1. Die kurze Antwort
Die ARA-Notierung ist das tägliche Markt-Assessment für Diesel und Heizöl im Handelsraum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen, und sie liegt zwischen dem Brent-Rohölpreis und deiner Rechnung, weshalb sich eine Brent-Schlagzeile und eine Heizölrechnung um sehr unterschiedliche Beträge bewegen können. Preisagenturen bewerten das fertige Produkt, nicht das Rohöl, aus dem es entsteht, und Händler in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden kalkulieren ihre Lieferungen auf Basis dieser Notierung.
Am 17.09.2026 schloss Brent bei 104,07 USD/bbl, dem dritten Tagesrückgang in Folge (Trading Economics), während Heizöl in Deutschland am selben Tag bei 181,0 Ct/L für 3.000 Liter notierte (Tecson). Keine der beiden Zahlen lässt sich direkt in die andere umrechnen; dazwischen liegen mehrere Stufen, die im Folgenden erklärt werden.
2. Die Kette: Rohöl, Produktnotierung, Großhandel, deine Rechnung
Zwischen der Ölquelle und deiner Rechnung liegen vier Stufen: Rohöl, Produktnotierung, Großhandel und Endkundenpreis, und jede Stufe legt eigene Kosten auf. Raffinerien kaufen Rohöl wie Brent und verarbeiten es zu Diesel, Heizöl und anderen Produkten. Preisagenturen wie S&P Global Platts und Argus veröffentlichen für das fertige Produkt im Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen täglich ein Assessment, genannt "Gasoil 0,1 % FOB ARA Barges", und die ICE listet darauf basierende Futures sowie den "Gasoil Crack", die ARA-Produktnotierung minus Brent.
Händler in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden kalkulieren Heizöl und Diesel dann auf Basis dieser ARA-Notierung, zuzüglich Fracht zum lokalen Terminal, nationaler Energiesteuer und Zollabgaben (in Deutschland Sache der Bundeszollverwaltung) sowie ihrer eigenen Handelsmarge. Deshalb liegen die Zahl aus den Nachrichten und die Zahl auf der Rechnung selten nah beieinander; die Marge über die gesamte Kette misst separat unser Eintrag zum Crack-Spread.
Für diese Seite fand die Recherche keine frei zugängliche, datierte ARA-Barge-Notierung in US-Dollar pro Tonne; die Platts- und Argus-Assessments dahinter sind kostenpflichtige Produkte. Belegt und datiert sind stattdessen der wöchentliche ARA-Gasölbestandsbericht von Insights Global, veröffentlicht jeden Donnerstag um 16:15 CET, sowie das Bestehen des ICE-Gasoil-Crack-Instruments selbst; beides ersetzt keine tagesaktuelle Notierung, bewegt sich aber vor ihr.
3. Die Zahlen im Überblick
Die folgende Tabelle trennt den Rohölpreis, die ARA-Lagerzahlen und die darauf aufbauenden Endkundenpreise, weil alle drei unterschiedlich gemessen und datiert sind.
| Kennzahl | Wert | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|
| Brent-Rohöl | 104,07 USD/bbl, dritter Tagesrückgang in Folge | 17.09.2026 | Trading Economics |
| ARA-Gasölbestände, Ende August | 11,90 Mio. bbl, Vierjahrestief | Ende August 2026 | Reuters/Insights Global via IndexBox |
| ARA-Gasölbestände, Mitte September (Lesart 1) | rund 12,08 Mio. bbl, "praktisch unverändert" | September 2026 | engine.online |
| ARA-Gasölbestände, Mitte September (Lesart 2) | 12,32 Mio. bbl, +2 % ggü. August | 14.09.2026 | Hellenic Shipping News |
| Heizöl DE, Panel 1 | 181,0 Ct/L, 3.000 Liter | 17.09.2026 | Tecson |
| Heizöl DE, Panel 2 | 178,66 Ct/L, 3.000 Liter | 17.09.2026 | esyoil |
| Fioul FR | 185,3 Ct/L, 1.000 Liter | 17.09.2026 | prixfioul.fr |
Die beiden Lesarten für Mitte September werden hier nicht gemittelt, weil sie sich vermutlich auf unterschiedliche Wochenstände oder Rundungen derselben Insights-Global-Erhebung beziehen; beide werden so genannt, wie sie vorliegen.
