1. Was in dieser Woche passiert ist
Am 23. Oktober schloss Brent 3,1 Prozent höher bei 116,72 US-Dollar, dem höchsten Schlusskurs seit dem 29. April; im Handel wurden nach Standard Chartered 117,45 Dollar erreicht. Am selben Tag traf in der Straße von Hormus um 08:39 Uhr UTC ein unbekanntes Projektil einen auslaufenden Tanker, der manövrierunfähig blieb; die UKMTO veröffentlichte die Warnung 182-26 erst drei Tage später. Vor der rumänischen Küste sank nach einem Drohnentreffer der Öltanker Khoryv unter der Flagge der Komoren, rund 13 Seemeilen vor Constanța. Aramco-Chef Amin Nasser sagte in einem Interview, die Ost-West-Pipeline laufe mit rund 7 Millionen Barrel am Tag und damit an ihrer Kapazität (Fortune, 23.10.2026).
Am 24. Oktober erklärte der Huthi-Militärsprecher Yahya Saree, Angriffe auf die Ost-West-Pipeline, Rohölpumpstationen, eine Aramco-Anlage in Yanbu und die Raffinerie Rabigh ausgeführt zu haben. Saudi-Arabien bestätigte keinen Treffer; die saudisch geführte Koalition erklärte, über das Wochenende ballistische Raketen in Richtung Riad, Taif und Yanbu zerstört zu haben (Reuters via Al-Monitor, 26.10.2026).
Am 25. Oktober veröffentlichte das Lagezentrum JMIC sein Update 108: 156 bestätigte Vorfälle gegen Schiffe seit dem 1. März, Bedrohung in der Straße von Hormus weiter auf der höchsten Stufe, und rund 492 Schiffe, die außerhalb der Straße warteten. Zwei Terminals des Flughafens Riad nahmen den Betrieb wieder auf. Eine katarische Delegation legte in Teheran nach Reuters einen Entwurf für ein Friedensabkommen vor.
Am 26. Oktober erklärten die Revolutionsgarden die Straße erneut für geschlossen; Generalstabschef Abdollahi sprach von voller Kontrolle und wies US-Angaben zurück, die Wasserstraße sei offen. Die UKMTO meldete mit der Warnung 183-26 ein brennendes Schiff rund 63 Seemeilen südöstlich von Al Faw im Irak, stufte den Vorgang aber als verdächtige Aktivität und nicht als bestätigten Angriff ein. Brent schloss 0,8 Prozent tiefer bei 115,81 Dollar, gedrückt von den Vermittlungssignalen.
Am 27. Oktober brannte es in den frühen Morgenstunden nahe dem Exportterminal Ras Tanura, dem größten Ölexportterminal des Königreichs. QatarEnergy verlängerte die seit April geltende Force Majeure für LNG bis Ende Dezember 2026. Händler nannten Reuters Verladeverzögerungen von fast drei Wochen in Noworossijsk. Brent schloss 1,7 Prozent tiefer bei 113,88 Dollar.
Am 28. Oktober gab das US-Marinekommando NAVCENT über das JMIC eine Mitteilung heraus, nach der sich Schiffe ohne Durchfahrtsnotwendigkeit von der Straße fernhalten sollen; eine vergleichbare Mitteilung hatte es zuletzt Mitte Juli gegeben. Gegen 03:00 Uhr UTC brannte rund neun Seemeilen nördlich von Khasab ein Tanker. Vor Bulgarien wurde das Containerschiff Contship Jet von drei Seedrohnen getroffen, alle 18 Besatzungsmitglieder wurden gerettet, und die Verteidigungsminister der Türkei, Bulgariens und Rumäniens vereinbarten in Sofia einen Koordinierungsmechanismus. Die EIA meldete einen unerwarteten Abbau der US-Rohöllager. Brent schloss 1,44 Dollar höher bei 115,32 Dollar.
Am 29. Oktober erklärte die Marine der Revolutionsgarden, drei Tanker hätten binnen 24 Stunden im südlichen Teil der Straße Minen getroffen; CENTCOM hatte solche Berichte am Vortag als falsch bezeichnet. US-Präsident Trump sagte, er habe eine Bitte von Vizepräsident Vance genehmigt, Iran wegen medizinischer Versorgung zu kontaktieren, und dementierte einen Auftrag zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen. Brent gab im Handel auf rund 114 Dollar nach.
2. Hormus: 492 wartende Schiffe, und ein Plan über sieben Tage
Die Straße von Hormus ist nicht förmlich gesperrt, aber so leer wie noch nie in diesem Krieg. Das Lagezentrum JMIC nennt in seinem Update vom 25. Oktober rund 492 Schiffe, die außerhalb der Straße vor Anker lagen: rund 194 vor Fujairah und Khor Fakkan, rund 178 zwischen Dubai und Ras Al Khaimah, rund 55 bei Musandam und Sohar, rund 32 bei Bandar Abbas und Qeshm. Zum Vergleich nennt dasselbe Dokument für das Jahr 2025 einen Mittelwert von rund 138 Schiffen am Tag in der Straße.
