Lexikon · Winterdiesel

Winterdiesel: was CFPP bedeutet und welche Sorte an der Zapfsäule steht

Eine mit Raureif überzogene Dieselzapfpistole, sinnbildlich für die Umstellung auf Winterdiesel im Herbst.

Winterdiesel ist Diesel, dessen Cold Filter Plugging Point (CFPP), also die Temperatur, ab der Paraffinkristalle den Kraftstofffilter verstopfen, gezielt abgesenkt wurde, meist auf rund minus 20 Grad Celsius in weiten Teilen Europas. An der Zapfsäule wechseln sich Sommer-, Übergangs- und Winterware nach Terminen ab, die sich von Land zu Land unterscheiden, und nicht für jedes Land ist ein Termin amtlich belegt. Diese Seite erklärt, was CFPP und Cloud Point wirklich bedeuten, welche Sorte wann verkauft wird, Stand 18.09.2026, und warum die Umstellung im Herbst 2026 zusätzlich Raffineriekapazität bindet, die wegen der Dieselknappheit ohnehin eng ist.

1. Die kurze Antwort

Winterdiesel ist Diesel mit herabgesetztem Cold Filter Plugging Point (CFPP), damit Paraffinkristalle im Kraftstoff bei Kälte nicht zusammenwachsen und den Kraftstofffilter verstopfen, wobei Grenzwert und Kalenderdatum je Land unterschiedlich festgelegt sind. Diesel enthält von Natur aus Paraffine; sinkt die Temperatur, bilden sich zunächst mikroskopisch kleine Kristalle, die den Kraftstoff trüb erscheinen lassen, der sogenannte Cloud Point. Erst bei einer etwas tieferen Temperatur wachsen die Kristalle so weit, dass sie das feine Sieb eines Kraftstofffilters verstopfen, genau das misst der CFPP-Test. Ein Fahrzeug kann seinen Cloud Point also durchaus schon unterschritten haben und trotzdem noch laufen, bis es an seinen CFPP stößt.

Die europäische Dieselnorm EN 590 definiert für gemäßigtes Klima die CFPP-Klassen A (+5 °C) bis F (-20 °C) und für arktisches Klima die Klassen 0 (-20 °C) bis 4 (-44 °C) (Wikipedia EN 590, Zugriff 18.09.2026). Welche Klasse tatsächlich verkauft wird und wann umgestellt wird, legt aber nicht EN 590 selbst fest, sondern die jeweilige nationale Umsetzung.

2. Wer die Umstellung festlegt, und warum sie diesen Herbst zusätzlich Kapazität bindet

Raffinerien und Mischbetriebe senken den CFPP über die Rohölmischung und Kälteflussadditive, in den USA zusätzlich durch Beimischung von leichterem Heizöl Nr. 1 (Kerosin), und jede dieser Maßnahmen belegt Raffineriekapazität, die sonst für gewöhnlichen Dieselausstoß zur Verfügung stünde. Winterware ist also kein reiner Etikettenwechsel, sondern verändert, was am Ende der Destillationskolonne herauskommt, und die Umstellung folgt in Europa einem Kalender, in den USA einem statistischen Kälteschwellenwert, nicht der Nachfrage.

Genau dieses Timing wiegt in diesem Jahr schwerer, weil die Umstellung auf einen ohnehin engen Markt trifft. Wie knapp die Raffineriekapazität aktuell ist, ordnet unser Eintrag zur Raffinerieauslastung ein, und die zusätzliche Mischkapazität, die Winterware braucht, konkurriert mit den Mengen, die laut unserem Eintrag zur Dieselknappheit ohnehin schon fehlen. In einem normalen Jahr ist die Umstellung Routine, in einem Jahr mit bereits knappen Destillatlagern ist sie ein zusätzlicher Anspruch auf dieselben Barrel.

3. Sorten und Umstellungstermine je Land

Die folgende Tabelle nennt nur Termine, die eine datierte nationale Quelle belegt. Für Frankreich und Spanien haben wir in dieser Recherche keinen belegten nationalen Umstellungstermin gefunden und sagen das hier ausdrücklich, statt einen Termin zu schätzen.

