1. Was in dieser Woche passiert ist
Am 24. September fingen die saudisch geführten Streitkräfte nach eigenen Angaben sechs ballistische Raketen ab, zwei davon mit einem griechischen Patriot-System. Die Huthis nannten als Ziele ein Objekt in Riad und Aramco-Anlagen in Yanbu. Opfer oder Schäden an den Ölanlagen meldeten die Behörden nicht (Al Jazeera, 24.09.2026). Einen Tag später sagte Präsident Macron Soldaten, Radare und Verteidigungssysteme für Yanbu zu (Al Jazeera, 25.09.2026).
Ebenfalls am 25. September legte Iran bei der UN-Generalversammlung einen Fahrplan vor: zuerst eingefrorene Gelder, Ölsanktionen und Blockade, dann die Öffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen. Präsident Trump lehnte das Angebot am 26. September ab. Außenminister Araghchi sagte am 27. September, Teheran halte an seinen Bedingungen fest und warte auf eine offizielle Antwort über Vermittler (CBS News, 26.09.2026; Al Jazeera, 28.09.2026).
Am 26. September brannte nach einem Drohnenangriff die russische Raffinerie Ilski in der Region Krasnodar, die 6,6 Millionen Tonnen im Jahr verarbeitet. Am 30. September verlängerte Russland das Ausfuhrverbot für Diesel für Produzenten bis Ende Oktober; Benzin bleibt bis Januar gesperrt, Kerosin bis November (Kyiv Independent, 26.09.2026; The Moscow Times, 30.09.2026).
In Libyen zwang eine bewaffnete Gruppe die Rohölleitung von Sharara nach Zawiya fünf Tage lang zum Stillstand. Die staatliche NOC bezifferte den Ausfall am 25. September auf 720.362 Barrel und über 75 Millionen US-Dollar, The National nannte am 26. September über 942.000 Barrel und rund 95 Millionen Dollar für die ganze Woche. Spät am 26. September floss wieder Öl (Libya Observer und The National, 26.09.2026; Quantum Commodity Intelligence, 27.09.2026).
Am 28. September meldete Bloomberg, die saudische Ost-West-Pipeline pumpe wieder mindestens 3,5 Millionen Barrel am Tag, etwa die Hälfte ihrer Kapazität von 7 Millionen. Ein vollständiger Neustart könne rund sechs Wochen dauern. Kpler schätzte den Durchsatz am 29. September auf rund 2,65 Millionen Barrel am Tag, zwei Handelsquellen nannten für die Verladungen in Yanbu rund 2 Millionen. Satellitenbilder der ESA vom 27. September zeigen rund 40 Tanker vor den Terminals (Bloomberg via Rigzone, 28.09.2026; Reuters via Marine Link, 29.09.2026).
Am selben Tag verlängerte QatarEnergy die höhere Gewalt für LNG-Lieferungen bis in den November, für die italienische Edison bis Anfang Dezember (The National, 28.09.2026). Die Panamakanalbehörde hob den höchstzulässigen Tiefgang in den Neopanamax-Schleusen von 14,63 auf 14,94 Meter an und kündigte an, die täglichen Durchfahrten ab dem 15. Oktober von 32 auf 33 zu erhöhen (Panamakanalbehörde, 28.09.2026).
Am 29. September verlängerte die spanische Regierung die Steuerentlastung auf Kraftstoffe über den 30. September hinaus bis zum 31. Dezember: 20 Cent je Liter im Oktober, 13 Cent im November, 6 Cent im Dezember, mit einer Schutzklausel für erneute Preissprünge (La Moncloa, 29.09.2026).
2. Der Ölpreis: warum die Anzeige am Mittwoch sieben Dollar verlor
Der Brent-Terminkontrakt für November lief am 30. September aus. Das ist der Grund für den Sprung, den viele Kursanzeigen an diesem Tag zeigen. Der November-Kontrakt notierte am 29. September bei 103,19 US-Dollar, der Dezember-Kontrakt am selben Tag bei 96,31 (oilprice.com, 29.09.2026). Wer seit dem 30. September auf den Brent-Kurs schaut, sieht den Dezember-Kontrakt, am Vormittag rund 96,38 Dollar (Trading Economics, 30.09.2026). Der Unterschied von knapp sieben Dollar ist der Abstand zwischen zwei Liefermonaten, kein Einbruch am Markt.
Dass der vordere Monat teurer ist als der hintere, heißt Backwardation. Am 28. September lag dieser Abstand laut DTN bei über sieben Dollar je Barrel. Das ist ein Knappheitssignal, kein Entspannungssignal: Wer Öl sofort braucht, zahlt einen Aufschlag.
Der Wochenverlauf im November-Kontrakt: Am 24. September stieg Brent nach den Huthi-Angriffen im Handelsverlauf auf gut 108 Dollar. Am 25. September schloss der Kontrakt bei 104,32 Dollar; The National nennt für denselben Tag 104,30, Al Jazeera 105,77. Am 28. September ging er 0,96 Dollar höher bei 105,28 Dollar aus dem Handel, nach einem Tageshoch von 108,83 (DTN, 28.09.2026). Am 29. September notierte er bei 103,19 Dollar.
3. Hormus: der Plan, die Ablehnung und die umstrittenen Zahlen
Der iranische Vorschlag und seine Ablehnung haben an der Lage vor Ort nichts geändert. Durch die Straße fließt weiter Öl, und wie viel genau, ist zwischen den Erhebern so umstritten wie seit Wochen.
