1. Was in dieser Woche passiert ist
Am 22. September meldete Reuters unter Berufung auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen, dass die saudische Ost-West-Pipeline wieder pumpt, zunächst mit niedriger Rate. Angestrebt werden rund 4 Millionen Barrel am Tag. Eine Sicherheitsquelle nannte 40 Prozent der Kapazität binnen weniger Tage und sechs bis acht Wochen bis zum vollständigen Neustart. Drei von elf Pumpstationen wurden beschädigt. Saudi Aramco hat sich zu alldem nicht geäußert (Reuters via Arab News und Business Standard, 22.09.2026).
Im Hafen Yanbu sollten die Rohölverladungen noch am selben Tag wieder anlaufen, asiatische Raffinerien wurden informell darauf vorbereitet. Europäische Vertragskunden bekommen für Oktober dagegen keine Zuteilung; das teilte Aramco laut Bloomberg mindestens zwei europäischen Raffinerien mit, und es gilt laut Bericht für alle europäischen Termkunden (Bloomberg via Rigzone, 22.09.2026, und OilPrice, 18.09.2026).
Am 18. September legte die Internationale Energieagentur Zahlen vor. Durch die Straße von Hormus flossen im August 7,6 Millionen Barrel am Tag, 13,1 Millionen weniger als vor dem Krieg. Seit Kriegsbeginn summieren sich die ausgefallenen Exporte über diesen Weg auf knapp 2,8 Milliarden Barrel (IEA, 18.09.2026).
Am 19. September beanspruchten die Huthis Angriffe auf Riad sowie auf Bisha, Taif, Farasan und Aramco-Anlagen in Yanbu. Die saudisch geführte Koalition meldete eine abgefangene ballistische Rakete und keine Schäden, Anwohner berichteten dagegen von einer Explosion und einer schwarzen Rauchsäule über einem Tanklager am Flughafen King Khalid (Al Jazeera, 19.09.2026). Am 21. September traf ein Projektil den unter britischer Flagge fahrenden Tanker La Stephanie beim Einlaufen in die Straße von Hormus, zwei Besatzungsmitglieder wurden leicht verletzt; ein zweites Schiff wurde von Trümmern getroffen. Beide fuhren aus eigener Kraft weiter (UKMTO via Al Arabiya, 21.09.2026).
Im Norden des Roten Meeres lief es in die andere Richtung. Die Suezkanalbehörde meldete für August 1.358 Durchfahrten, 27 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und am 22. September passierte mit der OOCL Portugal erstmals seit Beginn der Rotmeerkrise wieder ein Schiff von COSCO den Kanal in Südrichtung (Suezkanalbehörde via Cyprus Shipping News, 22.09.2026).
2. Der Ölpreis: sechs Verlusttage in Folge
Brent hat sechs Handelstage nacheinander verloren. Der Terminkontrakt schloss am 18. September bei 103,87 Dollar, am 21. September bei 100,34 Dollar und am 22. September bei 99,25 Dollar je Barrel (Investing.com). Am 23. September notierte er im Tagesverlauf bei rund 98,50 Dollar (Trading Economics, 23.09.2026).
Zwei Nachrichten treiben den Rückgang. Die eine ist der Neustart der Pipeline. Die andere ist diplomatisch: Nach Berichten von Reuters und Kyodo bot Iran an, die Straße von Hormus binnen sieben Tagen wieder zu öffnen, wenn die USA den militärischen Druck verringern. Die halbamtliche iranische Agentur Fars wies diese Berichte als unzuverlässig zurück. US-Außenminister Rubio zeigte sich am Rande der UN-Generalversammlung offen für ein Treffen (Euronews, 22.09.2026).
Der Terminmarkt handelt Erwartungen, nicht die heutige Knappheit. An den Frachtraten ist von Entspannung nichts zu sehen. Ein Supertanker auf der Route Golf nach China erzielte am 17. September ein Zeitcharter-Äquivalent von 1.212.503 Dollar am Tag. Ein Jahr zuvor, am 4. September 2025, waren es 53.783 Dollar (Baltic Exchange, Tanker Report KW 38/2026 und KW 36/2025).
3. Hormus: warum wir die Einstufung geändert haben
Seit Juli führte die Lagekarte die Straße von Hormus als gesperrt. Mit dieser Ausgabe steht sie auf stark eingeschränkt. Der Grund ist nicht Zuversicht, sondern die Quellenlage.
Die IEA weist für August 7,6 Millionen Barrel am Tag aus. Das ist weit unter dem Vorkriegsniveau, aber es ist kein Nullwert (IEA, 18.09.2026). Dazu kommt, dass Saudi-Arabien seit Mitte September wieder große Mengen durch die Straße schickt. An einem Ladetag am Wochenende luden laut TankerTrackers sieben Supertanker rund 14 Millionen Barrel in Ras Tanura, MarineTraffic misst für denselben Tag sechs Supertanker mit knapp 12 Millionen Barrel. Die Golfverladungen lagen seit dem 12. September im Schnitt bei 3,7 Millionen Barrel am Tag, davor bei 2,9 Millionen (Reuters via Al Arabiya, 21.09.2026, und Gulf News, 23.09.2026).
