1. Die kurze Antwort
Die Energiesteuer (AT/CH: Mineralölsteuer) ist eine feste Mengensteuer in Cent pro Liter auf Benzin, Diesel und Heizöl, unabhängig vom Rohölpreis, während die Mehrwertsteuer prozentual auf den kompletten Nettopreis inklusive Mengensteuer berechnet wird. In Deutschland liegt der Regelsatz bei 65,45 Ct/L für Benzin, 47,04 Ct/L für Diesel und nur 6,135 Ct/L für leichtes Heizöl (Zoll, abgerufen 17.09.2026); diese Cent-Beträge bleiben gleich, ob Brent bei 70 oder, wie am 17.09.2026, bei 104,18 US-Dollar pro Barrel steht (Trading Economics).
Die Mehrwertsteuer kommt zusätzlich auf den Nettopreis plus Energiesteuer plus CO2-Aufschlag, dazu mehr im Mechanik-Abschnitt. Beide Steuerarten liegen wie eine Schicht über dem Großhandelspreis, den unser Eintrag zum Pass-Through-Effekt erklärt, und beide sind vom deutschen CO2-Abgabe-Eintrag zu unterscheiden, der on top kommt.
2. Die Mechanik, auf die es ankommt: feste Steuer gegen steigenden Preis
Weil die Energiesteuer ein fester Cent-Betrag pro Liter ist, sinkt ihr prozentualer Anteil am Literpreis, wenn der Preis steigt, während die Mehrwertsteuer prozentual mitwächst und damit bei hohen Preisen absolut mehr einnimmt. Ein Beispiel: Bei einem Liter für 1,50 Euro und 65,45 Ct Energiesteuer macht die Steuer rund 44 % aus; steigt der Liter auf 2,00 Euro, sind dieselben 65,45 Ct nur noch rund 33 %. Die Mehrwertsteuer dagegen wächst mit: 19 % auf 1,50 Euro sind rund 28,5 Cent, 19 % auf 2,00 Euro sind rund 38 Cent, ein Steueranstieg, ohne dass der Gesetzgeber irgendetwas ändert.
Das ist auch der Grund, warum Regierungen bei Preisschocks eher die Mengensteuer senken als die Mehrwertsteuer: Eine Senkung der Mengensteuer ist fiskalisch leichter zu dosieren und leichter wieder rückgängig zu machen, eine Mehrwertsteuersenkung ist teurer und europarechtlich enger begrenzt. Spanien hat genau deshalb seinen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Kraftstoffe zum 01.07.2026 ganz abgeschafft und ist zurück auf den Regelsatz von 21 % gegangen, während parallel die Mengensteuer (IEH) gesenkt wurde (EY España, 01.07.2026) – siehe die Tabelle unten für DE/AT/CH.
3. Sätze für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Stand 17.09.2026
Die tabellierten Sätze sind Regelsätze; die befristete deutsche Senkung von Mai/Juni 2026 ist zum Stichtag bereits ausgelaufen und wird deshalb nur als historische Angabe im Fließtext erwähnt, nicht in dieser Tabelle als aktuell geführt.
| Steuer | Satz | Stand | Quelle |
|---|---|---|---|
| DE Energiesteuer Benzin | 65,45 Ct/L | Regelsatz, abgerufen 17.09.2026 | Zoll online |
| DE Energiesteuer Diesel | 47,04 Ct/L | Regelsatz, abgerufen 17.09.2026 | Zoll online |
| DE Energiesteuer leichtes Heizöl | 6,135 Ct/L | Regelsatz, abgerufen 17.09.2026 | Zoll online |
| DE Mehrwertsteuer | 19 % | auf Nettopreis + Energiesteuer + CO2-Aufschlag | t-online.de |
| AT Mineralölsteuer Benzin / Diesel / Heizöl extraleicht | 48,2 / 39,7 / 9,8 Ct/L | abgerufen 17.09.2026 | finfo.at |
| AT Mehrwertsteuer | 20 % | auf Nettopreis + MÖSt + CO2-Bepreisung | finfo.at |
| CH Mineralölsteuer + Zuschlag + Importabgaben (Benzin, Summe) | rund 77 Rp/L | abgerufen 17.09.2026 | avenergy.ch |
| CH Mehrwertsteuer | 8,1 % | auf Warenwert + fixe Abgaben | avenergy.ch |
Der genaue CH-Dieselsatz und die Aufschlüsselung der einzelnen Schweizer Abgabenarten sowie eine amtliche deutsche Cent/Liter-Zahl für den CO2-Preis 2026 (nur Korridor 55 bis 65 €/Tonne belegt) konnten in der Recherche nicht als Fixwert verifiziert werden und stehen deshalb nicht als Behördenzahl in dieser Tabelle.
