2026.
Das ungewöhnlich schnelle Durchschlagen hat einen Grund, der nichts mit dem Einkaufspreis zu tun hat: Nach einer Meldung wie der vom 11. Juli bestellen viele Haushalte gleichzeitig. Händler passen ihre Preise dann nicht nur an den Einkauf an, sondern auch an die Nachfrage.
Die Wochenwerte je Land stehen in der Heizölpreis-Karte, dort mit Verlauf über 52 Wochen. Was daraus für den eigenen Haushalt folgt, hängt am Verbrauch und an der Art der Wärme.