Dem stehen sehr niedrige Schiffszählungen gegenüber. Windward zählte am 22. September zwölf Durchfahrten, Gulf News nennt 17 Frachtschiffe für das Wochenende des 19. und 20. September gegenüber 37 am Vergleichswochenende davor. Das US-Militär wiederum meldet Rekordwerte: CENTCOM-Chef Brad Cooper sagte am 19. September, die US-Streitkräfte hätten binnen zwei Monaten den Transport von einer Milliarde Barrel begleitet, und das Volumen aus Öl, Gas und Ladung der vergangenen zwei Wochen sei das höchste seit sechs Monaten (Fortune, 19.09.2026). Das US-Militär ist Konfliktpartei.
Diese Angaben lassen sich nicht zu einer Zahl verrechnen. Schiffszählungen und Ölmengen messen Verschiedenes, und Tanker schalten in dieser Lage ihre Transponder ab. Wir führen deshalb alle Sichtweisen mit Namen und Datum nebeneinander und stufen den Punkt nach der belastbarsten Mengenangabe ein. Das ist derzeit die der IEA.
4. Diesel: Rekordpreis in den USA, Exportverbot in der Debatte
Während Rohöl billiger wird, steigt Diesel weiter. Der US-Einzelhandelspreis erreichte am 22. September mit 6,53 Dollar je Gallone den höchsten je gemessenen Wert, ein Jahr zuvor lag er bei 3,69 Dollar (AAA, 22.09.2026). Präsident Trump sprach sich am selben Tag für ein Verbot von US-Dieselexporten aus. Finanzminister Bessent sagte, die Regierung prüfe, ob ein vollständiges oder teilweises Verbot machbar sei. API-Chef Mike Sommers hielt dagegen, Ausfuhrbeschränkungen würden das Problem vergrößern (Axios, 22.09.2026). Die USA führen rund 1,6 Millionen Barrel Diesel am Tag aus (Roll Call, 22.09.2026).
Die Knappheit kommt von der Angebotsseite. Die US-Raffinerien liefen in der Woche bis zum 11. September mit 96,8 Prozent Auslastung, an der Golfküste mit 96,9 Prozent. Viel Luft nach oben gibt es dort nicht (EIA, Wochenbericht vom 16.09.2026). In Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen lagen am 18. September 12,35 Millionen Barrel Gasöl und 5,40 Millionen Barrel schweres Heizöl, beides mehr als im August (ENGINE, 18.09.2026). Bei Kerosin erwartet Energy Aspects für Europa im vierten Quartal dagegen ein Defizit von 510.000 Barrel am Tag (Reuters, 20.09.2026).
Dazu kommt Russland. Seit Mitte September trifft eine ukrainische Angriffswelle Raffinerien im Hinterland, darunter Jaroslawl am 17. September, die Moskauer Raffinerie am 20. September und Kuibyschew am 22. September. Der ukrainische Generalstab sprach am 21. September von einem Rückgang der gesamten russischen Raffineriekapazität um 45 Prozent. Die Ukraine ist Konfliktpartei, unabhängig bestätigt ist diese Zahl nicht (The Moscow Times, Kyiv Post und Kyiv Independent, 17. bis 22.09.2026).
5. Was das für Haushalte heißt
Der fallende Terminkurs ist noch keine Entlastung. Heizöl in Deutschland kostete zuletzt 1.683 Euro je 1.000 Liter, Stand 14. September, nach dem EU-Öl-Bulletin. Ein neueres Bulletin lag am 23. September noch nicht vor, das nächste wird für den 24. September erwartet. Tecson nannte für den 22. September einen Bestellpreis von 175,0 Cent je Liter bei 3.000 Litern, 85,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die beiden Erhebungen messen Unterschiedliches, deshalb weichen die Zahlen voneinander ab (EU-Öl-Bulletin, 14.09.2026, und Tecson, 22.09.2026).
In der Schweiz lag der Preis am 23. September bei 166,03 Franken je 100 Liter bei einer Bestellmenge von 3.000 Litern (heizoel24.ch). Im Bundesstaat New York nannte NYSERDA für die Erhebung vom 14. September 6,14 Dollar je Gallone, 66,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (NYSERDA, Bericht vom 18.09.2026).
Was sich in dieser Woche geändert hat, ist die Richtung der Erwartung, nicht der Preis auf der Rechnung. Wenn die Ost-West-Pipeline in sechs bis acht Wochen tatsächlich ihre volle Leistung erreicht, trifft mehr Öl auf einen Markt, dessen Lager seit Monaten leerer werden. Bis dahin bleibt der Abstand zwischen dem, was an der Börse gehandelt wird, und dem, was ein Liter heute kostet.