4. Warum Heizöl viel niedriger besteuert ist als Diesel, und was der CO2-Preis 2026 ausmacht
Heizöl und Diesel sind chemisch fast dasselbe Mitteldestillat, werden aber steuerlich sehr unterschiedlich behandelt, weil Heizöl zur Kontrolle rot eingefärbt und mit dem Marker "Solvent Yellow 124" versetzt wird. Mit 6,135 Ct/L gegenüber 47,04 Ct/L bei Diesel wird deutsches Heizöl nur mit rund einem Achtel der Diesel-Steuer belastet (Zoll, abgerufen 17.09.2026); die Verwendung von markiertem Heizöl als Kraftstoff ist Steuerhinterziehung, das ist die Kehrseite dieser Vergünstigung. Details zum Heizölpreis selbst, getrennt von der Steuerfrage, stehen in unserem Heizölpreis-Eintrag.
Zusätzlich kommt in Deutschland und Österreich ein CO2-Preis dazu: 2026 liegt er in Deutschland in einem Korridor von 55 bis 65 €/Tonne CO2 (BEHG), was laut Medienschätzung – keine amtliche Cent/Liter-Zahl – knapp 3 Ct/L Zuwachs bei Benzin und gut 3 Ct/L bei Diesel gegenüber 2025 ausmacht (ADAC, Stand 26.08.2026); in Österreich sind es 55 €/Tonne, brutto umgerechnet rund 15 Ct/L bei Benzin und 16,5 Ct/L bei Diesel (finfo.at). Mehr zur Systematik dieses Aufschlags in unserem CO2-Abgabe-Eintrag. Zu unterscheiden ist das Ganze von einer Übergewinnsteuer, der Geschwisterseite dieser Welle: Die zielt auf den Unternehmensgewinn, nicht auf den verkauften Liter, und wirkt daher nicht direkt auf den Zapfsäulenpreis.
5. Was das für deine Heizöl- oder Dieselrechnung heißt
Steuersätze ändern sich selten und meist mit Vorlauf, während Rohöl und Großhandelspreise sich täglich bewegen, deshalb lohnt sich das Warten auf eine angekündigte Steueränderung mit festem Datum, nicht aber das Warten auf eine Preisprognose. Die deutsche Energiesteuer-Senkung von Mai/Juni 2026 (minus 14,04 Ct/L auf Benzin und Diesel) hatte ein festes Start- und Enddatum und ist im September 2026 bereits ausgelaufen; wer jetzt auf eine ähnliche Entlastung wartet, sollte das nicht ungeprüft annehmen, denn eine neue Regelung ist zum Stichtag 17.09.2026 nicht bekannt.
In Deutschland wird stattdessen über eine Mehrwertsteuersenkung auf Sprit als Alternative zur Übergewinnsteuer diskutiert (Unionsvorschlag, Stand 16.09.2026) – das ist eine Debatte, kein Beschluss, und sollte auch so behandelt werden. Für die konkrete Kaufentscheidung bei Heizöl bringt Warten auf eine Steueränderung wenig, solange keine mit Datum bestätigt ist; unsere Seite Heizöl jetzt kaufen oder warten übersetzt das in eine Regel nach Tankfüllstand statt in eine Steuer- oder Preisprognose. Rechne deine eigenen Zahlen in unserem Energiekosten-Rechner durch.
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Zum Rechner6. Was die Energiesteuer nicht bedeutet
Die Energiesteuer ist nicht der Hauptgrund für einen Preissprung bei einem Ölschock, und sie ist nicht dasselbe wie eine Übergewinnsteuer. Weil die Mengensteuer in Cent/Liter fest ist, stammt der größte Teil eines Preisanstiegs wie am 17.09.2026 (Brent 104,18 USD/bbl, Trading Economics) aus dem Rohstoff- und Raffineriemarkt, nicht aus einer Steuererhöhung; siehe dazu unseren Eintrag zur Raffineriemarge.
Ein häufiges Missverständnis ist außerdem, die im September 2026 diskutierte Übergewinnsteuer würde die Energiesteuer ersetzen oder senken; das ist nicht der Fall, es sind zwei getrennte Instrumente auf unterschiedlichen Ebenen (Unternehmensgewinn versus Liter). Und wer den deutschen Heizölpreis direkt mit dem Dieselpreis vergleicht, sollte die Steuerlücke von rund 41 Ct/L nicht ignorieren, sonst wirkt Heizöl fälschlich "billiger, weil der Markt es so will", obwohl ein großer Teil der Differenz aus der Steuer selbst kommt.