4. ARA-Notierung versus ARA-Bestände: die Verwechslung, die vermieden werden sollte
Die ARA-Notierung und die ARA-Lagerbestände beantworten zwei unterschiedliche Fragen, und die eine als Ersatz für die andere zu nehmen, ist die häufigste Verwechslung rund um diesen Begriff. Die Notierung ist der Marktpreis für das fertige Produkt am Hub; die Lagerbestände, wöchentlich von Insights Global veröffentlicht, sind eine physische Mengenangabe an Gasöl in den Tanks. Beide hängen zusammen, sinkende Bestände treiben die Notierung tendenziell nach oben, sind aber unterschiedlich gemessen.
Wie sich ein enger Mitteldestillatmarkt darüber hinaus zeigt, etwa in Lieferfristen und Mindestabnahmemengen statt nur in Lagerzahlen, erklärt unser Eintrag zur Dieselknappheit. Wie eine Bewegung der Großhandelsnotierung am Ende bei der Haushaltsrechnung ankommt, statt auf der Großhandelsstufe zu bleiben, erklärt getrennt unser Eintrag zum Pass-Through-Effekt.
5. Was das bedeutet, während du auf einen guten Kaufzeitpunkt wartest
Wer auf einen guten Bestellzeitpunkt wartet, sollte nicht die tägliche Brent-Schlagzeile beobachten, schon weil auch für dich keine frei zugängliche tagesaktuelle ARA-Zahl existiert, die du selbst prüfen könntest. Die Zahl, die tatsächlich auf deiner Rechnung ankommt, ist der Heizölpreis deines eigenen Marktes, der bereits auf der ARA-Notierung plus Fracht, Steuer und Marge aufbaut; diesen Preis direkt zu beobachten ist sinnvoller, als ihn aus einer Rohöl-Schlagzeile zurückzurechnen.
Ein zweites, langsameres Signal ist der wöchentliche ARA-Gasölbestandsbericht: Bestände nahe einem Mehrjahrestief, wie im August 2026, gehen einer festeren Notierung tendenziell voraus, während sich aufbauende Bestände sie eher entspannen. Keine der beiden Zahlen sagt dir, wohin der Preis als Nächstes geht, und diese Seite trifft dazu keine Prognose. Eine Einordnung speziell für Deutschland liefert unsere Seite Heizöl jetzt kaufen oder warten.
Rechne mit deinen eigenen Verbrauchszahlen, statt mit einer einzelnen Tagesnotierung, im Heizungsvergleichsrechner durch, was eine Änderung des Endkundenpreises für deine Rechnung bedeuten würde.
Rechne mit dem Endkundenpreis, nicht mit Brent, was das für deine Rechnung bedeutet.
Zum Heizungsvergleichsrechner6. Was die ARA-Notierung nicht bedeutet
Die ARA-Notierung ist keine Preisprognose, und sie ist nicht dasselbe wie Brent, der Crack-Spread oder der Pass-Through-Effekt, obwohl alle vier oft im selben Gespräch auftauchen. Brent bewertet Rohöl; ARA bewertet das fertige Produkt am Hub; die Marge zwischen beiden ist der Crack-Spread; und wie diese Marge am Ende bei der Haushaltsrechnung ankommt, ist der Pass-Through-Effekt. Diese Begriffe gegeneinander auszutauschen, ist der Fehler, den die meisten Suchanfragen rund um diesen Begriff eigentlich klären wollen.
Ein zweites Missverständnis ist die Annahme, es gäbe für europäische Produktbestände bereits eine Tageszahl; unser Eintrag zur Lagerreichweite in Tagen erklärt, warum für diesen Markt bislang keine belastbare Tageszahl existiert, sondern nur die Fassmengen oben. Eine Raffinerie, die nahe ihrer Kapazitätsgrenze läuft, kann zudem die ARA-Notierung verengen, ein Zusammenhang, den unser Eintrag zur Raffinerieauslastung genauer erklärt, doch die Auslastung selbst ist eine eigene Kennzahl, keine ARA-Notierung.