Bei den Angriffen zeigt die Woche in zwei Richtungen. Der UKMTO-Wochenbericht vom 23. Oktober nennt fünf Angriffsmeldungen in den sieben Tagen davor, nach zehn in der Woche davor, also einen Rückgang. Zugleich zählt das JMIC seit dem 1. März 156 bestätigte Vorfälle, einen mehr als eine Woche zuvor, und hält die Bedrohung in der Straße auf der höchsten Stufe. Getroffen wurden in dieser Woche ein auslaufender Tanker am 23. Oktober, der manövrierunfähig blieb, und ein Tanker rund neun Seemeilen nördlich von Khasab am 28. Oktober, der nach Angaben der Sicherheitsfirma Vanguard Tech von einem Projektil getroffen und weitgehend gesunken war.
Am 28. Oktober gab das US-Marinekommando NAVCENT über das JMIC eine Mitteilung heraus: Schiffe, die die Straße nicht durchfahren müssen, sollen sich fernhalten, durchfahrende Schiffe sollen mehr Zeit einplanen, und neutrale Schiffe können befragt und durchsucht werden. Eine vergleichbare Mitteilung gab es zuletzt Mitte Juli, zu Beginn der US-Blockade. Die Revolutionsgarden erklärten die Straße am 26. Oktober erneut für geschlossen und meldeten am 23., 27. und 29. Oktober Minentreffer auf insgesamt fünf Tanker, ohne Schiffsnamen zu nennen; CENTCOM widersprach am 28. Oktober und erklärte, alle international anerkannten Hauptrouten seien geräumt. Beide Seiten sind Konfliktparteien, und keine der Minenmeldungen ist unabhängig bestätigt.
Wie viel Öl tatsächlich fließt, bleibt strittig. Kpler nennt für den Oktober einen Hormus-Durchfluss von im Schnitt 11,7 Millionen Barrel am Tag, gegen 9,8 Millionen im September und 14,5 Millionen im Februar. Die in der Vorwoche berichteten 24,6 Millionen Barrel am Tag messen etwas anderes, nämlich die Abflüsse aus dem gesamten Persischen Golf einschließlich Umladungen auf See und Ausfuhren über Rotmeerhäfen. Beide Zahlen stammen von Kpler, und sie dürfen nicht gegeneinander gerechnet werden.
Politisch bewegt sich etwas, ohne dass ein Ergebnis in Sicht wäre. Katar legte am 25. Oktober einen mit Washington abgestimmten Entwurf vor, der einen Sieben-Tage-Zeitplan mit täglichen Schritten beider Seiten vorsieht und mehrere Staaten als Garanten einbinden würde. Nach iranischer Darstellung sieht der Plan vor, dass die USA in den ersten fünf Tagen die Feindseligkeiten beenden, die Seeblockade iranischer Häfen aufheben und eingefrorene Vermögen freigeben, dass Iran am sechsten Tag die Straße für den normalen Handel öffnet und am siebten Tag Gespräche über ein Gesamtabkommen beginnen. Ein hoher iranischer Beamter nannte das Papier am 28. Oktober gegenüber Reuters inakzeptabel, Außenminister Araghchi erklärte am selben Tag, Teheran stehe in engem Kontakt mit Vermittlern. Im Hintergrund steht ein Bericht des Wall Street Journal, nach dem Washington Golfstaaten auf eine kurze Kampagne gegen Iran nach den US-Zwischenwahlen am 3. November vorbereitet habe.
3. Saudi-Arabien: Brand am größten Ölterminal, und Ansprüche ohne Bestätigung
In den frühen Morgenstunden des 27. Oktober brannte es nahe dem Exportterminal Ras Tanura. Saudi-Arabien hat den Brand nach Angaben einer anonymen Quelle gegenüber Bloomberg eingedämmt; das Schadensausmaß blieb zunächst unklar, und Aramco sowie das Energieministerium äußerten sich zunächst nicht. Der Huthi-Militärsprecher Yahya Saree erklärte am selben Tag, eine ballistische Rakete habe die Raffinerie Ras Tanura mit 550.000 Barrel am Tag getroffen und große Brände ausgelöst. Saudische Behörden haben das nicht bestätigt, der Sender Al Hadath führte das Feuer auf herabfallende Trümmer einer Abfangaktion zurück, und Satellitendaten des Systems NASA FIRMS zeigten Hitzesignaturen am Terminal, nicht nachweislich an Verarbeitungsanlagen der Raffinerie.
