Wochenbericht KW 31/2026

Ölpreis-Lage KW 31: Brent gibt 11,6 Prozent ab, eine Drohne trifft Damietta

Kursverlauf des Brent-Terminkontrakts bis zum 30.07.2026, Wochenbericht zur Ölversorgung

Die Woche vom 24. bis 30. Juli hat den Ölpreis wieder unter die Marke von 90 Dollar gebracht, und trotzdem war es keine ruhige Woche. Das Caspian Pipeline Consortium nahm die Verladung wieder auf, eine Drohne traf zwei Gasschiffe im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta, und die Huthis meldeten Angriffe auf Aramco-Anlagen. Jede Zahl hier mit Datum und Quelle.

1. Was in dieser Woche passiert ist

Am 25. Juli meldeten die Huthis Raketen- und Drohnenangriffe auf Aramco-Anlagen in Jizan und Yanbu. Satellitenaufnahmen zeigten Brände in Jizan, Riad bestätigte offiziell keine Schäden (Türkiye Today, 25.07.2026). Diese Lücke zwischen Angreiferangaben und amtlicher Bestätigung zieht sich durch den ganzen Sommer.

Am 27. Juli nahm das Caspian Pipeline Consortium die Verladung an zwei Bojen wieder auf, nach gut einer Woche Stillstand (Times of Central Asia, 2026).

Am 29. Juli traf eine Drohne zwei Gasschiffe im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta, unweit des nördlichen Endes des Suezkanals. Die USA machten Iran verantwortlich, das iranische Aussenministerium wies das zurück (Al Jazeera, 29.07.2026; CNBC, 30.07.2026).

Am 30. Juli unterbrachen erneute Angriffe die Verladung am CPC-Terminal noch einmal kurz.

2. Der Ölpreis: warum ein Rückgang keine Entwarnung ist

Der Terminkontrakt fiel von 100,69 Dollar am 23. Juli auf 89,03 Dollar am 30. Juli, ein Minus von 11,6 Prozent. Das Wochentief lag am 28. Juli bei 84,09 Dollar.

Ein solcher Rücklauf nach einem Sprung ist gewöhnlich. Wenn der befürchtete Ausfall ausbleibt, verkaufen die, die auf die Meldung hin gekauft hatten. Der Preis fällt dann, ohne dass sich an der Lage etwas verbessert hätte.

Genau das war hier der Fall. In dieser Woche kam kein Weg zurück, der vorher ausgefallen war, und mit Damietta kam ein Ort dazu, an dem vorher niemand mit Angriffen gerechnet hatte. Der Brent-Preis misst die Erwartung des Marktes, nicht den Zustand der Lieferwege.

3. Damietta: der Krieg erreicht das östliche Mittelmeer

Damietta liegt an der ägyptischen Mittelmeerküste, östlich von Alexandria und rund 70 Kilometer westlich von Port Said, wo der Suezkanal ins Mittelmeer mündet. Der Hafen ist ein Umschlagplatz für Flüssiggas und Container.

Der Treffer vom 29. Juli ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens lag der Ort bis dahin ausserhalb jeder Risikokarte: Ägypten ist keine Kriegspartei, und das östliche Mittelmeer galt als sicheres Fahrwasser. Zweitens richtete sich der Angriff gegen Gasschiffe, nicht gegen Rohöltanker. Die Verknappung erfasste damit auch den Energieträger, mit dem Europa seine Speicher füllt.

Die Zuschreibung blieb umstritten. Die USA nannten Iran als Verantwortlichen, Irans Aussenministerium bestritt das. Wir führen den Vorfall deshalb mit beiden Angaben, ohne eine davon als geklärt darzustellen.

4. Vier Länder, vier Richtungen

Diese Woche zeigt gut, warum ein einzelner nationaler Wert wenig über Europa aussagt. Am 27. Juli kostete Heizöl in Deutschland 1.314,60 Euro je 1.000 Liter und damit 1,8 Prozent weniger als eine Woche zuvor. Im selben Zeitraum stieg der Preis in Österreich auf 1.594,00 Euro (plus 3,6 Prozent), in Frankreich auf 1.691,70 Euro (plus 5,4 Prozent) und in Spanien auf 1.274,90 Euro (plus 6,6 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 27.07.2026.

Die Gründe liegen im Markt selbst. In Deutschland war die Bestellwelle der Vorwoche abgearbeitet, die Nachfrage fiel zurück. In Frankreich und Spanien wirkte der Anstieg des Rohölpreises mit dem üblichen Versatz von ein bis zwei Wochen erst jetzt. Dazu kommen unterschiedliche Steuersätze und Logistikkosten.

Wer wissen will, wie sich das im eigenen Haushalt auswirkt, findet die Werte je Land in der Heizölpreis-Karte. Der Rechner auf der Startseite führt sie mit den eigenen Verbrauchszahlen zusammen.

5. Häufige Fragen zur Lage in KW 31

Warum fällt der Ölpreis, obwohl weiter angegriffen wird?
Der Terminmarkt handelt Erwartungen. Nach einem Sprung verkaufen jene wieder, die auf die Meldung hin gekauft hatten, sobald der befürchtete Ausfall ausbleibt. Der Preis fällt dann, ohne dass sich an den Lieferwegen etwas verbessert hätte. In dieser Woche kam mit Damietta sogar ein neuer Risikoort dazu.
Wie sicher ist die Zuschreibung des Angriffs auf Damietta?
Sie ist nicht gesichert. Die USA machten Iran verantwortlich, das iranische Aussenministerium wies das zurück (Al Jazeera, 29.07.2026). Wir nennen beide Angaben und stellen keine davon als geklärt dar. Dieselbe Regel gilt für die Angriffsmeldungen der Huthis zu Jizan und Yanbu.
Warum unterscheiden sich die Heizölpreise zwischen den Ländern so stark?
Steuern und Abgaben machen je nach Land einen sehr unterschiedlichen Anteil aus, dazu kommen Transportwege, Lagerhaltung und die jeweilige Nachfrage. Deshalb kann der Preis in einer Woche in Deutschland fallen und in Frankreich gleichzeitig steigen. Die Wochenwerte je Land stehen im EU-Öl-Bulletin.

Was heisst das für deine Kosten?

Du kennst jetzt die Lage dieser Woche. Rechne deine Verbrauchszahlen durch und sieh, was die aktuellen Preise für deinen Haushalt bedeuten.

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