Lexikon · Bio-Heizöl und HVO

Bio-Heizöl und HVO: was wirklich in deinem Heizöltank steckt

Ein Heizöl-Tankwagen befüllt einen Hausanschluss, sinnbildlich für die Frage, ob Bio-Heizöl oder HVO zum eigenen Kessel passt.

Für Bio-Heizöl gibt es keine einheitliche Regel: Frankreich schreibt seit dem 1. Juli 2022 für neu installierte Wohnkessel ausschließlich Biofioul F30 mit bis zu 30 Prozent Biokomponente vor, während New Yorks Bioheat-Gesetz 2026 eine Mindestquote von 10 Prozent erreicht, verabschiedet am 22.12.2021. Deutschlands geplante Biotreppe für Ölheizungen ist zwischen zwei Quellen strittig, und für Spanien wurde in dieser Recherche keine Heizöl-Beimischpflicht gefunden. Diese Seite trennt FAME-Biodiesel von HVO, erklärt, was das für Lagerfähigkeit, Kesselfreigabe und Garantie bedeutet, und was du vor der Bestellung fragen solltest.

1. Die kurze Antwort

Bio-Heizöl mischt fossiles Heizöl mit Biodiesel (FAME) oder hydriertem Pflanzenöl (HVO), um den fossilen Anteil zu senken, und die Regeln unterscheiden sich stark je Land: Frankreich schreibt für neue Wohnkessel ausschließlich Biofioul F30 mit bis zu 30 Prozent Biokomponente vor, seit 1.7.2022, während New Yorks Bioheat-Gesetz 2026 eine Mindestquote von 10 Prozent erreicht (Gesetz vom 22.12.2021). Für Deutschland gibt es 2026 keine bundesweit geltende Beimischpflicht für Heizöl, und die geplante „Biotreppe“ ist zwischen zwei Quellen strittig, siehe unten. Für Spanien wurde in dieser Recherche keine Heizöl-Beimischpflicht gefunden.

Für dich ist die praktische Frage einfacher als der rechtliche Flickenteppich: Passt die Ware, die dein Händler anbietet, tatsächlich zu dem, was dein Kesselhersteller freigegeben hat, und verändert der Bioanteil, wie lange du sie lagern kannst.

2. Was FAME und HVO tatsächlich unterscheidet

Die Kennziffer „Fxx“ nennt den maximalen Biokomponenten-Anteil in Volumenprozent, F10 also bis zu 10 Prozent und F30 bis zu 30 Prozent, während HVO100 ein reiner, fossilfreier Drop-in-Kraftstoff nach EN 15940 ist und kein Beimischprodukt. FAME (Fettsäuremethylester, umgangssprachlich Biodiesel) entsteht durch Umesterung von Pflanzenöl oder tierischem Fett; es ist hygroskopischer als fossiles Heizöl, zieht also stärker Wasser an, und altert schneller, wenn Sauerstoff und Wärme hinzukommen.

HVO entsteht durch Hydrierung von Pflanzenöl oder Altfetten zu einem paraffinischen Kohlenwasserstoff, der chemisch deutlich näher am fossilen Heizöl liegt. Deshalb gilt HVO allgemein als lagerstabiler als FAME-Beimischungen, ein wichtiger Unterschied, wenn du auch unsere Seite zur Heizöl-Haltbarkeit im Blick hast. Am grundsätzlichen Schwefelgehalt ändert keiner der beiden Kraftstoffe etwas, das erklärt unser Eintrag zu schwefelarmem Heizöl, denn Entschwefelung und Bio-Beimischung sind getrennte Prozesse.

3. Beimischregeln im Länderüberblick

Die folgenden Zahlen stammen aus unterschiedlichen Rechtsinstrumenten unterschiedlicher Länder und sind keine vergleichbaren Prozentsätze derselben Größe; sie stehen nebeneinander, statt gemittelt zu werden.

