1. Was tatsächlich passiert ist
Kurz: die Meerenge ist dicht, die Preise sind es nicht. Die Straße von Hormuz ist für kommerzielle Transporte geschlossen; am 16. August 2026 passierte ein Schiff gegenüber normalerweise rund 73 pro Tag. Trotzdem steht Brent bei 91,99 US-Dollar und damit unter dem Juli-Hoch. Beides gleichzeitig zu verstehen ist der Schlüssel für deine Bestellentscheidung.
Die Internationale Energieagentur beziffert in ihrem Ölmarktbericht vom August 2026 den Ausfall konkret: Die Exporte aus der Golfregion, einschließlich der Routen, die Hormuz umgehen, fielen um 2,1 Millionen Barrel pro Tag auf 15 Millionen. Die Produktion am Golf liegt 8,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die IEA ein um 4,3 Millionen Barrel pro Tag geringeres Weltangebot.
Dass der Preis dennoch nicht explodiert, hat einen unbequemen Grund: die Nachfrage bricht mit weg. Die IEA rechnet für 2026 mit einem Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 1,6 Millionen Barrel pro Tag - im zweiten Quartal waren es sogar 4,9 Millionen. Ein Angebotsschock, dem ein Nachfrageschock gegenübersteht, ergibt einen hohen, aber nicht entfesselten Preis.
Der Puffer, der das trägt, schrumpft allerdings sichtbar. Die weltweit beobachteten Lagerbestände fielen im Juli um 69 Millionen Barrel auf knapp 7,9 Milliarden - der niedrigste Stand seit April 2025.
2. Was davon bei deinem Heizöl ankommt
Kurz: rund 139 Cent pro Liter bei 3.000 Litern, und damit günstiger als vor vier Wochen. Der deutsche Mittelpreis für schwefelarmes Heizöl liegt laut Tecson bei 138,8 Cent pro Liter für eine Bestellmenge von 3.000 Litern inklusive Mehrwertsteuer. Vor einem Monat waren es 142,6 Cent - ein Minus von 2,7 Prozent.
Die Bezugsmenge ist dabei kein Detail, sondern der halbe Preis. Wer 100 Liter bestellt, zahlt pro Liter deutlich mehr als bei 3.000 Litern; regional liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter bis zu 20 Cent je Liter. Jeder Vergleich, der die Menge nicht mitnennt, ist wertlos.
Für eine typische Tankfüllung von 3.000 Litern bedeutet der aktuelle Preis rund 4.164 Euro. Vor vier Wochen wären es 4.278 Euro gewesen. Die 114 Euro Unterschied sind genau die Größenordnung, um die es beim Timing geht - nicht die Tausender, die in Krisenschlagzeilen stehen.
3. Der Teil deiner Rechnung, der nicht vom Öl kommt
Kurz: bis zu 20,7 Cent je Liter sind CO2-Preis, und der ist für 2026 und 2027 gedeckelt. Der nationale CO2-Preis bewegt sich 2026 im gesetzlich festgelegten Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Bei 65 Euro entspricht das rund 17 Cent je Liter netto beziehungsweise bis zu 20,7 Cent inklusive Mehrwertsteuer.
Diese Komponente ist berechenbar, und das ist in der aktuellen Lage viel wert. Die Bundesregierung hat die ursprünglich für 2027 geplante Erhöhung ausgesetzt: Der Korridor von 55 bis 65 Euro gilt auch im kommenden Jahr. Der europäische Emissionshandel ETS 2 für Gebäude und Verkehr startet nach der EU-Verschiebung erst 2028, die ersten Auktionen laufen ab Januar 2027, die erste Abgabepflicht fällt am 31. Mai 2029.
Praktisch heißt das: Wer auf eine CO2-bedingte Verteuerung im nächsten Jahr spekuliert, spekuliert gegen die aktuelle Beschlusslage. Die Unsicherheit in deiner Rechnung sitzt im Rohölpreis und im Wechselkurs, nicht in der Abgabe.
4. Wie du daraus eine Bestellentscheidung machst
Kurz: gestaffelt bestellen schlägt den Versuch, den Tiefpunkt zu treffen. Die Preisspanne im Juli betrug laut IEA fast 40 US-Dollar je Barrel innerhalb eines einzigen Monats. In einem Markt mit dieser Volatilität ist die Wahrscheinlichkeit, den besten Tag zu erwischen, gering - und der Preis für einen Fehlgriff hoch.
- Tank unter 30 Prozent: nicht auf einen besseren Kurs warten. Die Lagerbestände sind auf dem niedrigsten Stand seit April 2025; ein Lieferengpass im Herbst würde dich ohne Puffer treffen.
- Tank zwischen 30 und 60 Prozent: die Hälfte des Bedarfs jetzt, den Rest im Oktober. Das mittelt den Preis und hält dich lieferfähig.
- Tank über 60 Prozent: Zeit auf deiner Seite. Beobachte die Verhandlungslage - eine Öffnung der Meerenge wäre das einzige Ereignis, das den Preis kurzfristig deutlich senken kann.
Zwei Regeln gelten unabhängig vom Füllstand: Bestelle die größte Menge, die dein Tank aufnimmt, weil der Mengeneffekt größer ist als die meisten Tagesschwankungen. Und hole mindestens drei regionale Angebote ein - die Spanne von bis zu 20 Cent je Liter ist der zuverlässigste Hebel, den du selbst in der Hand hast.
Rechne durch, was ein Ölpreis von 120, 150 oder 180 US-Dollar deinen Haushalt kostet.
Szenario berechnen5. Was den Preis von hier aus bewegt
Nach oben. Die Lagerbestände sinken schnell; die IEA nennt die Risiken ausdrücklich substanziell. Am 24. August 2026 kündigte das US-Finanzministerium unter dem Namen Operation Economic Outcast erweiterte Sekundärsanktionen gegen den Iran an und benannte knapp 60 Entitäten, Personen und Schiffe. China nimmt rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab - greifen die Sanktionen dort, verschwindet zusätzliches Angebot vom Markt.
Nach unten. Die Nachfragezerstörung ist real und hält an. Katar meldete am 12. August, die Gespräche zwischen Oman und Iran seien in einem fortgeschrittenen Stadium. Eine Öffnung der Meerenge wäre der Auslöser für einen deutlichen Preisrutsch. Bezeichnend: Am Tag der Sanktionsankündigung fiel Brent um 2,5 Prozent - der Markt preist die Nachfrageseite derzeit stärker als die Angebotsseite.
Für das Frühjahr erwartet die IEA für 2027 wieder ein Nachfragewachstum von 2,4 Millionen Barrel pro Tag. Trifft das auf ein Angebot, das sich noch nicht erholt hat, verschiebt sich das Risiko erneut nach oben. Wer seine Heizperiode absichern will, sollte das eher vor als nach dem Winter tun.