1. Die kurze Antwort
Heizwert (Hu) und Brennwert (Ho) sind zwei verschiedene Angaben für dieselbe Verbrennungsenergie: der Heizwert zählt nur die "trockene" Verbrennungswärme, der Brennwert zählt zusätzlich die Kondensationswärme des im Abgas enthaltenen Wasserdampfs mit, deshalb liegt er bei Heizöl EL mit 10,6 kWh je Liter über dem Heizwert von 9,8 kWh je Liter (heizwert.info, Zugriff 18.09.2026). Für dich zählt am Ende nicht der Name, sondern der Preis je Kilowattstunde: erst wenn du deinen Literpreis, Kilopreis oder Kubikmeterpreis durch den passenden Energiegehalt teilst, werden Heizöl, Gas und Pellets überhaupt vergleichbar.
Diese Seite zeigt die Werte der gängigen Brennstoffe, rechnet ein aktuelles Beispiel aus Deutschland durch und trennt den Heizwert klar vom Wirkungsgrad deines Kessels, damit der Vergleich nicht verzerrt wird.
2. Wie Heizwert und Brennwert entstehen
Der Unterschied ist rein physikalisch, keine Ermessensfrage: bei der Verbrennung von Heizöl, Gas oder Pellets entsteht Wasserdampf, dessen Kondensationswärme der Heizwert (Hu) ungenutzt durch den Kamin abgibt, während der Brennwert (Ho) diese Energie vollständig mitrechnet. Wie viel das ausmacht, hängt vom Wasserstoffgehalt des Brennstoffs ab; bei Heizöl EL liegt der Unterschied laut heizwert.info bei rund 0,8 kWh je Liter, zwischen 9,8 kWh (Hu) und 10,6 kWh (Ho), Zugriff 18.09.2026.
Welcher Mindestwert für Heizöl EL überhaupt gelten darf, legt die Produktnorm fest: schwefelarmes Heizöl EL muss nach DIN 51603-1 einen Heizwert (Hu) von mindestens 42,6 MJ/kg erreichen (VIA-Energy-Produktspezifikation, Juli 2019, gemäß DIN 51603-1). Die Norm nennt diesen Mindestwert auf Heizwertbasis; einen Mindestwert auf Brennwertbasis nennt sie nicht, der Brennwert dient vor allem zur Kennzeichnung von Brennwertgeräten.
3. Energiegehalt und Kilowattstundenpreis im Überblick
Die folgenden Werte stammen aus einer einzigen deutschen Referenzquelle für den Energiegehalt und aus dem deutschen Tagespreis für Heizöl für das Rechenbeispiel; beide werden mit eigenem Datum gezeigt, nicht gemittelt.
| Brennstoff | Wert | Datum | Quelle |
|---|---|---|---|
| Heizöl EL, Heizwert (Hu) | 9,8 kWh/l bzw. 11,9 kWh/kg | Zugriff 18.09.2026 | heizwert.info |
| Heizöl EL, Brennwert (Ho) | 10,6 kWh/l | Zugriff 18.09.2026 | heizwert.info |
| Erdgas H | rund 10,4 kWh/m³ | Zugriff 18.09.2026 | heizwert.info |
| Holzpellets | rund 4,9 kWh/kg | Zugriff 18.09.2026 | heizwert.info |
| Flüssiggas (Propan) | rund 12,9 kWh/kg | Zugriff 18.09.2026 | heizwert.info |
| Strom | 1 kWh = 1 kWh, kein Umwandlungsverlust wie bei Hu/Ho-Brennstoffen | Stand 18.09.2026 | eigene Einordnung |
| Heizölpreis Deutschland | 181,0 Ct/L (3.000 L) | 17.09.2026 | Tecson |
| Kilowattstundenpreis, Heizwertbasis | rund 18,5 Ct/kWh (181,0 Ct/L ÷ 9,8 kWh/l) | 17.09.2026, eigene Berechnung | eigene Umrechnung |
| Kilowattstundenpreis, Brennwertbasis | rund 17,1 Ct/kWh (181,0 Ct/L ÷ 10,6 kWh/l) | 17.09.2026, eigene Berechnung | eigene Umrechnung |
Für Erdgas und Pellets liegt in dieser Recherche kein aktueller, datierter Endkundenpreis vor, deshalb wird hier bewusst kein eigener Kilowattstundenpreis für diese Brennstoffe berechnet; die Formel, Literpreis, Kilopreis oder Kubikmeterpreis geteilt durch den kWh-Gehalt, lässt sich aber genauso auf deinen eigenen Liefervertrag anwenden, egal welchen Brennstoff er betrifft. Wie der Tagespreis für Heizöl EL selbst zustande kommt, erklärt unser Eintrag zum Heizölpreis.