Land/RegionRegelungDatumQuelle
FrankreichBiofioul-F30-Pflicht für neue Wohnkessel, bis zu 30 % Biokomponentein Kraft seit 1.7.2022, Verordnung 2.10.2022biofioul.info
New York State (USA)Bioheat-Mindestquote, 10 % für 2026, steigt auf 20 % ab 2030Gesetz vom 22.12.2021biobased-diesel.com, 23.12.2021
Massachusetts (USA)Mandat von 2008 ausgesetzt, stattdessen freiwilliges Programm, keine verbindliche Quote 2026Zugriff 18.09.2026mass.gov
Deutschland, laut gebaeudeforum.deGModG-Biotreppe als verabschiedet beschrieben: 10/15/30/60 % ab 2029/2030/2035/2040Zugriff 18.09.2026gebaeudeforum.de
Deutschland, laut autarc.energyNur die 10-%-Stufe 2029 als fix genannt, Stufen 2035/2040 „noch festzulegen“Zugriff 18.09.2026autarc.energy
SpanienKeine Heizöl-Beimischpflicht gefundeneigene Recherche, 18.09.2026eigene Recherche

Für Deutschland wurde zum Stichtag 18.09.2026 keine bundesweit bereits geltende Beimischpflicht für Heizöl gefunden; wo sich Quellen zum Rechtsstand widersprechen, werden hier beide genannt statt zu einer Zahl gemittelt. Das ändert nichts daran, wie der tägliche Heizölpreis selbst zustande kommt.

4. Deutschlands strittige Biotreppe, und warum das wichtig ist

Der Rechtsstand der deutschen Biotreppe für Öl- und Gasheizungen ist zwischen zwei Fachportalen tatsächlich strittig, und diese Seite behandelt ihn als ungeklärt, statt sich für eine Seite zu entscheiden. Gebaeudeforum.de datiert das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) als verabschiedet am 23.7.2026, mit verbindlichen Stufen von 10 Prozent ab 1.1.2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040 für Biomethan, Bio-Heizöl, Bio-Flüssiggas und Wasserstoff in neuen Gas- und Ölheizungen (gebaeudeforum.de, Zugriff 18.09.2026). Autarc.energy bestätigt dagegen nur die 10-Prozent-Stufe 2029 als feststehend und bezeichnet die Stufen für 2035 und 2040 als „noch festzulegen“, mit Verweis auf einen für Frühjahr oder April 2026 angekündigten Entwurf (autarc.energy, Zugriff 18.09.2026).

Ein Artikel von heizoel24.de vom 25.2.2026 berichtete, die Ölheizung dürfe bleiben, mit einer Biokomponente ohne CO2-Preis, was zu diesem Zeitpunkt eher zu einem laufenden Gesetzgebungsprozess passt als zu einem bereits feststehenden Gesetz. Ein Eintrag im Textarchiv des Bundestages zur Heizungsgesetz-Novelle aus KW28/2026 liegt vor, sein Inhalt und der exakte Beschlussstand ließen sich für diese Seite jedoch nicht verifizieren, weshalb wir ihn hier nur als Fundstelle nennen und nicht gegen eine der beiden Portal-Angaben ausspielen. Wegen dieses Widerspruchs solltest du nichts auf dieser Seite als geltendes deutsches Recht über das hier Genannte hinaus lesen; vor einer Bio-Heizöl-Bestellung in Deutschland lohnt sich die direkte Prüfung des aktuellen Standes bei bundestag.de, bmwsb.bund.de oder gmodg.bund.de. Eine separate geplante „Inverkehrbringer-Quote“ (Lieferantenquote) mit 1 Prozent Start ab 2028 ist laut gebaeudeforum.de erst als Eckpunkt bis zum 1.12.2026 geplant, also angekündigt, nicht beschlossen. Wer das mit einem Festpreisvertrag für Heizöl vergleicht, sollte jede Biotreppen-Prozentzahl bis zur Bestätigung an der Primärquelle als vorläufig behandeln.

5. Was heißt das für meine nächste Bestellung?

Vor der Bestellung von Bio-Heizöl oder HVO ist die praktische Frage nicht, welches Land welche Quote vorschreibt, sondern ob dein konkreter Kessel für die konkret angebotene Beimischung freigegeben ist. Frage deinen Händler nach der genauen Fxx-Stufe oder ob das Produkt reines HVO100 ist, und ob das zu dem passt, was dein Kessel- und Brennerhersteller schriftlich freigegeben hat, denn Herstellerfreigabe und Garantie sind von jeder nationalen Beimischregel unabhängig zu prüfen.

