Wochenbericht KW 29/2026

Ölpreis-Lage KW 29: Hormus für geschlossen erklärt, Brent springt um 10,8 Prozent

Kursverlauf des Brent-Terminkontrakts bis zum 16.07.2026, Wochenbericht zur Ölversorgung

In der Woche vom 10. bis 16. Juli hat sich die Lage am Persischen Golf grundlegend verschoben. Nach dem Zusammenbruch der Waffenruhe erklärte die Marine der Revolutionsgarden die Straße von Hormus am 11. Juli für geschlossen, drei Tage später setzte das US-Zentralkommando seine Blockade iranischer Häfen wieder in Kraft. Der Terminkontrakt auf Brent legte in dieser Woche um 10,8 Prozent zu. Jede Zahl hier mit Datum und Quelle.

1. Was in dieser Woche passiert ist

Die Ausgangslage: Am 8. Juli war die im Frühjahr vermittelte Waffenruhe zwischen den USA und Iran zusammengebrochen. Zwei Tage später, am 10. Juli, schloss der Terminkontrakt auf Brent noch bei 76,01 US-Dollar je Barrel (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).

Am 11. Juli erklärte die Marine der Revolutionsgarden die Straße von Hormus für geschlossen. Al Jazeera, Axios und Bloomberg berichteten übereinstimmend darüber. Die Formulierungen der iranischen Seite gingen dabei auseinander: Von einer Schliessung für alle Schiffe war ebenso die Rede wie von einer Warnung vor der Durchfahrt (Al Jazeera, 11.07.2026).

Am 13. Juli, dem ersten Handelstag danach, schloss Brent bei 83,30 Dollar, 9,6 Prozent über dem Freitagsschluss.

Am 14. Juli setzte das US-Zentralkommando CENTCOM die Blockade gegen Schiffe von und zu iranischen Häfen um 16 Uhr US-Ostküstenzeit wieder in Kraft. Iran erklärte das zugrunde liegende Memorandum daraufhin für ungültig (CENTCOM, 13.07.2026).

2. Der Ölpreis: ein Nachrichtenschock, kein Versorgungsengpass

Über die Woche stieg der Terminkontrakt von 76,01 Dollar am 10. Juli auf 84,23 Dollar am 16. Juli, ein Plus von 10,8 Prozent. Fast der gesamte Anstieg entstand am ersten Handelstag nach der Erklärung.

Das ist das Muster eines Nachrichtenschocks. Der Markt bewertet ein Risiko neu, sobald die Meldung da ist, nicht in dem Tempo, in dem sich die Versorgung tatsächlich ändert. In dieser Woche war kein einziges Förderfeld ausgefallen, gefallen war eine Ansage.

Zum Vergleich: Am 1. Juli hatte der Schlusskurs noch bei 71,57 Dollar gelegen. Binnen gut zwei Wochen sind daraus 84,23 Dollar geworden. Wie weit Terminmarkt und Spotmarkt dabei auseinanderlaufen können, zeigte sich in den folgenden Wochen noch deutlicher.

3. Sperrung und Blockade sind nicht dasselbe

Die beiden Ereignisse dieser Woche sehen ähnlich aus und wirken doch verschieden. Die Unterscheidung erklärt, warum die Zahlen aus dieser Zeit so schwer zu greifen sind.

Die iranische Erklärung vom 11. Juli richtet sich an alle Schiffe, die die Meerenge passieren wollen. Sie ist keine Verfügung, sondern eine Ansage, hinter der militärische Mittel stehen. Ob ein Schiff fährt, entscheiden am Ende Reederei und Versicherer, und der Preis dafür ist die Kriegsrisikoprämie.

Die US-Blockade vom 14. Juli richtet sich dagegen gezielt gegen Schiffe von und zu iranischen Häfen. Sie trifft vor allem den Export über die Insel Kharg, Irans wichtigsten Verladeort. Der übrige Golfverkehr ist davon nicht unmittelbar betroffen, wohl aber von der Erklärung der Revolutionsgarden.

Beides zusammen führte dazu, dass in den Wochen danach kaum belastbare Durchfahrtszahlen zu bekommen waren. Schiffe schalten in Risikogebieten ihre Transponder ab, damit unterschätzen AIS-gestützte Zählungen den Verkehr. Diesen Vorbehalt führen wir seitdem bei jeder Zahl zur Meerenge mit.

4. Was das für Haushalte in Europa bedeutet

Der Heizölpreis reagierte schneller als sonst. Am 13. Juli kostete Heizöl in Deutschland 1.248,70 Euro je 1.000 Liter, eine Woche zuvor waren es 1.163,40 Euro. In Österreich stieg der Wert auf 1.411,30 Euro (plus 8,0 Prozent), in Frankreich auf 1.505,70 Euro (plus 6,0 Prozent), in Spanien auf 1.110,70 Euro (plus 3,0 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 13.07.2026.

Das ungewöhnlich schnelle Durchschlagen hat einen Grund, der nichts mit dem Einkaufspreis zu tun hat: Nach einer Meldung wie der vom 11. Juli bestellen viele Haushalte gleichzeitig. Händler passen ihre Preise dann nicht nur an den Einkauf an, sondern auch an die Nachfrage.

Die Wochenwerte je Land stehen in der Heizölpreis-Karte, dort mit Verlauf über 52 Wochen. Was daraus für den eigenen Haushalt folgt, hängt am Verbrauch und an der Art der Wärme.

5. Häufige Fragen zur Lage in KW 29

Ist die Straße von Hormus seit dem 11. Juli wirklich gesperrt?
Eine förmliche Sperrung im rechtlichen Sinn gibt es nicht. Die Marine der Revolutionsgarden hat die Meerenge für geschlossen erklärt und warnt vor der Durchfahrt (Al Jazeera, 11.07.2026). Ob ein Schiff fährt, entscheiden Reederei und Versicherer. Belastbare Durchfahrtszahlen sind seitdem schwer zu bekommen, weil Schiffe in Risikogebieten ihre Transponder abschalten.
Warum stieg der Heizölpreis in Deutschland stärker als in Spanien?
Der Anteil von Steuern und Abgaben am Endpreis ist je Land verschieden, und die Nachfrage reagiert unterschiedlich. In Deutschland ist Heizöl ein Massenprodukt für private Haushalte, eine Krisenmeldung führt dort schnell zu vielen gleichzeitigen Bestellungen. Die Wochenwerte je Land stehen im EU-Öl-Bulletin, in diesem Bericht jeweils mit Datum.
Woher stammen die Zahlen in diesem Bericht?
Die Brent-Schlusskurse stammen aus der Tagesreihe für den Terminkontrakt BZ=F bei Yahoo Finance, die Verbraucherpreise aus dem Öl-Bulletin der Europäischen Kommission, dazu die genannten Medienberichte und Mitteilungen. Jede Zahl steht mit Datum und Quelle.

Was heisst das für deine Kosten?

Du kennst jetzt die Lage dieser Woche. Rechne deine Verbrauchszahlen durch und sieh, was die aktuellen Preise für deinen Haushalt bedeuten.

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