Dass die Anlagen weiter laufen, heißt nicht, dass die Mengen gleich bleiben. Nach einer Kpler-Auswertung, die Asharq Business am 26. Oktober berichtete, verlud Ras Tanura vom 1. bis 25. Oktober 2,95 Millionen Barrel am Tag, gegen 4,16 Millionen im September; das ist ein Minus von rund 29 Prozent. Die gesamten saudischen Rohölausfuhren lagen nach derselben Auswertung bei 5,52 Millionen Barrel am Tag. Vortexa kommt über Bloomberg am 28. Oktober auf ein anderes Bild und nennt für den Oktober 6,5 Millionen Barrel am Tag von beiden Küsten, Tankertrackers.com sogar 6,99 Millionen, Kpler dagegen 5,4 Millionen. Bloomberg erklärt die Spanne damit, dass Tanker ihre Satellitentransponder abschalten. Wer eine einzelne dieser Zahlen als den Stand ausgibt, sagt mehr über den gewählten Datendienst als über Saudi-Arabien.
Die Huthis erklärten am 24. und am 26. Oktober, die Ost-West-Pipeline und ihre Pumpstationen angegriffen zu haben. Saudi-Arabien hat das nicht bestätigt, Reuters vermerkt das Fehlen einer Bestätigung ausdrücklich, und eine Argus-Quelle bezeichnete frühere Huthi-Angaben über Brände in Yanbu und Shaybah als unwahr. Zum Durchsatz der Leitung stehen zwei Angaben der Betreiber- und Regierungsseite nebeneinander: Aramco-Chef Amin Nasser nannte am 23. Oktober rund 7 Millionen Barrel am Tag und damit die volle Kapazität, der saudische Energieminister hatte am 6. Oktober 5,8 Millionen genannt, und OilPrice wiederholte diese Zahl noch am 26. Oktober. Eine unabhängige Messung liegt nicht vor.
Geschützt wird die Rotmeerküste weiter auch von außen: Griechenland behält auf saudische Bitte seine Patriot-Batterie zum Schutz der Energieinfrastruktur in Yanbu, Ministerpräsident Mitsotakis teilte das Kronprinz Mohammed bin Salman am 25. Oktober mit.
4. Schwarzes Meer: zwei getroffene Schiffe und fast drei Wochen Stau in Noworossijsk
Am 23. Oktober sank der Öltanker Khoryv unter der Flagge der Komoren rund 13 Seemeilen vor Constanța nach einem Drohnentreffer, knapp außerhalb rumänischer Hoheitsgewässer. Rumäniens Präsident Nicușor Dan macht Russland verantwortlich, Moskau hat sich nicht bekannt. Zu den Opferzahlen gehen die Angaben auseinander: Reuters nennt neun Gerettete, einen Toten und drei Vermisste, die Financial Times zehn Gerettete, von denen einer starb, und drei Vermisste. Am 28. Oktober wurde das Containerschiff Contship Jet unter liberianischer Flagge rund 21 Seemeilen südöstlich von Schabla von drei Seedrohnen getroffen; alle 18 Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Bulgariens Präsident Rumen Radew sagte, die Logik weise auf Russland, beweisen lasse sich das aber nicht.
Für die Ölversorgung zählt weniger die Zahl der Treffer als ihre Folge im Hafen. Händler nannten Reuters am 27. Oktober Verladeverzögerungen von fast drei Wochen in Noworossijsk, dem Hafen, aus dem das Öl kommt, das durch den Bosporus fährt. Das Konsortium der CPC-Pipeline plant für November rund 6,4 Millionen Tonnen, also 1,69 Millionen Barrel am Tag und 2 Prozent weniger als im Oktober; die russischen Seerohölexporte könnten im November nach Reuters um 0,1 bis 0,2 Millionen Barrel am Tag unter dem Oktoberniveau liegen.
Deshalb ändert unsere Lagekarte in dieser Runde eine Einstufung: Bosporus und Dardanellen wechseln von läuft auf gestört. Die Durchfahrt selbst bleibt frei, ein türkischer Beamter bestätigte das am 25. Oktober gegenüber Reuters ausdrücklich mit Verweis auf die Montreux-Konvention. Gestört ist nicht die Meerenge, sondern der Verkehr dahinter, und zwar belegbar: zwei getroffene Handelsschiffe innerhalb einer Woche in der Wirtschaftszone von NATO-Staaten und ein Verladestau von fast drei Wochen im wichtigsten Abfahrtshafen. Zur Größenordnung nennt die Financial Times unter Berufung auf die Sicherheitsfirma Ambrey und die IMO über 570 getroffene Schiffe im Schwarzen Meer im Jahr 2026, davon rund 387 allein im dritten Quartal, und mindestens 40 getötete Seeleute; die Zeitung weist selbst darauf hin, dass die Erfassung lückenhaft ist.