LandSorteCFPP / Cloud PointZeitraumQuelleStand
DeutschlandSommerdieselCFPP 0 °C15.04.-30.09.Wikipedia, WinterdieselZugriff 18.09.2026
DeutschlandÜbergangswareCFPP -10 °C01.10.-15.11. und 01.03.-14.04.Wikipedia; bestätigt Promobil18.09.2026 / 15.11.2025
DeutschlandWinterdieselCFPP -20 °C16.11.-28.02.Wikipedia; bestätigt Promobil18.09.2026 / 15.11.2025
ÖsterreichSommerdieselCFPP +5 °C01.04.-30.09.Wikipedia, WinterdieselZugriff 18.09.2026
ÖsterreichÜbergangCFPP +5 bis -20 °C01.10.-31.10.Wikipedia, WinterdieselZugriff 18.09.2026
ÖsterreichWinterdieselCFPP -20 °C01.11.-28.02.Wikipedia, WinterdieselZugriff 18.09.2026
ÖsterreichÜbergangCFPP -15 °C01.03.-31.03.Wikipedia, WinterdieselZugriff 18.09.2026
SchweizGanzjährigCFPP -20 °Ckein saisonaler WechselWikipedia, WinterdieselZugriff 18.09.2026
Vereinigtes KönigreichSommerCFPP max. -5 °C, typ. -8 °C16.03.-21.10.Crown OilZugriff 18.09.2026
Vereinigtes KönigreichWinterCFPP max. -15 °C, typ. -20 °C22.10.-15.03.Crown OilZugriff 18.09.2026
USAKein festes DatumCloud Point maximal 6 °C über 10-Perzentil-Minimummonatlich je Bundesstaat, ASTM D975Wikipedia, Winter diesel fuelZugriff 18.09.2026
FrankreichKein belegter Terminkein belegter CFPP-Grenzwert-Termin gefundenArrêté regelt Rahmen, Termin nicht verifizierbarLégifranceZugriff 18.09.2026
SpanienKein belegter Terminnicht gefundennicht gefundennicht gefundennicht gefunden

4. Warum die kursierenden Zahlen sich oft widersprechen

Hinter diesen Zahlen stehen zwei sehr unterschiedliche Regulierungsphilosophien, deshalb passt eine einzelne Schlagzeile „Winterdiesel gilt ab X“ selten überall. Europa legt unter EN 590 feste CFPP-Klassen auf feste, je Land unterschiedliche Kalenderfenster; die USA legen unter ASTM D975 gar kein Kalenderdatum fest, sondern verlangen einen Cloud Point, der an das 10-Perzentil-Minimum der Umgebungstemperatur je Bundesstaat und Monat gekoppelt ist, also regional statt national berechnet wird (Wikipedia, Winter diesel fuel, Zugriff 18.09.2026).

Die Sortenumstellung ist zudem eine andere Frage als der Schwefelgehalt des Kraftstoffs, den unser Eintrag zum schwefelarmen Heizöl behandelt: Winter- und Sommerdiesel können dieselbe schwefelarme Spezifikation erfüllen, und das Kälteverhalten sagt nichts über die Raffineriemarge aus, die unser Eintrag zum Diesel-Crack-Spread gesondert erklärt.

5. Was du vor dem ersten Frost prüfen solltest

Vor dem ersten harten Frost lohnen sich drei konkrete Fragen statt Torschlusspanik: welche Sorte dein Lieferant aktuell tankt, der tatsächliche Kältebereich deines Fahrzeugs oder deiner Anlage, und deine aktuelle Lieferfrist. Pendler mit älteren Dieselfahrzeugen, besonders wenn sie ungeheizt oder im Freien stehen, sind am stärksten gefährdet, sobald die Temperatur unter den CFPP des getankten Kraftstoffs fällt; ein Anruf an der gewohnten Tankstelle, welche Sorte aktuell verkauft wird, kostet nichts und klärt die Frage schneller als ein Forenpost.

Landwirte und Betriebe mit großen Außentanks haben ein zweites Risiko: Kraftstoff, der vor dem Umstellungstermin geliefert wurde, kann noch im Tank stehen, wenn die Temperatur fällt, unabhängig davon, welche Sorte gerade an der Zapfsäule steht. Frag deinen Lieferanten deshalb, wann genau deine konkrete Lieferung gemischt wurde, nicht nur, was heute verkauft wird. Betriebe mit festen Lieferplänen sollten sich schriftlich bestätigen lassen, welchen CFPP-Wert die nächste Lieferung erfüllt, besonders wenn die knappe Raffineriekapazität, die unser Eintrag Heizöl jetzt kaufen oder warten beschreibt, die Lieferzeiten schon jetzt verlängert.

Nichts davon ist ein Grund, den Tank randvoll zu machen oder Kraftstoff zu horten, es ist ein Grund, konkrete, datierte Fragen an deinen Lieferanten zu stellen. Wie sich eine veränderte Diesel- oder Heizölkosten-Lage auf deine eigene Rechnung auswirken würde, rechnest du mit unserem Heizungsvergleichsrechner nach, nicht mit einer Prognose.

