1. Was in dieser Woche passiert ist
Die Woche begann mit einem Rücklauf. Am 31. Juli schloss der Terminkontrakt auf Brent bei 90,12 US-Dollar, am 3. August bei 83,77 Dollar und am 4. August bei 79,36 Dollar. Das war der tiefste Schlusskurs seit dem 10. Juli, also seit dem Tag vor der Erklärung der Revolutionsgarden (Yahoo Finance, BZ=F, Tagesschluss).
Neue Ausfälle wurden in dieser Woche nicht gemeldet. Das CPC-Terminal am Schwarzen Meer verlud wieder, die saudischen Umgehungsleitungen liefen, und im Roten Meer blieb es ohne gemeldeten Angriff auf ein Handelsschiff.
Am 6. August stellte die türkische Küstensicherheit vorübergehend keine Transitgenehmigungen mehr für Fahrten zu russischen und ukrainischen Häfen aus (gCaptain, 09.08.2026). Der Schritt betraf den Weg durch Bosporus und Dardanellen, über den ein erheblicher Teil der russischen und kasachischen Ölexporte läuft.
2. Der Ölpreis: warum eine ruhige Woche billiger ist
Über die Woche fiel der Terminkontrakt von 89,03 Dollar auf 82,49 Dollar, ein Minus von 7,3 Prozent. Der Markt handelt Erwartungen, und in einer Woche ohne neue Meldung über einen Ausfall sinkt die eingepreiste Wahrscheinlichkeit weiterer Ausfälle.
Wichtig ist, was dabei gleich blieb. Die Straße von Hormus war weiterhin für den freien Handelsverkehr faktisch geschlossen, die US-Blockade iranischer Häfen galt weiter, und der Seebann der Huthis gegen saudische Schifffahrt blieb in Kraft. Der Preis fiel also nicht, weil mehr Öl floss, sondern weil in sieben Tagen nichts Neues dazukam.
Für Haushalte ist das die praktisch wichtigste Beobachtung dieses Sommers: Ruhige Wochen sind die günstigen Wochen, und sie kündigen sich nicht an.
3. Bosporus und Dardanellen: eine Genehmigung, die plötzlich zählt
Die türkischen Meerengen sind kein Nadelöhr, über das sonst viel geschrieben wird. Sie sind rechtlich seit 1936 im Vertrag von Montreux geregelt, und Handelsschiffe passieren sie in Friedenszeiten frei.
Was am 6. August geschah, war deshalb kein Eingriff in die Durchfahrt selbst, sondern in ihre Verwaltung: Transitgenehmigungen für bestimmte Ziele wurden vorerst nicht mehr erteilt. Anlass waren nach dem Bericht zunehmende Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer.
Für den Ölmarkt zählt das, weil über diesen Weg russisches Rohöl aus Noworossijsk und kasachisches Rohöl aus dem CPC-Terminal ins Mittelmeer gelangen. Zusammen mit dem CPC-Stopp aus KW 30 ergibt sich das Bild einer Route, die zweimal innerhalb von drei Wochen unterbrochen war, ohne dass ein Schuss in ihre Richtung fiel.
Die Einstufung des Punktes in der Lagekarte wechselte in dieser Woche auf gestört und drei Tage später wieder zurück. Beides steht mit Datum in der Zeitleiste der Karte.
4. Heizöl: die Pause, die Deutschland genutzt hat
Am 3. August kostete Heizöl in Deutschland 1.285,20 Euro je 1.000 Liter, 2,2 Prozent weniger als eine Woche zuvor. Es war die zweite Woche in Folge mit fallendem Preis und, wie sich später zeigte, der günstigste Stand des ganzen Sommers nach der Sperrung. In Österreich stieg der Wert dagegen auf 1.615,90 Euro (plus 1,4 Prozent), in Frankreich auf 1.711,90 Euro (plus 1,2 Prozent), in Spanien fiel er leicht auf 1.270,00 Euro (minus 0,4 Prozent). Alle Werte aus dem EU-Öl-Bulletin, Stand 03.08.2026.
Wer in dieser Woche bestellt hat, hat im Rückblick gut gekauft. Das lässt sich allerdings nur im Rückblick sagen, und genau darin liegt die Schwierigkeit jeder Kaufentscheidung: Der günstigste Zeitpunkt ist erst erkennbar, wenn er vorbei ist. Sinnvoll ist deshalb weniger das Raten des Tiefpunkts als das Aufteilen einer Bestellung auf mehrere Termine.
Die Wochenwerte je Land stehen in der Heizölpreis-Karte, die längere Linie in der Heizölpreis-Prognose für Deutschland.