1. Die kurze Antwort für österreichische Haushalte
Heizöl in Österreich kostet aktuell 191,45 Euro pro 100 Liter (heizoel24.at, abgerufen 18.09.2026), rund 9,85 Euro mehr als vor einer Woche und 40,14 Euro mehr als vor drei Monaten. Eine exakte Prognose für November oder Jänner kann dir niemand seriös geben, das gilt für uns genauso. Was sich aber belastbar sagen lässt: Der Rohölpreis, der den größten Teil deines Literpreises ausmacht, steht wegen der weiter aktiven Hormuz-Krise strukturell höher als noch im Frühsommer.
Für den Winter gibt es keine Punktprognose, sondern drei Szenarien, von einer Entspannung bei einer Hormuz-Öffnung bis zu einem weiteren Anstieg bei einer Eskalation, siehe Abschnitt Prognose.
Für die Bestellentscheidung gilt die einfache Tankstand-Drittel-Regel: Ist dein Tank unter einem Drittel voll, bestelle jetzt. Zwischen einem und zwei Dritteln teile die Bestellung auf zwei Zeitpunkte auf. Über zwei Dritteln kannst du abwarten, solltest aber mehrere Angebote vorliegen haben, um schnell reagieren zu können. Die Details zur Preisstruktur, den Steuern und den Szenarien findest du in den folgenden Abschnitten.
2. Wo der Preis aktuell steht
Kurz gesagt: Der Preis ist seit Anfang September deutlich gestiegen und schwankt je nach Abfragezeitpunkt. Laut heizoel24.at lag der Heizölpreis für eine 3.000-Liter-Lieferung am 10.09.2026 bei 175,19 Euro pro 100 Liter, das entspricht rund 1,75 Euro pro Liter. Bei einer erneuten Abfrage am 12.09.2026 stand der Wert bei 181,41 Euro pro 100 Liter, mit 0,00 Prozent Veränderung zum unmittelbaren Vortag, aber plus 9,85 Euro pro 100 Liter zur Vorwoche und plus 40,14 Euro pro 100 Liter gegenüber dem Stand vor drei Monaten.
Die beiden Abfragen stammen von unterschiedlichen Tagen und weisen deshalb auch unterschiedliche Wochen- und Dreimonatsvergleiche aus, das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, wie schnell sich der Markt in diesen Wochen bewegt. Eine 3.000-Liter-Tankfüllung liegt damit aktuell bei rund 5.440 Euro (181,41 Euro pro 100 Liter mal 30). Zum Vergleich: In Deutschland lag der Heizölpreis am 10.09.2026 bei 155,0 Cent pro Liter, ein direkter Vergleich ist wegen unterschiedlicher Erhebungsmethodik und Einheiten aber nur eingeschränkt möglich. Die deutsche Entwicklung, inklusive Saisonalität und Risikofaktoren, ist auf unserer Heizölpreis-Prognose für Deutschland im Detail beschrieben.
Passend zum Thema
3. Warum der Preis gerade so stark steigt
Kurz gesagt: Der wichtigste Treiber ist der Weltmarktpreis für Rohöl, angetrieben durch die weiter aktive Straße-von-Hormuz-Krise. Brent, die globale Referenzsorte, notierte am 18.09.2026 bei 103,60 US-Dollar pro Barrel. Das Heizöl ist ein Raffinerie-Produkt aus Rohöl, deshalb folgt sein Preis dem Brent-Kurs mit Verzögerung.
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz liegt laut Kpler und Lloyd's List weiterhin bei nur rund 12 bis 13 Transits pro Tag, gegenüber rund 100 Schiffen vor der Krise. Die US-Energiebehörde EIA erwartet im September-Kurzfristbericht (STEO, veröffentlicht 09.09.2026) für 2026 im Jahresmittel einen Brent-Preis von 91 US-Dollar pro Barrel, für 2027 von 74 Dollar. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihrem Oil Market Report vom 11.09.2026 von einer um 2,5 Millionen Barrel pro Tag niedrigeren Weltölnachfrage 2026 gegenüber dem Vorjahr aus, ein Rückgang in einer Größenordnung, die sie mit den vier größten Nachfrageschocks der vergangenen 60 Jahre vergleicht, und erwartet zugleich Rekord-Dieselpreise.
4. Steuern und Abgaben auf Heizöl in Österreich
Kurz gesagt: Neben dem Rohölpreis zahlst du in Österreich eine fixe Mineralölsteuer und eine CO2-Komponente, ein flächendeckender Klimabonus existiert 2026 nicht mehr. Die Mineralölsteuer auf als Heizstoff verwendetes Gasöl liegt laut Mineralölsteuergesetz 2022 (§ 3 Abs. 1 Z 7 lit. a) bei 60 Euro je 1.000 Kilogramm. Sie ist eine fixe Bundesabgabe und unabhängig vom tagesaktuellen Rohölpreis.
Dazu kommt die CO2-Bepreisung über das Nationale Emissionszertifikatehandelsgesetz (NEHG 2022). Laut Bundesministerium für Finanzen ist der Fixpreis für nationale Emissionszertifikate für die Jahre 2025 bis 2027 bei 55 Euro pro Tonne CO2 festgelegt, nach 45 Euro in 2024. Das NEHG bleibt laut BMF in Kraft, bis die Marktphase des EU-weiten Emissionshandelssystems EU-ETS 2 beginnt, die für den 1. Jänner 2028 vorgesehen ist. Eine genaue Umrechnung dieses Fixpreises auf den Heizöl-Literpreis geben die verfügbaren Quellen nicht her, deshalb wird sie hier nicht beziffert.