Rechne mit deinen eigenen Werten, was eine veränderte Diesel- oder Heizölkosten-Lage bedeuten würde.

Zum Rechner

6. Was Winterdiesel nicht ist, und was oft falsch verstanden wird

Winterdiesel ist kein separat gekauftes Additiv und keine Marketing-Aufkleber-Ware, sondern Diesel, den Raffinerie oder Mischbetrieb schon vor der Zapfsäule entsprechend hergestellt haben. Ein häufiges Missverständnis ist, Cloud Point und CFPP für dieselbe Zahl zu halten: Der Cloud Point ist die höhere Temperatur, ab der Wachs erstmals sichtbar wird, der CFPP ist der tiefere, strengere Testwert dafür, wann das Wachs tatsächlich den Filter verstopft, und beide werden in Laienberichten oft verwechselt.

Wir geben hier bewusst keine Anleitung zum eigenständigen Mischen von Kälteflussadditiven oder zum Beimischen von Benzin oder Kerosin in den Diesel, und wir raten ausdrücklich davon ab, das selbst zu tun. Additivbehandlung und jedes Beimischen von Kraftstoffen sollte nur durch einen zertifizierten Fachbetrieb oder nach ausdrücklicher Freigabe des Fahrzeug- beziehungsweise Kesselherstellers erfolgen, weil ein falsches Mischungsverhältnis Kraftstoffanlagen beschädigen, die Garantie erlöschen lassen oder, bei einer Heizanlage, eine Sicherheitsgefahr schaffen kann; die Vorschriften dazu weichen je Land und teils je Gemeinde ab. Wie lange Kraftstoff, der schon in deinem Tank steht, tatsächlich haltbar bleibt, ordnet unser Eintrag zur Heizöl-Haltbarkeit ein.

7. Häufige Fragen

Ab wann gibt es Winterdiesel?
In Deutschland gilt laut Wikipedia-Artikel „Winterdiesel“, bestätigt von Promobil am 15.11.2025, Winterdiesel mit CFPP -20 °C vom 16.11. bis 28.02., mit Übergangsware CFPP -10 °C davor und danach. In anderen Ländern gelten andere Termine, teils gibt es gar keinen festen Kalendertermin.
Was ist CFPP?
CFPP steht für Cold Filter Plugging Point, die Temperatur, ab der Paraffinkristalle im Diesel den Kraftstofffilter tatsächlich verstopfen. Die europäische Norm EN 590 definiert dafür Klassen von A (+5 °C) bis F (-20 °C) für gemäßigtes Klima (Wikipedia EN 590, Zugriff 18.09.2026).
Was ist der Unterschied zwischen CFPP und Cloud Point?
Der Cloud Point ist die höhere Temperatur, bei der Wachskristalle erstmals sichtbar werden und den Diesel trüb erscheinen lassen. Der CFPP liegt tiefer und misst, wann diese Kristalle tatsächlich einen Filter verstopfen; ein Kraftstoff kann seinen Cloud Point also schon unterschritten haben und trotzdem noch funktionieren.
Gibt es einen belegten Umstellungstermin für Frankreich oder Spanien?
Nein. Für Frankreich regelt ein Arrêté vom 23.12.1999 zum „gazole grand froid“ den Rahmen, ein datierter CFPP-Umstellungstermin ließ sich in dieser Recherche aber nicht verifizieren; für Spanien fand sich überhaupt kein belegter nationaler Termin. Wir nennen diese Lücke ausdrücklich, statt zu schätzen.
Kann ich meinen Diesel selbst winterfest machen?
Wir raten ausdrücklich davon ab. Additivbehandlung und jedes Beimischen von Kraftstoffen, etwa Benzin oder Kerosin, gehört in die Hände eines zertifizierten Fachbetriebs oder erfolgt nur nach Freigabe des Fahrzeug- oder Kesselherstellers, weil eine falsche Mischung Schäden oder Sicherheitsrisiken verursachen kann.
Warum bindet die Winterumstellung zusätzliche Raffineriekapazität?
Weil das Herstellen von Winterware zusätzliche Mischkapazität braucht, genau während Raffinerien laut unserem Eintrag zur Raffinerieauslastung ohnehin schon eng fahren. Die Umstellung erzeugt die Dieselknappheit nicht, verschärft aber den Anspruch auf dieselben Barrel in diesem Herbst.

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