Wechselt dein Händler dich erstmals auf eine neue Beimischung, ist eine Teilbefüllung statt eines vollen Tanks sinnvoll, damit du und dein Fachbetrieb mögliche Probleme prüfen könnt, bevor eine größere Menge folgt. Ob Kaufen jetzt oder Warten für deinen eigenen Tankstand sinnvoll ist, behandelt gesondert unsere Seite Heizöl jetzt kaufen oder warten. Rechne mit dem Heizungsvergleichsrechner durch, was eine Teil- oder Vollbestellung zum aktuellen Preis tatsächlich kostet.

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6. Missverständnisse: was eine Biopflicht NICHT bedeutet

Eine nationale Beimischpflicht bedeutet nicht automatisch, dass dein konkreter Kessel für diese Beimischung freigegeben ist, und „HVO“ ist nicht einfach ein anderes Wort für Biodiesel. Die Prozentzahl in einer „Fxx“-Kennziffer ist eine gesetzliche Obergrenze für den FAME-Anteil, keine Garantie, dass dein konkretes Gerät, deine Tankdichtungen und deine Garantiebedingungen sie akzeptieren; das entscheidet allein die Freigabeliste deines Kesselherstellers.

Ebenfalls falsch ist es, die Prozentzahlen der deutschen Biotreppe schon heute als feststehende Planungsgrösse zu behandeln: Wie oben gezeigt, nennt eine Quelle die höheren Stufen als fix, eine andere als noch offen, weshalb keine Prozentzahl über die strittige 10-Prozent-Stufe 2029 hinaus als geltendes Recht gilt. Ob ein Festpreisvertrag auch die Beimischung und nicht nur den Preis festschreibt, solltest du gesondert mit deinem Lieferanten klären.

7. Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bio-Heizöl, Biofioul und HVO?
Es handelt sich um dieselbe Grundidee mit unterschiedlichen Landesbezeichnungen: US-Bioheat und französisches Biofioul meinen meist fossiles Heizöl mit einer FAME-Biodiesel-Beimischung bis zu einer festen Prozentzahl (F10, F30), während HVO100 ein eigenständiger, reiner, fossilfreier Kraftstoff nach EN 15940 ist, kein Beimischprodukt.
Muss ich meinen Kessel für Bio-Heizöl umrüsten?
Das hängt allein von der Herstellerfreigabe deines konkreten Geräts ab, nicht von der Prozentzahl allein; ältere Tankdichtungen und Brennerteile wurden nicht immer gegen die höhere Wasseraufnahme von FAME getestet, deshalb solltest du vor dem Wechsel die schriftliche Herstellerfreigabe von deinem Fachbetrieb bestätigen lassen.
Was ist der Unterschied zwischen HVO100 und normalem Bio-Heizöl?
HVO100 ist chemisch näher am fossilen Heizöl als FAME-Beimischungen und ist gar kein Beimischprodukt, sondern ein reiner Kraftstoff nach EN 15940; das macht es allgemein lagerstabiler, wobei diese Recherche keine eigene belegte Haltbarkeitszahl speziell für HVO gefunden hat.
Gibt es aktuell eine Bio-Heizöl-Pflicht in Deutschland?
Zum Stichtag 18.09.2026 wurde keine bundesweit bereits geltende Beimischpflicht für Heizöl gefunden; eine geplante Biotreppe existiert, aber zwei Quellen widersprechen sich, ob sie beschlossen ist und mit welchen Prozentzahlen, weshalb nichts über die strittige 10-Prozent-Stufe 2029 hinaus als feststehend gilt.
Gilt in Massachusetts eine Biodiesel-Quote für Heizöl?
Nein. Ein Mandat von 2008 mit 2 Prozent ab 2010 und 5 Prozent ab 2013 wurde von der zuständigen Landesbehörde DOER ausgesetzt und durch ein freiwilliges Programm ersetzt; für 2026 gilt keine verbindliche Quote (mass.gov).
Gilt in Spanien eine HVO- oder Biodiesel-Pflicht für Heizöl?
Für Spanien wurde in dieser Recherche keine Heizöl-Beimischpflicht gefunden. Relevant ist HVO dort eher auf der Dieselseite, wo es als optionaler, EN-15940-konformer Drop-in-Kraftstoff oder Beimischbestandteil in Fahrzeugen dienen kann, wenn der Hersteller es freigegeben hat, unabhängig von jeder Heizöl-Regel.

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