Politisch gab es darauf die erste gemeinsame Antwort der Anrainer: Am 28. Oktober vereinbarten die Verteidigungsminister der Türkei, Bulgariens und Rumäniens in Sofia einen Koordinierungsmechanismus mit regelmäßigen Konsultationen, Informationsaustausch und Frühwarnung. Beschlossen wurden keine Konvois und keine Eskorten. Der türkische Verteidigungsminister Yaşar Güler forderte Russland und die Ukraine auf, Angriffe auf Handelsschiffe sofort einzustellen.
5. Was bei Heizöl, Diesel und Gas ankommt
Beim Heizöl ist der Rohölanstieg in dieser Woche nicht eins zu eins angekommen. In Deutschland nennt HeizOel24 am 29. Oktober 171,75 Euro je 100 Liter im Landesdurchschnitt, 0,91 Prozent weniger als am Vortag und knapp einen Euro weniger als eine Woche zuvor; der Anbieter begründet das damit, dass Gasöl stärker fällt als Rohöl. Das amtliche EU-Öl-Bulletin hinkt naturgemäß nach und nennt für die Woche zum 19. Oktober 1.712,80 Euro je 1.000 Liter für Deutschland, nach 1.698,10 Euro eine Woche zuvor, also ein Plus von rund 0,9 Prozent. Für Österreich weist das Bulletin 1.808,38 Euro aus, für Frankreich 1.930,78 Euro und für Spanien 1.521,33 Euro. Bei den nationalen Portalen steht am 29. Oktober Österreich bei 185,51 Euro je 100 Liter, die Schweiz bei 173,99 Franken je 100 Liter, Frankreich bei 1.860 Euro je 1.000 Liter für fioul ordinaire, und für Spanien nennt calienteybarato.com zum 28. Oktober 1,763 Euro je Liter.
In den Vereinigten Staaten ist der jüngste amtliche Wert weiter der vom 19. Oktober mit 6,190 US-Dollar je Gallone ohne Steuern. Die für den 28. Oktober angekündigte Veröffentlichung für die Woche zum 26. Oktober war am 29. Oktober noch nicht abrufbar. Knapper wird es trotzdem: Die US-Destillatbestände fielen in der Woche zum 23. Oktober um 1,5 Millionen auf 102,8 Millionen Barrel, obwohl der Markt nur 0,9 Millionen erwartet hatte. Die Darlehen von bis zu 315.000 Barrel aus der Heizölreserve im Nordosten sollen bis zum 13. November abgeschlossen sein; die Standorte sind South Portland in Maine, Boston in Massachusetts und New Haven in Connecticut.
Ein zweiter Strang Richtung US-Ostküste ist seit dieser Woche unterwegs und juristisch umstritten. Der Tanker Agioi Fanendes unter maltesischer Flagge lud am 22. Oktober im russischen Ostseehafen Primorsk knapp 40.000 Tonnen schwefelarmen Diesel, nach Schiffsdaten mit Ziel Hafen von New York und New Jersey und erwarteter Ankunft am 7. November. Es ist die erste Lieferung aus dem am 9. Oktober verkündeten Abkommen zwischen Washington und Moskau. Senator Richard Blumenthal forderte am 27. Oktober die Umkehr des Schiffes und setzte dem Eigner eine Antwortfrist zum 31. Oktober; das US-Finanzministerium hält die Lieferung über eine Allgemeingenehmigung bis zum 7. April 2027 für erlaubt. Welches Terminal die Ladung aufnimmt und wer sie kauft, ist nicht benannt.
Bei Gas war diese Woche die teuerste seit vier Jahren. Der europäische Referenzpreis TTF lag am 27. Oktober bei 97,64 Euro je Megawattstunde und überschritt am 28. Oktober zeitweise 100 Euro, erstmals seit Dezember 2022; vor Kriegsbeginn im Februar lag er bei rund 30 Euro. Auslöser war unter anderem die Verlängerung der Force Majeure von QatarEnergy für LNG aus Ras Laffan bis Ende Dezember 2026, von der unter anderem der italienische Versorger Edison betroffen ist, dessen Langfristvertrag rund 10 Prozent des italienischen Jahresverbrauchs ausmacht. Die Speicher lagen am 27. Oktober nach GIE AGSI+ in Deutschland bei 61,73 Prozent und in der EU bei 74,98 Prozent. Das deutsche Füllziel von 80 Prozent zum 1. November und das EU-Ziel von 90 Prozent werden damit beide verfehlt; die Bundesnetzagentur hatte Anfang Oktober erklärt, die Versorgung sei stabil und das Erreichen der Vorgaben für die Versorgungssicherheit nicht zwingend erforderlich.