Beim Klimabonus ist die Lage eindeutig: Laut dem offiziellen österreichischen Portal onlinesicherheit.gv.at wurde der Klimabonus 2025 offiziell eingestellt, eine Auszahlung an alle Bürgerinnen und Bürger ist nicht mehr vorgesehen. Die Behörde warnt zugleich vor Phishing-Versuchen, die mit einem angeblichen Comeback des Klimabonus werben. Wer prüfen will, ob steuerliche Entlastungen beim Heizungstausch möglich sind, findet Details auf unserer Seite zum Sanierungsbonus für den Heizungstausch.
5. Saisonalität: Wann ist Heizöl in Österreich normalerweise günstiger?
Kurz gesagt: Statistisch sind die Monate Mai bis Juli günstiger, 2026 wurde dieses Muster durch die Hormuz-Krise aber überlagert. In den Jahren 2020 bis 2025 lag der durchschnittliche Heizölpreis in den Monaten Mai bis Juli typisch 10 bis 20 Prozent unter dem Niveau der Wintermonate November bis Februar. Der Grund ist strukturell: Im Sommer wird kaum geheizt, Lager werden für den Winter wieder aufgebaut, Raffinerien haben mehr Spielraum.
Diese Saisonalität ist ein statistisches Muster, kein Garant. Geopolitische Schocks wie die seit Monaten aktive Straße-von-Hormuz-Krise können das Muster jederzeit durchbrechen, wie es 2026 der Fall ist. Wer auf das Saisontief setzt, sollte deshalb die aktuelle Lage an der Straße von Hormuz und die OPEC-Förderpolitik im Blick behalten, statt sich blind auf den Kalender zu verlassen.
6. Prognose bis zum Winter: eine Bandbreite statt einer Zahl
Wichtig vorab: Die folgenden drei Szenarien sind keine Vorhersage, sondern eine Einordnung der plausiblen Richtungen auf Basis der aktuellen Lage, Stand 18. September 2026. Niemand kann seriös sagen, wo der Preis im Jänner steht.
- Szenario Hormuz-Öffnung: Käme es zu einer diplomatischen Lösung und einer spürbaren Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormuz, würde der Risikoaufschlag im Brent-Preis rasch abgebaut, mit entsprechend sinkendem Heizöl-Literpreis. Ein solches Ereignis ist bislang nicht eingetreten.
- Szenario Status quo: Bleibt die Lage wie derzeit, mit rund 12 bis 13 Hormuz-Transits pro Tag und Brent nahe der aktuellen Marke, bewegt sich der österreichische Heizölpreis in etwa auf dem jetzt erreichten, deutlich erhöhten Niveau, mit den üblichen Tagesschwankungen.
- Szenario weitere Eskalation: Eine weitere Zuspitzung, etwa durch zusätzliche Angriffe auf Öl-Infrastruktur oder eine physische Beeinträchtigung wichtiger Schifffahrtsrouten, könnte Brent und damit den Heizölpreis innerhalb weniger Tage nochmals deutlich nach oben treiben. Wie stark, lässt sich seriös nicht beziffern.
Die EIA geht in ihrem September-STEO von einem Brent-Jahresmittel von 91 US-Dollar für 2026 aus, unter der Annahme allmählich steigender Hormuz-Flüsse und alternativer Exportrouten bis Jahresende. Der aktuelle Spotpreis von 103,60 Dollar liegt bereits über diesem Jahresmittel, was zeigt, wie schnell sich die Lage seit der Veröffentlichung Anfang September weiterbewegt hat.
7. Bestellstrategie und langfristige Alternative
Kurz gesagt: Richte die Bestellung nach deinem Tankstand, nicht nach einer vermuteten Preisrichtung. Ist dein Tank unter einem Drittel voll, bestelle jetzt, unabhängig davon, ob der Preis in den nächsten Wochen noch steigt oder fällt, das Risiko eines leeren Tanks im Winter wiegt schwerer als ein paar Euro Preisdifferenz. Zwischen einem und zwei Dritteln kannst du die Bestellung aufteilen, um das Timing-Risiko zu streuen. Über zwei Dritteln kannst du abwarten, solltest aber mehrere Angebote von Händlern eingeholt haben, um im Bedarfsfall sofort reagieren zu können.
Wer langfristig aus der Abhängigkeit von Rohölpreis und CO2-Bepreisung aussteigen will, für den ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe eine strukturelle Alternative. Details zu Fördervoraussetzungen und Antragsweg in Österreich findest du auf unserer Seite Wärmepumpen-Förderung Österreich. Wer stattdessen die bestehende Ölheizung saniert oder tauscht, findet die passenden Fördermöglichkeiten auf der Seite zum Sanierungsbonus für den Heizungstausch. Beide Wege sind unabhängig von der kurzfristigen Preisentwicklung sinnvoll, weil sie dich von der beschriebenen Kombination aus Rohölpreis-Risiko und steigender CO2-Komponente entkoppeln.
Rechne aus, was eine weitere Brent-Bewegung für deinen Haushalt bedeutet.
Zum Rechner