4. Einordnung: welche Basis zählt, und warum Brennwertgeräte über 100 Prozent liegen
Für den Vergleich deines eigenen Preises je Kilowattstunde ist es wichtiger zu wissen, auf welcher Basis ein Anbieter rechnet, als sich auf eine der beiden Zahlen zu versteifen. Heizölhändler nennen den Energiegehalt praktisch immer auf Heizwertbasis (9,8 kWh/l), weil das die in der Produktnorm verankerte Bezugsgröße ist; wer stattdessen mit dem Brennwert (10,6 kWh/l) rechnet, kommt automatisch auf einen niedrigeren Centbetrag je Kilowattstunde, ohne dass Heizöl dadurch tatsächlich billiger wird (eigene Umrechnung aus heizwert.info und Tecson, Stand 18.09.2026).
Das erklärt auch, warum Hersteller den Wirkungsgrad von Brennwertkesseln mit Werten über 100 Prozent angeben: die Prozentzahl wird auf den Heizwert bezogen, den ein alter Standardkessel als Obergrenze nutzte, während ein Brennwertgerät zusätzlich die Kondensationswärme aus dem Abgas zurückgewinnt. Über den Brennwert selbst kommt aber auch das effizienteste Gerät physikalisch nicht hinaus, egal welche Prozentzahl auf dem Typenschild steht. Der Wirkungsgrad ist damit eine Eigenschaft der Heizanlage, der Heizwert eine Eigenschaft des Brennstoffs, beide Zahlen gehören sauber getrennt, sonst wird der Preisvergleich verzerrt. Wie sich der Bioanteil auf diesen Energiegehalt auswirkt, erklärt unser Eintrag zu Bio-Heizöl und HVO. Wie CO2-Kosten auf demselben Energiegehalt bemessen werden, zeigt unser Eintrag zur CO2-Abgabe.
5. Was heißt das für meine Heizöl-, Gas- oder Pelletsrechnung?
Vergleiche Angebote nie am Liter-, Kilo- oder Kubikmeterpreis, sondern immer am Preis je Kilowattstunde, und zwar auf derselben Basis. Die Formel ist einfach: Literpreis, Kilopreis oder Kubikmeterpreis geteilt durch den kWh-Gehalt des jeweiligen Brennstoffs ergibt den Preis je Kilowattstunde Brennstoffenergie. Im deutschen Beispiel vom 17.09.2026 ergibt das rund 18,5 Ct/kWh auf Heizwertbasis für Heizöl EL bei 181,0 Ct/L (Tecson; eigene Berechnung).
Wichtig für die eigene Rechnung: dieser Kilowattstundenpreis ist der Preis für die im Brennstoff enthaltene Energie, noch nicht der Preis für die tatsächlich in deiner Wohnung ankommende Wärme. Dafür brauchst du zusätzlich den Wirkungsgrad deines Kessels, den nur Hersteller oder Fachbetrieb verlässlich angeben. Rechne beide Werte in unserem Heizungsvergleichsrechner zusammen, um Angebote für unterschiedliche Energieträger ehrlich zu vergleichen. Die CO2-Kosten dazu rechnet unser CO2-Preis-Heizöl-Rechner für Deutschland um.
Vergleiche Heizöl, Gas und Pellets ehrlich auf Basis des Kilowattstundenpreises.
Zum Heizungsvergleichsrechner6. Missverständnisse: was Heizwert und Brennwert NICHT bedeuten
Ein Brennwertkessel, dessen Wirkungsgrad mit mehr als 100 Prozent angegeben wird, erzeugt keine Energie aus dem Nichts, die Prozentzahl bezieht sich nur auf den Heizwert als Referenzgröße, nicht auf den physikalischen Gesamtenergiegehalt. Über den Brennwert (Ho) kommt kein Gerät hinaus, das wäre ein Verstoß gegen die Energieerhaltung.
Ebenfalls häufig verwechselt: der Wirkungsgrad des Kessels ist keine Eigenschaft des Brennstoffs, sondern der Heizanlage. Ein hoher Heizwert macht einen Brennstoff nicht automatisch günstiger, das hängt allein vom Preis je Kilowattstunde ab. Und die Heizgradtage sagen nichts über den Energiegehalt deines Brennstoffs aus, sie beschreiben nur, wie kalt der Winter tatsächlich war. Ebenso hat die Haltbarkeit deines gelagerten Heizöls nichts mit seinem Heizwert zu tun, altes Heizöl verliert an Qualität, nicht automatisch an Energiegehalt.