1. Was in dieser Woche passiert ist
Am 19. Juli setzte das Caspian Pipeline Consortium die Verladung an seinem Terminal am Schwarzen Meer aus, nachdem Drohnen zwei Tanker an den Ladebojen getroffen hatten (Bloomberg, 19.07.2026). Ab dem 21. Juli nahm das Konsortium kein kasachisches Öl mehr an. Kasachstan drosselte daraufhin die Förderung (The Moscow Times, 23.07.2026).
Am 20. Juli erklärte Huthi-Sprecher Yahya Saree einen sofort geltenden Seebann gegen saudische Schifffahrt. Ein Durchsetzungsgebiet nannte er nicht, Schiffe anderer Flaggen waren ausdrücklich nicht erfasst (Al Jazeera, 20.07.2026).
Am 22. Juli meldete ein internationaler Marineverband den Einsatz von Raketen und Drohnen gegen Schiffe im südlichen Roten Meer (CNBC, 22.07.2026).
Am 23. Juli erklärten die Huthis, zwei saudische Tanker angegriffen zu haben. Brent schloss am selben Tag bei 100,69 Dollar, 7,0 Prozent über dem Vortag (Reuters, 23.07.2026).
2. Schwarzes Meer: ein zweiter Engpass kommt dazu
Bis zu dieser Woche lag der Blick fast ausschliesslich auf dem Persischen Golf. Der Stopp am CPC-Terminal hat das geändert, denn er betrifft eine Route, die mit Hormus nichts zu tun hat.
Das Caspian Pipeline Consortium bringt Rohöl aus Kasachstan quer durch Russland an die russische Schwarzmeerküste. Von dort geht es über den Bosporus ins Mittelmeer. Fällt diese Kette aus, fehlt Öl, das bisher keinen der bekannten Engpässe passieren musste.
Die Folge zeigte sich sofort in Kasachstan: Das Land drosselte seine Förderung, weil der Abfluss fehlte (The Moscow Times, 23.07.2026). Wer Öl nicht wegbringt, kann es auch nicht fördern, Lagerraum an der Quelle ist begrenzt.
Ein Engpass ist damit kein einzelner Ort mehr. Er ist eine Kette aus Leitung, Terminal, Meerenge und Zielhafen, und sie ist so belastbar wie ihr schwächstes Glied.
3. Der Ölpreis: die Rückkehr der Hundert
Der Terminkontrakt stieg von 84,23 Dollar am 16. Juli auf 100,69 Dollar am 23. Juli, ein Plus von 19,5 Prozent in einer Woche. Der Weg dorthin verlief in Stufen: 88,10 Dollar am 17. Juli, 89,22 am 20. Juli, 91,01 am 21. Juli, 94,07 am 22. Juli, dann der Sprung über die Marke.
Die runde Zahl selbst hat keine wirtschaftliche Bedeutung, wohl aber eine öffentliche. Ab hundert Dollar berichten Medien anders, und Haushalte beginnen, ihre Bestellungen vorzuziehen. Dieser Zusammenhang erklärt einen Teil der Preisbewegung beim Heizöl in den folgenden Tagen.
Bemerkenswert an dieser Woche ist die Breite der Auslöser. Zwei davon lagen ausserhalb des Persischen Golfs. Genau das unterscheidet eine Zuspitzung an einem Ort von einer Krise, die mehrere Wege gleichzeitig erfasst.
4. Was das für Haushalte in Europa bedeutet
Am 20. Juli kostete Heizöl in Deutschland 1.339,10 Euro je 1.000 Liter, eine Woche zuvor waren es 1.248,70 Euro, das sind 7,2 Prozent mehr. In Österreich lag der Wert bei 1.538,10 Euro (plus 9,0 Prozent), in Frankreich bei 1.605,30 Euro (plus 6,6 Prozent), in Spanien bei 1.196,30 Euro (plus 7,7 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 20.07.2026.
Innerhalb von zwei Wochen ist Heizöl in Deutschland damit um 15,1 Prozent teurer geworden, gerechnet vom Stand am 6. Juli. Für einen Haushalt, der 3.000 Liter bestellt, sind das rund 527 Euro Unterschied.
Wer in dieser Lage über den Zeitpunkt einer Bestellung nachdenkt, findet die Wochenwerte je Land in der Heizölpreis-Karte und die längere Linie in der Heizölpreis-Prognose für Deutschland.