Kpler nennt für den September 7,4 Millionen Barrel am Tag durch die Straße und zählt in der Woche bis zum 27. September 19 Tanker, davon 17 Supertanker. Für die Ausfuhren des Nahen Ostens insgesamt nennt derselbe Erheber 12,8 Millionen Barrel am Tag im September, den höchsten Wert seit Kriegsbeginn (Al Jazeera, 28.09.2026). CNN führt am 29. September ebenfalls Kpler an, dort aber mit 13,1 Millionen Barrel am Tag in der letzten Septemberwoche gegen 17,1 Millionen vor dem Krieg, also rund 77 Prozent (CNN, 29.09.2026). Reuters nennt für den Sieben-Tage-Schnitt bis zum 22. September 9 Millionen Barrel am Tag, rund 60 Prozent des Niveaus von 2025 (Reuters via Baird Maritime, 29.09.2026). US-Finanzminister Scott Bessent nannte 15 bis 22 Millionen Barrel am Tag gegen rund 20 Millionen vor dem Krieg (Al Jazeera, 28.09.2026).
Diese Zahlen messen Verschiedenes: Rohöl durch die Meerenge, alle Ladungen der Region, Schiffszählungen. Dazu kommt, dass Schiffe ihre AIS-Transponder abschalten und dass die US-Regierung Konfliktpartei ist. Wir führen die Straße von Hormus deshalb unverändert als stark eingeschränkt und zeigen die Angaben nebeneinander, statt eine davon auszuwählen.
Die Deutungen gehen ebenso auseinander. Matt Smith von Kpler sagte, bei diesen Mengen verliere Iran seinen Einfluss. Natasha Kaneva von JP Morgan hielt in derselben Meldung dagegen, höhere Durchfahrtszahlen seien nicht mit mehr Sicherheit zu verwechseln, sondern zeigten, dass die Branche unter dauerhaftem Risiko arbeiten könne (CNN, 29.09.2026).
4. Diesel: das Exportverbot war vom Tisch, dann wieder nicht
In Washington ging die Debatte über ein Verbot von Dieselausfuhren diese Woche in alle Richtungen. Energieminister Chris Wright sagte am 23. September, ein Verbot funktioniere nicht: Bei einem Ausfuhrstopp füllten sich die Tanks, die Raffinerien drosselten, und auch die Benzinproduktion falle. Am 24. September warnten Handelskammer und Business Roundtable schriftlich. Am 26. September signalisierte das Weiße Haus Senator Ted Cruz, ein Verbot komme nicht. Am 27. September sagte Präsident Trump, es werde sehr ernsthaft erwogen. Am 28. September hieß es aus dem Weißen Haus, es sei nichts entschieden, geprüft würden drei Wege unterhalb eines Verbots: freiwillige Begrenzungen der Produzenten, eine Aussetzung der Bundessteuer auf Diesel und Maßnahmen der Bundesstaaten (BOE Report, 23.09.2026; CNBC, 24.09.2026; Bloomberg, 26.09.2026; Yahoo Finance, 28.09.2026).
Die Zahlen dahinter: Diesel kostete im US-Einzelhandel am 29. September 6,44 US-Dollar je Gallone, nach dem Rekord von 6,53 Dollar am 22. September; ein Jahr zuvor waren es 3,68 Dollar (AAA). Die Destillatbestände lagen am 18. September bei 107,4 Millionen Barrel, rund 12 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt. Die Raffinerien liefen landesweit mit 94,0 Prozent Auslastung, an der Golfküste mit 96,5 Prozent. Die Destillatausfuhren sanken in derselben Woche auf 1,331 Millionen Barrel am Tag, von 1,614 Millionen in der Woche davor (EIA, Bericht vom 23.09.2026).
In Europa ist die Lage nicht entspannter. In den Lagern von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen lag der Gasölbestand im Septemberschnitt bei 12,33 Millionen Barrel (ENGINE, 25.09.2026). Für das vierte Quartal erwartet die Beratung Energy Aspects ein Kerosindefizit von 510.000 Barrel am Tag; die europäischen Kerosinimporte aus Südkorea erreichten im September mit 129.000 Barrel am Tag den höchsten Wert seit Oktober 2022 (Airways Magazine, 21.09.2026).
5. Was das für Haushalte heißt
Für Heizöl gilt der Stand des EU-Öl-Bulletins für die Woche zum 21. September, veröffentlicht am 24. September: Deutschland 1.709,50 Euro je 1.000 Liter, Österreich 1.884,99 Euro, Frankreich 1.937,42 Euro, Spanien 1.510,41 Euro, jeweils inklusive Steuern. Der EU-Schnitt lag bei 1.752,17 Euro, 40,58 Euro über der Vorwoche.
Die Portale erheben anders und kommen deshalb auf andere Zahlen. Tecson nannte am 29. September 175,0 Cent je Liter als Bestellpreis für 3.000 Liter Heizöl, 81,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Für die Schweiz nannte heizoel24.ch am 30. September 163,67 Franken je 100 Liter bei 3.000 Litern. In Frankreich lag prixfioul.fr am 28. September bei 1.852 Euro je 1.000 Liter.
Wer mit Gas heizt, schaut auf die Speicher. Der deutsche Füllstand lag am 26. September bei rund 57 Prozent, die EU insgesamt bei 70,87 Prozent (GIE AGSI+). Das gesetzliche Ziel für die meisten deutschen Speicher liegt zum 1. November bei 80 Prozent, für einzelne Anlagen bei 45 Prozent. Die Bundesnetzagentur nennt die Versorgung derzeit gewährleistet.
Wer mit Strom oder Fernwärme heizt, ist über den Gas- und Ölpreis indirekt betroffen, aber mit Verzögerung und je nach Vertrag unterschiedlich stark. Was die Woche für den eigenen Haushalt bedeutet, hängt am Verbrauch und am Liefervertrag. Die Rechnung dafür steht auf der Startseite.